Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lenkt nach Ansicht des Deutschen Bahnkunden-Verbandes in der Diskussion über das aktuelle S-Bahn-Chaos von eigenen Versäumnissen ab. Wenn der Politiker jetzt allein die S-Bahn für die Zustände verantwortlich mache, sei das "ein üblicher Reflex“, sagte der Landesvorsitzende für Berlin-Brandenburg, Frank Böhnke, am Mittwoch.

Ramsauer hatte in der Zeitung "Bild“ die Erwartung geäußert, dass den Worten der S-Bahn-Führung endlich Taten folgen und die Menschen in der Hauptstadt ein Verkehrsmittel bekommen, auf das sie sich im Winter auch verlassen können. Die Zustände bei der S-Bahn seien "nicht in Ordnung“. Die S-Bahn-Führung hatte sich am Montag bei den Fahrgästen entschuldigt und Besserung gelobt. Seit Anfang Dezember ist der Betrieb witterungsbedingt zusätzlich eingeschränkt.

Die Berliner S-Bahn gehöre zu 100 Prozent zum DB-Konzern, sagte Böhnke. Dessen Eigentümer wiederum sei nach wie vor der Bund. Damit trage Ramsauer Verantwortung. Der Minister sollte wissen, dass für defekte Weichenheizungen und schlecht gefegte Bahnsteige die jeweiligen Konzerntöchter der DB AG verantwortlich sind. Auch das „Informationschaos“ könne nur teilweise der S-Bahn angelastet werden. „Wenn es aktuell für die Wartung zu wenig Werkstattflächen und Personal gibt und nicht ausreichend fahrfähige Ersatzzüge zur Verfügung stehen, ist das das Ergebnis des jahrelangen Kaputtsparens der S-Bahn Berlin GmbH zugunsten hoher Renditeabführungen an den DB-Konzern“, sagte Böhnke. Auch Vorgaben und Rahmenbedingungen der Bundespolitik hätten ihren Teil dazu beigetragen.

Unterdessen geht es nach Bahn-Angaben bei der S-Bahn „wieder aufwärts“. Seit Mittwoch seien 335 sogenannte Viertelzüge (je zwei Doppelwagen) im Einsatz. Die Linien S46 und S47 verkehrten wieder durchgehend, sagte ein Sprecher.