Der Schlägerangriff auf den Handwerkergesellen Marcel R. in Lichtenberg erschüttert die Berliner nach wie vor. Der schwer verletzte 30-Jährige liegt noch immer im Koma, die behandelnden Ärzte im Unfallkrankenhaus Marzahn (UKB) können bleibende gesundheitliche Schäden nicht ausschließen. Der Übergriff auf den Maler ist leider nur einer von zahlreichen solcher Fälle in der Stadt.

Um an das Geld, ein Handy oder die Handtasche eines Opfers zu gelangen, gehen Räuber zunehmend aggressiv vor und nehmen schwerste Verletzungen der Überfallenen in Kauf. Selbst ein einfaches „Nein“, wenn jemand um Geld oder Zigaretten bettelt, kann zuweilen einen Gewaltexzess auslösen. Eine nicht vollständige Auswahl von Raubtaten seit Jahresbeginn zeigt: Es könnte jeden treffen.

Pankow , 1. Januar – An der Pasewalker Straße werden am Neujahrstag zwei Schüler von drei Jugendlichen beraubt und zusammengeschlagen. Die Täter verfolgen die 15- und 16-Jährigen abends um 20.30 Uhr aus einer Straßenbahn heraus. Unvermittelt schlägt ein 17-Jähriger dem 15-Jährigen mit der Faust ins Gesicht, verlangt Geld und beide Mobiltelefone. Obwohl die Opfer den Räubern die Sachen aushändigen, stößt ein Täter den 16-Jährigen zu Boden und tritt ihm gegen den Kopf. Die drei brutalen Schläger werden gefasst.

Wedding , 7. Januar – Eine 58-jährige Frau erleidet bei einem Straßenraub einen Knochenbruch. Die Frau ist kurz vor 23 Uhr in der Sprengelstraße unterwegs, als sie plötzlich von zwei unbekannten Männern angegriffen und so fest zu Boden gestoßen wird, dass sie sich das Schultergelenk bricht. Die Täter entreißen der Frau die Handtasche und entkommen.

Reinickendorf, 7. Januar – Am selben Tag sticht ein 30-Jähriger in der U-Bahnlinie 8 ohne Anlass mit einem Messer auf zwei Fahrgäste ein. Der Täter war zuvor durch ein Abteil gelaufen und hatte wahllos Fahrgäste nach Geld gefragt. Als ein 43-jähriger Pole nicht reagiert, zieht der Täter ein Messer und sticht es dem Mann in den Oberschenkel. Als der 28-jährige Sohn seinem Vater helfen will, wird auch er mit dem Messer verletzt. Der 43-jährige Mann muss notoperiert werden. Die Polizei nimmt den Messerstecher kurz darauf am U-Bahnhof Lindauer Allee fest. Gesundbrunnen, 9. Januar – Eine Mädchenbande schlägt bei einem Handtaschenraub eine 16-Jährige zusammen. Der Teenager wird abends um 20.30Uhr an der Brunnenstraße von drei Angreiferinnen brutal an den Haaren gezogen und zu Boden gestoßen. Sie versuchen, ihrem Opfer die Handtasche zu entreißen, treten gegen den Kopf und den Oberkörper. Doch die 16-Jährige hält ihre Tasche fest. Die Bande flieht schließlich mit dem Mobiltelefon des Mädchens.

Plänterwald , 10. Januar – In der Nacht zum 10. Januar vier junge Männer einen 32-Jährigen und rauben ihm bei eisigen Minustemperaturen die Kleidung. Das Quartett spricht den Mann an der Neuen Krugallee an, verlangt Geld und Bekleidung. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, drücken die Täter das Opfer zu Boden und schlagen gemeinsam auf den Wehrlosen ein. Dann rauben sie ihm die Geldbörse, den Pullover, das T-Shirt und die Schuhe.

Pankow, 20. Januar – Zwei Jugendliche schlagen einen 40 Jahre alten Mann zusammen. Die Teenager fragen ihr Opfer gegen 0.45Uhr an der Elsa-Brändström-Straße nach Zigaretten. Als der Mann einem der Jugendlichen bereits eine Zigarette gegeben hat und gerade eine zweite sucht, schlagen ihm die Täter auf den Kopf. Der 40-Jährige verliert das Bewusstsein. Als er zu sich kommt, haben die Räuber ein Telefon und eine Tasche gestohlen.

Spandau , 25. Januar – Ein 21-Jähriger wird mit einem Messer bedroht, als er gerade in der Goltzstraße telefoniert. Ein Unbekannter versucht ihm plötzlich das Telefon zu entreißen. Das Handy fällt zu Boden. Der Angreifer zieht ein Messer und versetzt dem 21-Jährigen eine Schnittwunde am Unterarm, schlägt dem Opfer mit der Faust ins Gesicht und flüchtet.

Wilmersdorf , 26. Januar – Im U-Bahnhof Berliner Straße wird eine 57-Jährige von einem Unbekannten beraubt und verletzt. Offenbar hatte der Täter die Frau beim Aussteigen beobachtet und war ihr gefolgt. Auf dem Zwischendeck der Bahnstation schleicht sich der Unbekannte von hinten an die Frau heran. Blitzschnell legt er ihr einen Arm um den Hals, drückt ihr mit der anderen Hand den Mund zu und erbeutet Geld. Die Frau wehrt sich und wird an der Hand verletzt.

Marzahn , 30. Januar – Ein Kind wird in einem Treppenhaus überfallen und schwer verletzt. Der 13-Jährige steigt in einem Hochhaus an der Allee der Kosmonauten die Treppen hinab, als ein Jugendlicher das Kind hinunterstößt, ihn mit den Ellenbogen ins Gesicht schlägt und mit dem Kopf gegen eine Wand stößt. Dann raubt der Unbekannte die Tasche des Jungen. Dieser behauptet aus Angst bei der Polizei, nicht verletzt worden zu sein.

Prenzlauer Berg, 5. Februar – Junge Touristen auf Klassenfahrt überfallen ein Paar. Vier 18 Jahre alte Schüler greifen in der Belforter Straße die beiden an, fordern Geld und treten einen 38-Jährigen von hinten zu Boden. Sie bringen auch dessen 27 Jahre alte Begleiterin zu Fall. Der Mann erleidet eine Knieverletzung, der Frau wird bei dem Übergriff Geld und das Handy gestohlen. Dank einer Täterbeschreibung nimmt die Polizei die Verdächtigen kurz darauf fest.

Moabit , 5. Februar – In der gleichen Nacht wird ein 31-Jähriger in der U-Bahnlinie9 von einem Betrunkenen offenbar ohne Anlass mit zwei abgebrochenen Flaschen angegriffen, als er am Hansaplatz den Zug betritt. Mit Schnittverletzungen muss das Opfer in einer Klinik behandelt werden. Der 30 Jahre alte Angreifer wird festgenommen.

Lichtenberg , 11. Februar – Vier Teenager im Alter von 14 bis 17 Jahren fallen im U-Bahnhof Lichtenberg über Marcel R. und seinen Arbeitskollegen Steffen O. her. Marcel wird mit einem brutalen Tritt zu Boden gebracht, danach durch unzählige Tritte lebensgefährlich verletzt. Sein Kollege wird von den Tätern verfolgt, außerhalb des Bahnhofs niedergeschlagen und entgeht nur Dank des Einschreitens eines Rockers schwersten Verletzungen. Die Täter sind gefasst. Inzwischen haben sich etwa 20 Zeugen bei der Polizei gemeldet.

Tiergarten , 20. Februar – Der jüngste schwere Übergriff am vergangenen Sonntag: Fünf bis sechs Jugendliche fallen um 20.20 Uhr im U-Bahnhof Hansaplatz über einen 45 Jahre alten Obdachlosen her. Die Gruppe schlägt und tritt immer wieder auf den Mann ein, als dieser längst am Boden liegt. Dann rauben die Angreifer Zigaretten, Weinflaschen und den Schlafsack des Opfers. Der 45-Jährige erleidet einen Nasenbruch, zahllose Prellungen und kommt in eine Klinik. Die Fahndung mit Fotos und einem Video dauert an.

Der Zustand von Marcel R., für den der Verein Berliner helfen Spenden sammelt, ist nach Aussagen seiner Ärzte unverändert kritisch. „Der Patient befindet sich seit einer Kopfoperation im Koma und erhält starke Schmerz- und Beruhigungsmittel“, teilte Oberarzt Carsten Sanft am Donnerstag mit. Wann Marcel aus dem Koma geholt werden könne, stehe noch nicht fest. Er habe durch Gewalteinwirkung auf den Kopf schwerste Verletzungen des Gehirns erlitten. Um die lebensbedrohliche Schwellung des Hirns zu entlasten, musste ein Teil des Schädelknochens entfernt werden. Bleibende Gehirnschäden sind nicht ausgeschlossen.

Wenn Sie dem jungen Mann helfen wollen, mit den Folgen des brutalen Überfalls fertigzuwerden und ihn bei seiner Genesung und der Rückkehr in ein normales Leben unterstützen wollen, spenden Sie bitte an: Berliner helfen e.V.

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Stichwort: Marcel

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