Madeleine J. wurde am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht zu vier Jahren Haft wegen Totschlages in einem minderschweren Fall verurteilt. Das Berliner Landgericht ging von einer verminderten Schuld der 25-Jährigen aus

Die Auszubildende hatte ihren neugeborenen Jungen in ihrer Wohnung im Stadtteil Buch erstickt und anschließend in den Müll geworfen. Sie hatte dem Baby kurz nach der Geburt im Badezimmer den Mund zugehalten, als es anfing zu schreien. Ihr Lebensgefährte, mit dem sie zwei weitere Söhne hat, habe kein weiteres Kind gewollt, erklärte die Mutter. Als am Abend des 29. November 2011 die Wehen einsetzten, sei sie in Panik geraten. Die damals 24-Jährige legte den toten, in Plastiktüten und in Handtücher gewickelten Säugling in eine Mülltonne nahe ihrer Wohnung in einem Hochhaus in der Walter-Friedrich-Straße.

Die Polizisten fanden das Neugeborene einen Tag später in einer Mülltonne. Die betreuende Ärztin des bezirklichen Sozialdienstes hatte der Mutter zuvor einen Besuch abgestattet. Dabei stellte die Betreuerin fest, dass die Frau bereits entbunden hatte. Auf die drängenden Fragen der Ärztin nach dem Verbleib des Neugeborenen verwickelte sich die Mutter in Widersprüche. Laut Staatsanwaltschaft legte die junge Mutter kurz nach der Tat ein Geständnis ab. Demnach habe die Auszubildende befürchtet, dass wegen des weiteren Kindes ihre Beziehung in die Brüche geht und sie allein nicht zurechtkommt..

Madeleine J. lebte mit zwei weiteren Kindern, ein und drei Jahre alt, und ihrem Lebensgefährten in einer Wohnung im vierten Stock des Hauses, sie war ebenso wie ihr Lebensgefährte seit Längerem arbeitslos. Nachbarn berichteten, die junge Frau habe im Umgang mit ihren Kindern häufig einen überforderten Eindruck gemacht. Ihre Probleme, so Anwohner, seien auch der Grund gewesen, weshalb sie während der letzten Schwangerschaft eine staatliche Betreuung erhalten habe.

Madeleine J. befindet sich bereits seit sechs Monaten in Untersuchungshaft.

Am 7. Juni beginnt ein ähnlicher Prozess gegen Ines D. wegen Tötung ihres Neugeborenen. Die 41 Jahre alte Facharbeiterin soll ihren Sohn ebenfalls im November 2011 im Badezimmer entbunden haben. Die mehrfache Mutter soll den Säugling aus dem Fenster ihres Wohnhauses am Spandauer Damm in Charlottenburg in die Tiefe geworfen haben. Das Kind starb an den Folgen des Sturzes. Nach Medienberichten schlief die Mutter anschließend vor dem Fernseher ein. Auch sie gestand die Tat. Laut Staatsanwaltschaft soll die Frau, die bereits zwei Kinder zur Adoption freigegeben hatte, ihrem Lebensgefährten die Schwangerschaft verheimlicht haben.

Im Juni 2011 wurde eine junge Mutter vom Berliner Landgericht wegen einer ähnlichen Tat zu zwei Jahren Jugendstrafe mit Bewährung verurteilt. Die 20-Jährige hatte ihr Kind Weihnachten 2010 nach der Geburt aus dem Fenster in den verschneiten Hof geworfen. Das Baby starb an Unterkühlung.

BMO