1. Laut Statistik sinken die Zahlen der Jugendkriminalität. Gleichzeitig entstand der Eindruck, die Täter werden immer brutaler. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Auch wenn die Jugendkriminalität dank der gezielten Maßnahmen des Senats erfreulicherweise insgesamt zurückgeht, sprechen viele Berichte dafür, dass die einzelnen Taten brutaler werden. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Eine Mediengesellschaft, in der Abnormes besondere Anerkennung erhält, verführt Jugendliche dazu mit außergewöhnlichen Taten Aufmerksamkeit zu erregen. Offensichtlich fehlt es vielen Jugendlichen an Möglichkeiten, in friedvoller Weise Akzeptanz zu erfahren. Jugendliche sind ein Spiegel der Gesellschaft. Deshalb sollten wir uns selbstkritisch fragen, welche Werte wir ihnen vorleben.

2. Berlin gilt als Vorreiter bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität. Was muss dennoch verbessert werden?

Die erfolgreichen Maßnahmen des Senats müssen weiterentwickelt werden. Nur so erfahren jugendliche Straftäter eine schnelle und angemessene Reaktion. Das hilft mehr als jede populistische Forderung nach härteren Strafen. Der Erziehungsgedanke muss im Vordergrund stehen, der Staat muss aber auch deutlich machen, dass er bereit ist, seine Werte und Regeln durchzusetzen. Viele Gewalttaten stehen im Zusammenhang mit hohem Alkoholverzehr. Übrigens nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch im Bereich häuslicher Gewalt. Es bedarf deshalb verstärkter Anstrengungen, um für einen maßvollen Alkoholverzehr zu werben. Ferner müssen Jugendliche mehr Möglichkeiten und Freiräume erhalten, um sich selbst auszuprobieren und dabei auch positive Anerkennung zu erfahren. Entscheidend sind aber die Wertvorstellungen, die Jugendlichen vermittelt werden. Das ist allerdings eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Eine besondere Verantwortung tragen dabei die Medien.

3. Ist es nicht kontraproduktiv, wenn, wie in Neukölln zwischenzeitlich geschehen, den Trägern der Jugendhilfe von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky gekündigt wurde?

In Neukölln gab und gibt es – wie in anderen Bezirken – Finanzierungsprobleme auch im Bereich der Jugendhilfe. Es wurde aber letztlich keinem Träger der Jugendhilfe gekündigt. Heinz Buschkowsky ist in Berlin eher bekannt dafür, dass er mehr finanzielle Mittel für präventive Jugendarbeit fordert, statt diese abzubauen.

Jugendkriminalität in Berlin:

>>> Drei Fragen an Marion Seelig (Die Linke)

>>> Drei Fragen an Clara Herrmann (Grüne)

>>> Drei Fragen an Björn Jotzo (FDP)

BMO