Sozialverein

Gideon Joffe wird neuer Chef der Treberhilfe

Die Berliner Treberhilfe hat einen neuen Geschäftsführer: Gideon Joffe übernimmt den Posten von Frank Biskup. Die Organisation war im Zuge der so genannten "Maserati-Affäre" unter Druck geraten.

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Der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, wird neuer Geschäftsführer der Berliner Treberhilfe. Der 38-jährige promovierte Volkswirt habe bereits als Unternehmensberater Erfahrungen bei sozialen Einrichtungen wie der Arbeiterwohlfahrt gesammelt, teilte die Treberhilfe am Freitag mit.

Geschäftsführer Frank Biskup schied nach nur acht Monaten wieder aus der Treberhilfe aus. Das hatte die Sozialorganisation, die vor allem Obdachlose in Berlin betreut, am Mittwoch mitgeteilt.

Der neue Geschäftsführer sagte, er freue sich auf die Aufgabe. Gleichzeitig bat er um eine „objektive Darstellung“ der Treberhilfe in der Öffentlichkeit. Das Sozialunternehmen werde „in ein Licht gerückt, das so nicht stimmt“.

Die Sozialorganisation, die sich vor allem um Obdachlose kümmert, war wegen der „Maserati“-Affäre ihres früheren Geschäftsführers Harald Ehlert stark in die Kritik geraten. Ehlert hatte sich im Februar unter öffentlichem Druck aus der Geschäftsführung zurückgezogen, ist aber Gesellschafter des Sozialunternehmens geblieben.

Die Treberhilfe steht im Fokus des öffentlichen Interesses, seit Anfang 2010 bekannt wurde, dass der frühere Geschäftsführer Harald Ehlert einen Maserati samt Chauffeur als Dienstwagen nutzte. Darüber hinaus soll Ehlert ein Jahresgehalt von 300.000 bis 350.000 Euro bezogen haben. Ebenfalls für Aufsehen sorgte eine aufwendig eingerichtete Villa der Treberhilfe in Caputh (Landkreis Potsdam-Mittelmark), in der Ehlert zur Miete wohnt. Ihm war vorgeworfen worden, die Treberhilfe, die aufgrund ihrer Gemeinnützigkeit ihre Erträge nicht versteuern muss, wie einen "Selbstbedienungsladen" geführt zu haben.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ehlert wegen Untreueverdachts sind noch nicht abgeschlossen. Auch Prüfungen der Finanzbehörden, ob dem Unternehmen das Steuerprivileg die Gemeinnützigkeit aberkannt werden muss, laufen noch.

Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) will als Konsequenz aus der „Maserati-Affäre“ die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen in der Beratungstätigkeit und Straßensozialarbeit mit jugendlichen Obdachlosen im nächsten Jahr einstellen. Für dieses Engagement hatte die Treberhilfe rund 700.000 Euro pro Jahr aus der Kasse der Senatssozialverwaltung erhalten.

Joffe war von 2005 bis 2008 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Er wurde 1972 in Israel geboren, wohin seine aus Lettland stammende Familie übergesiedelt war. Seit 1976 lebt er in Berlin. Joffe studierte an der Freien Universität (FU) Betriebswirtschaft und promovierte über die Volkswirtschaft Chinas und lebte in den 90er-Jahren auch dort.

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