Der Winter hat Berlin weiter fest im Griff – und wird vor allem für Kunden der S-Bahn zur Geduldsprobe. Auch am Montag müssten sich Fahrgäste auf ein eingeschränktes Angebot einstellen, kündigte das pannengeplagte Tochterunternehmen der Deutschen Bahn am Sonntag an. Seit dem Wintereinbruch am Donnerstag gibt es bei der S-Bahn im gesamten Netzt Verspätungen und ausfallende Züge. Durch neuen Schneefall am Sonntag verschlechterten sich die Straßenverhältnisse wieder. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) war ab dem frühen Morgen im Dauereinsatz, wie ein Sprecher sagte.
Die S-Bahn wird am Montag voraussichtlich bis zu 200 Wagen weniger einsetzen. Üblich seien etwa 830. Ursache der Probleme ist nach Unternehmensangaben ein Wartungsrückstau in den Werkstätten. Wegen eingefrorener Weichen am Donnerstag konnten viele Züge nicht rechtzeitig auf die Abstellgleise vor den Werkstätten gebracht werden. „Für die daraus resultierenden Betriebseinschränkungen in den nächsten Tagen entschuldigt sich die S-Bahn ausdrücklich bei ihren Kunden.“
Außerdem wird die Ringbahn nur im Zehn-Minuten- statt Fünf- Minuten-Takt fahren. Zwischen Charlottenburg und Potsdam sowie zwischen Wartenberg und Warschauer Straße müssten sich die Fahrgäste auf einen 20-Minuten-Takt einstellen. In Erkner dürften sie bis auf weiteres mit einem AB-Fahrschein den Regionalexpress ins Zentrum besteigen.
Nach massiven Winterproblemen mit Zugausfällen, eingefrorenen Weichen und Türen steht die S-Bahn wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Beim ersten Schneefall am Donnerstag hatte das Unternehmen nur 341 Fahrzeuge einsetzen können.
BSR mit gesamter Fahrzeugflotte auf der Straße
Die Stadtreinigung setzte am Sonntagmorgen um 5 Uhr ihre gesamte Fahrzeugflotte in Gang, um den Neuschnee zu räumen. Auf den Hauptverkehrsstraßen wurde auch Salz gestreut. Bis zu 1300 Mitarbeiter mit 470 Fahrzeugen sollten bis in die Abendstunden im Einsatz sein, sagte ein BSR-Sprecher. Am Samstag hatte sich die BSR bei ruhigem Winterwetter verstärkt um die Schneeräumung in den Nebenstraßen kümmern können. Am Sonntagmorgen waren diese vielerorts wieder zugeschneit.
Zufrieden zeigte sich die Polizei, die kaum noch Verkehrsunfälle wegen Schnee und Glatteis registrierte. Die Berliner hätten sich mittlerweile an die widrigen Wetterverhältnisse angepasst, sagte ein Polizeisprecher. Bei routinemäßigen Verkehrskontrollen überprüfen die Beamten seit Samstag auch die neue Winterreifen-Pflicht.
Auch auf den beiden Berliner Flughäfen gab es keine Probleme mehr mit Schnee und Eis. Die winterlichen Beeinträchtigungen seien behoben, die Pisten frei, sagte Flughafensprecher Leif Erichsen. 30 Flüge fielen dennoch aus – wegen des Streiks der Fluglotsen in Spanien. Dort war der Flugverkehr von Freitagabend bis Sonnabendnachmittag durch einen Streik praktisch zum Erliegen gekommen. Auch bei der BSR hatte es nach dem ersten Schneefall „Anlaufschwierigkeiten“ gegeben. So wurden Bushaltestellen nicht rechtzeitig geräumt. Mittlerweile hätten die dafür beauftragten Subunternehmer „nachgearbeitet“, sagte eine BSR-Sprecherin. Am Montag will die BSR die Streuwagen voraussichtlich wieder um 3.00 Uhr auf die Straßen schicken.
BMO/dpa/ap

