Ein Jahr nach Inkrafttreten des Spielhallengesetzes in Berlin kämpft die Branche mit den Auswirkungen. Die Berliner Spielhallenbetreiber verzeichnen je nach Standort ein Umsatzminus zwischen 20 und 40 Prozent, wie der Geschäftsführer der Automaten-Wirtschaftsverbände, Dirk Lamprecht, im Interview der Nachrichtenagentur dapd sagte. Schließungen habe es bislang allein deshalb noch nicht gegeben, weil bestehende Mietverträge erfüllt werden müssten.
„Durch den Wegfall von acht Stunden Öffnungszeiten sind an einigen Standorten ein Drittel der Mitarbeiter entlassen worden“, bilanzierte Lamprecht. Außerdem gebe es weniger Kundschaft in gewerblichen Spielhallen. „Festzustellen ist, dass die Kunden abwandern und dabei verstärkt von staatlichen Spielangeboten – wie den Spielbanken – angesprochen werden.“ Lamprecht zufolge nutzen viele auch Glücksspiele im Internet.
Vor allem in den Abend- und Nachtstunden gebe es eine Verlagerung in Gaststätten, Hinterzimmer und Kulturvereine, erklärte der Verbandschef. Vom Spielhallengesetz unberührt sind Betreiber etwa von Restaurants oder Cafés, die in ihren Räumen bis zu drei Spielautomaten aufgestellt haben und dafür keine Genehmigung benötigen. Gewerbliche Spielhallen dürfen maximale acht Automaten pro Gebäude betreiben. Vorher waren zwölf erlaubt.
Lamprecht sprach von einer Zunahme von „halb legalen und illegalen Aktivitäten“, etwa sogenannten Café-Casinos. Dort werde unkontrolliertes Glücksspiel angeboten. Stattdessen würden „die legalen gewerblichen Spielhallen an den Pranger gestellt“, beklagte der Geschäftsführer. Zudem kritisierte er, dass die Zahl der in Spielcasinos mit staatlicher Lizenz aufgestellten Automaten nicht limitiert sei. Dort dürfe nach wie vor Alkohol ausgeschenkt werden. In privat betriebenen Spielhallen sei dies seit 1985 verboten.
Mit dem Spielhallengesetz, das am 2. Juni 2011 in Kraft trat, sollen die Zahl der Spielhallen und die Spielsucht eingedämmt werden. Nach Schätzungen von Experten leben in Berlin etwa 37.000 Menschen mit problematischem oder krankhaftem Suchtverhalten beim Glücksspiel.
dapd/tj

