Die Zahl der offiziell registrierten Straftaten ist in Berlin erneut leicht zurückgegangen. Die Polizei erfasste im vergangenen Jahr 475.021 Taten. Das sind 2,5 Prozent weniger als im Jahr 2009 (487.096). Zudem ist das die niedrigste Zahl seit der Wiedervereinigung. Der Rückgang liegt aber weitgehend an weniger gemeldeten Fällen von Schwarzfahren und Graffiti-Sprühen. Die Kriminalitätsstatistik der Polizei wird am Montag vorgestellt und im Innenausschuss diskutiert.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) warnte davor, die Zahlen als Erfolg zu werten. Die Statistik spiegele nur die registrierten Straftaten wieder, es gebe „ein riesiges Dunkelfeld“, sagte der Landesvorsitzende Bodo Pfalzgraf dem Radiosender 104.6 RTL.
Die allermeisten Taten gehören eher zur Kleinkriminalität. Mehr als ein Drittel sind Diebstähle (rund 190.000). Weitere knapp 100.000 sind Betrügereien, dazu kommen 50.000 Sachbeschädigungen und 30.000 leichte Körperverletzungen.
Die Aufklärungsquote sank von 49,4 auf 48,4 Prozent. Laut Polizei ist der Grund dafür aber größtenteils, dass die Verkehrsbetriebe BVG wegen eines technischen Problems weniger Fälle von Schwarzfahren angezeigt haben – eine Tat, die naturgemäß fast immer aufgeklärt wird, weil der Täter bekannt ist.
Von Januar bis August 2009 konnten Daten, die von Kontrolleuren mit tragbaren Geräten erfasst wurden, nicht in die Datenbank der BVG überspielt werden und gelangten so auch nicht an die Polizei. 2009 gab es noch 18 369 Fälle von Schwarzfahren, 2010 gab es einen Rückgang auf 11.955 (-34,9 Prozent) Fälle.
Laut Statistik sanken außerdem die Zahlen bei Mord, Betrug, Sachbeschädigungen, Fahrraddiebstahl und Brandstiftungen durch Linksextremisten.
37 Mordfälle, inklusive der 26 versuchten Taten, erfasste die Polizei. 2009 waren es noch 71 Taten. Allerdings wurden damals fünf Morde falsch gezählt und es gab sieben Fälle versuchter Tötung vom 1. Mai. Zudem wurden 2010 mehr Fälle der gefährlichen Körperverletzung und nicht der versuchten Tötung zugerechnet.
Statistisch gab es auch weniger Betrug mit gefälschten EC-Karten (674, -66,8 Prozent). Allerdings seien viele Taten zu einem Fall zusammengefasst worden, so die Polizei. Tatsächlich gebe es eine Zunahme des Ausspähens von Geldautomaten.
Bei anderen Taten wie der Sachbeschädigung und besonders dem Sprühen von Graffiti spielt es eine Rolle, dass es durch die Alterung der Gesellschaft weniger Jugendliche gibt, die besonders für solche Taten verantwortlich sind. Außerdem fuhren weniger S-Bahnzüge, die besprüht werden konnten.
Zugenommen haben die angezeigten Misshandlungen von Kindern (613 Fälle, +17,2 Prozent), die Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung (689, +15,6 Prozent). Gewalt gegen Kinder wird nach Einschätzung der Polizei inzwischen häufiger angezeigt, weil die Nachbarn und Verwandten aufmerksamer sind. Bei den Vergewaltigungen wurde jetzt auch erzwungener Sex mit Kindern erfasst.
Mehr Diebstähle aus Autos, Kellern oder Geschäften lag laut Polizei auch an günstigen Gelegenheiten für Diebe. Besonders Keller seien häufig schlecht gesichert. Schwere Brandstiftungen (337, +17,4 Prozent) gab es wegen der Brandserie in Hellersdorf öfter.
Die Gewalttaten von Jugendgruppen gingen zurück (4014, -21,9 Prozent). Es gebe insgesamt weniger Jugendliche und häufig würden die jungen Kriminellen sich eher Einbrüchen oder Betrügereien widmen, analysiert die Polizei. Dabei würde man seltener gefasst und die Strafen nicht so hoch.
Unter den 1249 Verdächtigen bei der Jugendgruppengewalt haben 54,7 eine ausländische Staatsangehörigkeit oder sind ausländischer Herkunft (Migrationshintergrund). Der Anteil bei allen Jugendlichen in Berlin liegt bei 42,5 Prozent.
Knapp 136.000 Verdächtige wurden von der Polizei ermittelt. Fast drei Viertel davon sind Männer (73,6 Prozent). Überproportional ist auch der Anteil der Ausländer unter den Verdächtigen (33,3 Prozent; Anteil an der Bevölkerung 13,5 Prozent).
Rund 76 000 Opfer wurden der Polizei bekannt. Der erfasste Schaden lag bei mehr als 602 Millionen Euro.
>>> Hier geht's zum neuen Kriminalitätsatlas für Berlin .
dpa/toto




