Berlin-Weißensee

Polizei ermittelt gegen Mutter des toten Kindes

Ein knapp drei Jahre altes Mädchen ist allein in einer Wohnung in Berlin-Weißensee an seinem Erbrochenen erstickt. Die Polizei ermittelt gegen die Mutter - wegen des Verdachts auf Vernachlässigung, aber auch wegen möglicher Körperverletzung. Die Familie war dem Jugendamt bekannt.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ein knapp drei Jahre altes Mädchen ist am Dienstagmorgen in einer Wohnung in Berlin-Weißensee gestorben – offenbar allein. Die Polizei ermittelt jetzt gegen die vierfache alleinerziehende Mutter wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge und Verletzung der Fürsorgepflicht. Die Familie war dem Jugendamt bekannt, das auch regelmäßige Kontrollen vornahm. Die Geschwister des toten Kindes, ihr Zwillingsbruder, ein vierjähriger Junge und ein zwei Monate altes Baby, werden von der Behörde betreut.

Nach Informationen von Morgenpost Online hatte die Mutter das Kind gegen fünf Uhr früh bei ihrer Rückkehr in die Dreizimmerwohnung in der Indira-Gandhi-Straße leblos im Bett gefunden und die Rettungskräfte verständigt. Die konnten dem kleinen Mädchen jedoch nicht mehr helfen – es war an seinem eigenen Erbrochenen erstickt. Offenbar hatte es sich in den vergangenen Tagen mehrfach übergeben müssen. Wie Morgenpost Online aus Ermittlerkreisen erfuhr, war die Familie deswegen mit dem Kind sogar beim Arzt, soll allerdings wieder gegangen sein, weil das Wartezimmer zu voll war.

Dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge wurde das Kind nicht vorsätzlich getötet. Allerdings soll das Mädchen eine Darmverletzung gehabt haben, die sich entzündet haben könnte. Zudem fanden die Ermittler am Körper des Kindes frische und bereits mehrere Tage alte Blutergüsse. Ob das Kind misshandelt wurde, wird jetzt untersucht. Die Polizei ermittelt auch, die 25-Jährige zu dem Zeitpunkt, als das Kind starb, war.

Familie war dem Jugendamt bekannt

Dass es zu dem Todesfall kommen konnte, ist schwer verständlich. Denn das Jugenamt kümmerte sich bereits um die Familie. „Wir betreuen die Familie mit intensiver sozialpädagogischer Familienhilfe“, sagte die Leiterin des Jugendamtes Pankow, Judith Pfennig, am Dienstag. Die Familie, die in Berlin zugezogen sei, sei über Dritte dem Jugendamt gemeldet worden. „Die Mutter brauchte Hilfe bei der Erziehung der Kinder, aber eine Kindeswohlgefährdung musste zu keinem Zeitpunkt befürchtet werden“, sagte Pfennig.

„Die junge Familie ist dem Jugendamt Pankow bekannt und erhält Unterstützung in Form einer intensiven sozialpädagogischen Familienhilfe“, sagte auch die Pankower Jugendstadträtin Christine Keil (Linke) Morgenpost Online. Nahezu täglich sei ein Mitarbeiter des Jugendamtes vor Ort gewesen und habe im Haushalt und bei der Erziehung geholfen, beim Kochen und auch bei Behördengängen. „Die Familie hat die Hilfe angenommen und kooperiert“, sagte Keil. Die Mutter und die Geschwister des toten Mädchens seien laut Keil „außerhalb ihrer eigenen Wohnung untergebracht und werden sozialpädagogisch betreut“. Warum der Zustand des Kindes trotz der engen Kontrolle durch das Amt nicht auffiel, ist unklar.

Zuletzt hatte ein Fall in Hamburg für Aufsehen gesorgt. Dort war die elfjährige Chantal am 16. Januar 2012 an Methadon gestorben. Ihre Pflegeeltern waren drogenabhängig und nahmen an einem Programm mit der Heroin-Ersatzdroge teil. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen das Jugendamt wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht und durchsuchte Büros, um die Akten sicherzustellen. Die Leiterin des zuständigen Jugendamts musste ihren Posten räumen. Die Deutsche Kinderhilfe forderte weitgehende Reformen.