Vor dem Hintergrund einer der größten Fälle von Vereinigungskriminalität saß am Donnerstag eine Rechtsanwältin aus Hamburg auf der Anklagebank im Berliner Landgericht. Die 48 Jahre alte Juristin soll von der Berliner Justiz im Auftrag eines früheren Mandanten rund 750.000 Euro Entschädigung vom Land Berlin gefordert haben.
Der heute fast 80-jährige Jurist aus Hamburg war einer der Angeklagten im Prozess um den Millionenbetrug gegenüber der Treuhand beim Kauf der Berliner Wärmeanlagenbau (WBB). Als Hauptfigur war der Ex-Manager Michael Rottmann vergangenen Dezember zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.
Das Verfahren gegen die Anwältin wurde wegen geringer Schuld eingestellt. Die Hamburgerin muss 3000 Euro Geldauflage zahlen. Aus Sicht des Gerichts hatte die Rechtsanwältin, die damals als Berufsanfängerin in der Kanzlei des Hamburger Anwalts beschäftigt war, in dessen Auftrag gehandelt.
Die Anklage richtete sich auch gegen den Hanseaten, der aber wegen Krankheit nie auf der Anklagebank saß. Für das WBB-Verfahren hatte der gebürtige Wiener von Januar bis November 1997 in Untersuchungshaft gesessen. Die Entschädigungsforderung für den angeblichen Verdienstausfall bezeichnete der Ankläger als „recht dreist“.



