Wegen Betrugs beim Onlinebanking hat das Landgericht Berlin am Dienstag einen Prozess gegen neun Männer eröffnet. Den Angeklagten im Alter von 25 bis 50 Jahren wird vorgeworfen, als Mitglieder einer Bande von November 2009 bis September 2010 rund 1,2 Millionen Euro von fremden Bankkonten erbeutet zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen bandenmäßigen Computerbetrug vor. Die Angeklagten wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
Der Staatsanwaltschaft zufolge waren die Angeklagten in unterschiedlicher Weise bei der Überwachung und Koordinierung der Abbuchungen sowie bei den Geldabhebungen beteiligt. Von anderen Mittätern, die in einem gesonderten Verfahren gerichtlich verfolgt werden, sollen zuvor Kontozugangsdaten ausgespäht, Gelder online abgebucht und auf eigene Konten überwiesen worden sein. Als Chef der Bande gilt ein 33-Jähriger.
Bis zu 55. 000 Euro am Tag ergaunert
Durch sogenanntes Phishing sollen die Mittäter in einem ersten Schritt über das Internet PIN- und TAN-Nummern abgefischt haben. Die Gelder seien dann online auf eigens dafür eingerichtete Konten überwiesen worden. Für die Einrichtung der Konten soll sich die Bande sogenannter Finanzagenten bedient haben, die auch unter Begleitung der Angeklagten später zeitnah die erbeuteten Beträge an Geldautomaten abhoben.
1.086 Überweisungen wurden der Anklage zufolge innerhalb des Tatzeitraumes von fremden Bankkonten vorgenommen. Allein am 5. August 2010 sollen 64 Überweisungen von 23 Bankkonten getätigt und die betroffenen Bankkunden um 55.000 Euro erleichtert worden sein. Mit 23.000 Euro soll eine Frau den höchsten Einzelschaden erlitten haben. Von ihrem Konto soll die Bande insgesamt 18 Mal Geld abgebucht haben. Für den nächsten Verhandlungstag sind erste Einlassungen der Angeklagten angekündigt. Der Prozess wird am 1. März fortgesetzt.
Seit Bankkunden ihre Geldangelegenheiten über das Internet abwickeln, wurden immer wieder Fälle von Phishing bekannt. Der Begriff wird aus dem englischen „fishing“ (Fischen) hergeleitet. Meist per E-Mail werden gefälschte Nachrichten versendet. Internetnutzer, zum Beispiel Bankkunden, werden aufgefordert, ihre Zugangsdaten preiszugeben.
Phishing-Fälle beim Online-Banking stark gestiegen
Phishing-Fälle, bei denen Betrüger sich über gefälschte Nachrichten Zugangsdaten zu Online-Konten verschaffen und damit Gelder abbuchen, haben stark zugenommen. Für 2010 wurden dem Bundeskriminalamt (BKA) rund solcher 5300 Fälle gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Zuwachs von 82 Prozent. Damit stiegen die Phishing-Fälle stärker als andere Formen der Internet-Kriminalität. Die durchschnittliche Schadenssumme habe pro Fall rund 4000 Euro betragen, heißt es in einem „Lagebild Cybercrime 2010“ des BKA, das im vergangenen Juni vorgestellt wurde.
Reuters/lw



