Nachtleben

Filme porträtieren Bar 25 und Berlin der 90er-Jahre

Süßer Vogel Jugend: Die Berliner Nachtschwärmer haben wilde Jahre erlebt. Gleich zwei Kinofilme üben sich in Nostalgie.

Foto: Michael Brunner

Sie war wie ein Jahrmarkt für Erwachsene. Ein Sehnsuchtsort für die „Generation Easyjet“, die für tagelange Partys nach Berlin einfliegt. Lange Schlangen standen vor dem Bretterzaun am Spreeufer. Die seit 2010 geschlossene Bar 25 war sieben Jahre lang eine feste Größe im Nachtleben. Am 3. Mai kommt die Geschichte des Clubs bundesweit ins Kino – die Premiere steht am Montagabend auf dem Programm, an der alten Adresse. Noch nostalgischer ist die Doku „Berlinized – Sexy an Eis“ über die wilden Jahre nach dem Mauerfall in den 90ern.

Der Bar-25-Film begleitet die Protagonisten Steffi Lotta, Christoph, Juval und Danny. Er setzt die Clubkommune und die „Tage außerhalb der Zeit“ mystisch-poppig in Szene. Die Bar wirkt wie ein märchenhafter Freiluft-Zirkus, in dem die Gäste in Tierkostümen durch die Nächte tanzen, sich im Schlamm wälzen oder nackt in die Spree hüpfen. Ein kleiner Nachfolger der Loveparade also.

750 Stunden Material gab es für den Film von Nana Yuriko und Britta Mischer. An Selbstbewusstsein mangelte es der Bar nicht. In der Ankündigung ist vom „Entwurf einer Gegenkultur im 21. Jahrhundert“ die Rede. Vielleicht ging es doch nur um das Gefühl von Freiheit und gute Partys? „Trinkt den Champagner wie das Leben“, ruft Steffi als DJ den Gästen zu. Sogar die „New York Times“ meldet sich bei der Bar. Die Kamera ist dabei.

Doch der Boden unter dem zusammengezimmerten Club ist wegen Altlasten sanierungsbedürftig. Die linke Szene kämpft zur gleichen Zeit gegen „Mediaspree“, ein Investorenprojekt für Neubauten am Fluss. Beim Abschied von der Bar 25 fließen Tränen. Ihr Erbe: Ein Restaurant in einem Hütten-Designhotel am Strand von Mexiko. In Berlin öffnete ein neues Szene-Lokal namens Kater Holzig gegenüber am Spreeufer, nahe dem Berliner Ostbahnhof. Weitere Pläne: Der „Holzmarkt“ soll ein Wohn-, Kultur- und Gewerbedorf mit Club und Park auf dem alten Bar-25-Gelände werden.

Weniger professionell und viel handgemachter ging es in den 90er Jahren zu, mit anarchischen Clubs und Untergrund-Modenschauen im Keller. Das zeigt Lucian Busses Doku „Berlinized“, die gerade beim Festival „Achtung Berlin“ Premiere feierte. Er habe in dem Jahr nach seiner Ankunft in der Stadt kein Tageslicht mehr gesehen, erinnert sich einer der Zeitzeugen.

Ein Alien wäre nicht weiter aufgefallen, sagt ein Galerist über das bunte Völkchen, das sich damals bei ihm tummelte. Künstler Jim Avignon erzählt, dass er später zum Gesicht der 90er geworden sei. Dann zog er nach New York, weil er sich in die Stadt und eine Frau verliebt hatte. Die alten Zeiten – vorbei.