Zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich haben am Dienstag in Berlin die Tunnelarbeiten für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 begonnen. Bis zum Frühjahr nächsten Jahres werde zunächst der Startschacht errichtet, sagte die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta. Danach soll in 20 Metern Tiefe eine riesige Tunnelbohrmaschine zum Einsatz kommen. Oberirdisch dürften Autofahrer wegen der Bauarbeiten auf eine Geduldsprobe gestellt werden.
Acht Meter pro Tag soll die Maschine auf ihrer rund 2,5 Kilometer langen Strecke vom Roten Rathaus zum Brandenburger Tor schaffen. Nikutta rechnet damit, dass die erste Tunnelröhre nach acht bis neun Monaten gebohrt sein wird. Ab dem Frühjahr 2014 werde an der zweite Röhre gearbeitet, erläuterte die BVG-Chefin. Die dabei anfallenden Erdmassen passten auf 20.000 Lkw.
Das Marx-Engels-Forum will die BVG dabei als „Basislager“ nutzen. Hinter einem 750 Meter langen Zaun werden unter anderem Tunnelteile gelagert. Bei den Fertigelementen handelt es sich um sogenannte Tübbinge, die zusammengesetzt die wasserdichte Tunnelinnenschale bilden. Aus den Tunnelröhren zutage geförderter Abraum soll zu einem Teil über Förderbänder auf Schiffe am eigens am Marx-Engels-Forum gebauten Hafen verladen werden. Nach Angaben der BVG wird damit der Bezirk Mitte um etwa 12.000 Lkw-Fahrten entlastet.
Neben den beiden Tunnelröhren sollen drei Bahnhöfe entstehen: die Stationen Berliner Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden. Der Bahnhof an der Museumsinsel werde ausschließlich unterirdisch gebaut, sagte Nikutta. Bei den anderen Stationen werde zunächst eine Baugrube ausgehoben, die danach „einen Betondeckel bekommt“. Mit dieser Vorgehensweise sollten Einschränkungen für Fußgänger und den Straßenverkehr so gering wie möglich gehalten werden, betonte die BVG-Chefin.
U-Bahn-Linie 6 ab Juli in Mitte unterbrochen
Der Bahnhof Unter den Linden soll laut Nikutta zu einem modernen Umsteigebahnhof ausgebaut werden. Dafür plant die BVG den Abriss der Tunnelröhre der U-Bahn-Linie 6. Von Juli bis Oktober nächsten Jahres werde die U 6 zwischen den Stationen Französische Straße und Friedrichstraße unterbrochen. Zudem müssen sich Autofahrer ab Juli ein Jahr lang auf Sperrungen an der Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden einstellen.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) warb deshalb vorab um Verständnis. Leider sei noch kein Verfahren erfunden worden, bei dem Bauarbeiten ohne Lärm vonstattengehen. Zum Auftakt der Tunnelarbeiten machte er keinen Hehl daraus, dass die Stadt die Verlängerung der U 5 vorerst auf Eis gelegt hätte. Der Bund habe das Land aber zu dem Bau verpflichtet, ansonsten hätte die Hauptstadt bereits erhaltene Fördermittel zurückzahlen müssen.
Die neue Linie soll den Alexanderplatz mit dem Hauptbahnhof verbinden und schließt am Brandenburger Tor an das bereits bestehende Teilstück der heutigen U 55 an. Damit fährt die U 5 nach der kompletten Fertigstellung von Hönow bis zum Hauptbahnhof. Die Fertigstellung ist für Sommer 2019 geplant.
Die U 55 ging am 8. August 2009 in Betrieb. Sie ist 1,8 Kilometer lang und hat drei Stationen. Die Trasse gilt damit als eine der kürzesten U-Bahn-Strecken der Welt. Ihr Bau kostete rund 320 Millionen Euro. Der Lückenschluss zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz soll rund 433 Millionen Euro kosten.
dapd/tj


