Kalter Krieg

Am Checkpoint Charlie entsteht neue Infobox

Am historischen Checkpoint Charlie soll Mitte dieses Jahres ein Informationspavillon zur Teilung Berlins öffnen. Das kündigte Kulturstaatssekretär Schmitz (SPD) an. Der Kubus auf einer bisherigen Brache wird mit 120.000 Euro aus dem Vermögen der DDR-Parteien und Massenorganisationen finanziert.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Am historischen Checkpoint Charlie soll Mitte dieses Jahres ein Informationspavillon zur Teilung Berlins öffnen. Das kündigte Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) am Donnerstag an. Mit der Black Box werde das sachliche, zeitgeschichtliche Angebot an einem Ort erweitert, der schon stark kommerzialisiert sei. Der Kubus auf einer bisherigen Brache wird mit 120.000 Euro aus dem Vermögen der DDR-Parteien und Massenorganisationen finanziert.

Der Pavillon soll bis zum Bau des lange geplanten Museums des Kalten Krieges an dieser Stelle stehen bleiben. Dessen Eröffnung sei für 2015/2016 geplant, sagte Schmitz. Der Pavillon steht bereits auf einer bisherigen Brache an der Ecke Friedrichstraße/Zimmerstraße und soll jetzt eingerichtet werden.

Touristen strömen seit Jahren an den früheren Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße, an dem sich nach dem Mauerbau 1961 sowjetische und amerikanische Panzer gegenüberstanden – und weltweit Schlagzeilen auslösten. Heute bieten Souvenirverkäufer Gasmasken und Fahnen feil, falsche Soldaten posieren gegen Geld für ein Foto. Andrang gibt es auch im privat betriebenen Mauer-Museum, dessen Konzeption von Historikern kritisch gesehen wird.

Praktisch als Gegengewicht eröffnete 2006 der damalige rot-rote Senat bereits eine Bildergalerie an der Friedrichstraße. Geschätzte drei Millionen Menschen hätten sie besucht, sagte der Staatssekretär. Schmitz konstatierte ein steigendes Interesse an den Gedenkstätten zu Mauerbau, DDR-Staatssicherheit und deutscher Teilung. Vor zehn Jahren seien 2,9 Millionen Besucher an diesen Stätten in Berlin gezählt worden, im Vorjahr 10 Millionen.

Berlin plant seit langem das Museum des Kalten Krieges, ist aber von einem irischen Investor abhängig, der das Grundstück erschließen will. Das Projekt ist das letzte zu realisierende im Berliner Mauer-Erinnerungskonzept. Schmitz sagte, er sehe keine Konkurrenz zu dem privaten Museum von Alexandra Hildebrandt. Internationale Experten erarbeiteten die Schau auf 3000 Quadratmetern.

Nach seiner Neuberufung hatte sich Schmitz für eine rasche Realisierung des Museums stark gemacht. „Es ist uns wichtig, an diesem weltweit bekannten, geschichtsträchtigen Ort die internationalen Aspekte der deutschen Teilung zu beleuchten“, sagte er.

Kurator Jürgen Reiche kündigte an, vor dem Pavillon sollten auch Panzer und Mauerteile aufgestellt werden. Anliegen sei, den historischen Ort nicht verfallen zu lassen und eine „Gegenbewegung zur Banalisierung“ zu schaffen. Geplant sei zudem ein Eintrittsgeld für den Pavillon, der täglich geöffnet sein soll.