Am Montagabend kündigten Fluglärm-Gegnerlautstarke Demonstrationen für Dienstagabend an. Nach Angaben der Bürgerinitiative Friedrichshagen wollen die Protest-Teilnehmer am Roten Rathaus ab 18.00 Uhr „ihr letztes Hemd“ zeigen. Um die Regierungszentrale soll eine „Mensch-Hemd-Kette“ gebildet werden. Am Montagabend hätten sich rund 2000 Bürger auf der 50. Montags-Demo in Friedrichshagen u.a. mit dem international bekannten Protestsong „We shall overcome“ bereits auf die geplante Aktion „eingesungen“.
Zur Begründung der Aktion bei Hoffest-Gastgeber Wowereit heißt es in einer Erklärung, Wowereit trage als Aufsichtsratschef eine Mitverantwortung für das Fiasko um den verschobenen Start des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg (BER). Die Sprengkraft der Kostenexplosion für den Flughafen sei „bislang nicht absehbar“. Gleichzeitig sei das Geld für soziale und kulturelle Einrichtungen knapp. Musikschulen und Jugendclubs müssten schließen, soziale Projekte würden „ausbluten“.
Beim Hoffest im Roten Rathaus treten wieder zahlreiche Berliner Künstler auf, Berliner Spitzenhotels und -restaurants bieten leckere Speisen und Getränke an. Um Mitternacht öffnen sich wieder die Tore im Rathauskeller, der sonst das ganze Jahr geschlossen ist. Der legendäre Sage Club legt zur Aftershow-Party auf, und die Unermüdlichen tanzen bis in den frühen Morgen.
Zum zweiten Mal wird das Fest bereits im Juni statt im September gefeiert. Bezahlt wird das Fest wie in jedem Jahr von Sponsoren. Der Steuerzahlerbund warf dem Senat allerdings im vergangenen Jahr vor, er führe die Bürger bewusst in die Irre. Unter den Sponsoren seien zahlreiche Landesunternehmen wie die Verkehrsbetriebe BVG und die Stadtreinigung BSR. Auf diesem Weg würden Steuer- und Gebührenzahler das Fest mitbezahlen.
Steuerzahlerbund fordert Verzicht auf Hoffest-Sponsoring
Der Steuerzahlerbund hat den Berliner Senat unterdessen aufgefordert, beim Hoffest mit mehreren tausend Gästen auf Sponsoring zu verzichten. Mindestens ein Viertel des Geldes – rund 89.000 Euro - werde durch Unternehmen mit Landesbeteiligung aufgebracht, kritisierte der Vorsitzende Alexander Kraus am Dienstag. Auf diesem Weg würden auch Steuern und Gebührengelder in das Fest in den Innenhöfen des Roten Rathauses fließen. „Hinzu kommen Sach- und Kulturleistungen, zum Beispiel der Deutschen Oper, des Staatsballetts und des Rundfunkchors, die ebenfalls erheblich aus Steuermitteln subventioniert werden.“
Beim Hoffest am Dienstag werden rund 3500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien erwartet. Gefeiert wird im Hof des Rathauses und auf den Straßen rund um das Gebäude.
Die Finanzierung für das Fest ist seit mehreren Monaten im Internet veröffentlicht. Sowohl Sponsoren wie die gezahlten Summen sind einzusehen. Demnach zahlt die Berliner Stadtreinigung beispielsweise 16.000 Euro für die Präsentation des Unternehmens. 8500 Euro geben jeweils unter anderen die Verkehrsbetriebe BVG, die Wasserbetriebe und das Wohnungsunternehmen Degewo.
dpa/dapd/nbo


