Der zweite Versuch ging daneben. Es war wieder diese Postbankfiliale in Berlin-Marzahn. Wieder streckte Petra Q. in der Jackentasche einen Finger aus, als handele es sich um einen Pistolenlauf. Wieder hatte sie die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und leise gesagt: „Es tut mir leid, aber das ist jetzt ein Überfall.“ Aber es war diesmal eine andere Kassiererin. Sie antwortete: „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst. Machen Sie sich doch wegen so ein paar Euro nicht unglücklich!“ Worauf Petra Q. erwiderte: „Das ist längst geschehen.“
Am Donnerstag verurteilte eine Moabiter Strafkammer Petra Q. wegen räuberischer Erpressung zu drei Jahren und drei Monaten Haft. Der Richter betonte, dass die 54-Jährige zuvor noch nie mit den Gesetzen in Konflikt gekommen sei und ein umfassendes Geständnis abgelegt habe.
Im Gerichtssaal saß auch Herr F., ein 49-jähriger Mann, der, vermutlich ohne es gewusst zu haben, Anlass für die Raubüberfälle der Angeklagten war. Kennengelernt hatte er Petra Q. im Jahr 2008 bei einer stationären Entziehungskur in einem Krankenhaus in Weißensee. Beide sind seitdem sogenannte trockene Alkoholiker. Petra Q. spricht vor Gericht von „einer großen Liebe“ und dass ihr das „schon lange nicht mehr passiert“ sei.
Die Lüge vom großen Vermögen
Seitdem waren die beiden ein Paar. Anfang 2010 gab die gelernte Altenpflegerin ihre Wohnung in Tempelhof auf und zog zu dem Geliebten nach Marzahn. Zu diesem Zeitpunkt muss es schon diese Lüge gegeben haben: dass sie einer bekannten deutschen Industriellenfamilie entstamme. „Ich hatte Angst, dass er mich verlässt“, beantwortete sie die Frage des Richters, wie sie auf diese Lüge gekommen sei. Herr F. habe ihr schon kurz nach dem Kennenlernen erklärt, „dass er, wenn überhaupt, nur eine reiche Frau heiraten“ würde. Er selbst bezog – nachdem er bei einem Verkehrsunfall ein Bein verlor – nur eine schmale Erwerbslosenrente.
Am 17. Februar 2010 war Petra Q. zum ersten Mal losgezogen. Die Postbank-Filiale war zu Fuß nur fünf Minuten von der Plattenbauwohnung ihres Geliebten entfernt. Die Kassiererin, die vor Gericht als Zeugin erschien, ist noch heute traumatisiert. Sie war, wie von der Räuberin gewollt, davon ausgegangen, dass die Ausbuchtung in der Jackentasche eine Pistole ist. Sie habe wie in Trance das Geld geholt, berichtete sie unter Tränen. 55.000 Euro. Petra Q. konnte anschließend unbemerkt nach Hause laufen.
Als dieses Geld aufgebraucht war, fast auf den Tag genau zwei Jahre später, versuchte Petra Q. es erneut. Vermutlich verriet schon ihre Körpersprache, dass sie an diesem Tag selbst nicht an einen Erfolg glaubte. Die Kassiererin – diesmal eine ältere und erfahrenere – sagte vor Gericht, dass es sich wohl „um eine Verzweiflungstat gehandelt“ habe. Die Täterin sei nach dem gescheiterten Versuch ja auch ohne Gegenwehr im Vorraum der Bank geblieben und habe auf die Polizei gewartet.
Petra Q. durfte nach dem Urteil erst einmal nach Hause gehen. Der Beginn der Haft wird ihr schriftlich mitgeteilt. Sie hoffe, dass sie in den offenen Vollzug komme, sagt sie vor Gericht. Sie wolle noch einmal ganz von vorn anfangen – mit Herrn F., der sie jetzt heiraten will.

