Ein zur Tatzeit Sechsjähriger, der 2010 in der Helios-Klinik in Berlin-Buch sexuell missbraucht wurde, leidet bis heute unter Alpträumen. Zudem habe ihr Sohn Luka panische Angst vor Krankenhäusern, sagte seine Mutter am Dienstag im Prozess gegen einen Kinderpfleger am Berliner Landgericht. Der 29-Jährige hatte die Übergriffe auf drei Jungen auf der Kinderintensivstation umfassend gestanden. Luka war das jüngste Opfer. Er wird im Mai acht Jahre alt.

Der Vater eines zur Tatzeit neun Jahre alten Jungen hatte den Fall mit seiner Anzeige im September 2010 ins Rollen gebracht. „Lange Zeit geschah nichts“, wunderte sich vor Gericht der 45-Jährige. „Wir waren kurz davor, bei der Staatsanwaltschaft nachzufragen“, erklärte der Vater von Max. Das war im Dezember 2010 – als der Kinderpfleger festgenommen wurde.

Am 16. November 2010 kam es zum letzten Übergriff auf einen Jungen. Medien hatten berichtet, dass der Fall möglicherweise hätte verhindert werden können, hätten die Behörden schneller gearbeitet. Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) zeigte sich betroffen und lässt die Vorgänge derzeit überprüfen. Die Eltern des letzten Opfers haben bislang dem Prozess noch nicht beigewohnt und am Dienstag auch nicht als Zeugen ausgesagt.

Nach den Missbrauchsfällen hatte die Klinik Konsequenzen gezogen und ein Kinderschutzprogramm aufgelegt. Die Mutter von Luka beklagte allerdings, dass ihr außer einem Treffen von der Klinik keine Hilfe angeboten worden sei. Ihr Sohn gehe jede Woche zur Therapie, die bald nicht mehr von der Krankenkasse finanziert werde, sagte die 37-jährige Berlinerin.

Der Vater des inzwischen elf Jahre alten Max berichtete, dass seinem Sohn zunächst nichts anzumerken war. Jetzt gehe es dem Jungen aber sehr schlecht. Wegen seiner Verhaltensauffälligkeit sei er in der Kinderpsychiatrie in der Helios-Klinik in Behandlung. – Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

dpa/tj