Frage: Wie ist der Planungsstand?
Franco Stella: Wir haben am 20. Dezember beim Bundesamt für Bauordnung und Raumwesen, BBR, die Entwurfsplanung abgegeben. Wir rechnen mit einem Rücklauf in der ersten Hälfte 2011. In diesem Jahr soll dann auch die Genehmigungsplanung erfolgen. Vorgezogen haben wir die Ausführungsplanung für einige Fassadenteile, die zuerst zur Ausführung kommen sollen. Das BBR als durchführendes Baumanagement für den Bauherren die Stiftung Berliner Schloss sitzt auch hier im Haus.
Frage: Wie viel Leute arbeiten regelmäßig bei Ihnen für das Projekt?
Stella: Ein Architektenteam von circa 20 Personen; insgesamt beschäftigen sich rund 30 Personen mit dem Humboldtforum. Partner sind die Büros von Gerkan, Marg und Partner sowie Hillmer & Sattler und Albrecht. Die Partner des Architektenteams wählte ich aus. Die Fachplaner wurden mit einem gesonderten Wettbewerb im Auftrag des Bundesbauministeriums ausgewählt. Sie beschäftigen sich mit der Tragwerksplanung, der Gebäudetechnik, der Akustik und anderem. Ein ständiger Mitarbeiter ist auch das Büro Stuhlemmer, das sich mit der Rekonstruktion der Fassaden beschäftigt.
Frage: Was wird aus der Kuppel?
Stella: Sie ist auch ein Thema unserer Planung. Zunächst wird eine vereinfachte Fassung aus geputzten Mauerwerk vorgesehen, die durch Natursteinteile ergänzt werden kann. Wir planen auch schon die Laterne, damit sie realisiert werden kann, wenn Geld da ist.
Frage: Was sind die größten Änderungen gegenüber dem Wettbewerbsentwurf?
Stella: Vor allem die Raumgestaltung der Agora, der westlichen Eingangshalle, hat sich deutlich verändert. Die Innenseite des dort befindlichen Schlossportals soll auch rekonstruiert werden. Es ist ein Portal nach dem Vorbild eines alt-römischen Triumphbogens.
Frage: Die künftige Agora war früher der Eosanderhof. Im Wettbewerbsmodell ließen Sie noch Platz für eine Rekonstruktion seiner Fassaden.
Stella: Das ist nicht mehr möglich. Die beiden von mir dort geplanten kubischen Neubaukörper rücken nun an die Schlosswände heran, um die wiederaufgebauten und die neuen Räume besser miteinander zu verbinden, und um mehr Raum für die Agora zu gewinnen.
Frage: Im modern gestalteten Ostflügel planten Sie Freitreppen. Von da gelangte man zu offenen Loggien mit Blick auf den Fernsehturm.
Stella: Dort wird es nun Innenräume geben. Sie gleichen jene öffentlichen Räume aus, die ursprünglich in einem unterirdischen Geschoss unter der Agora angeordnet waren. Aber: durch die tiefe Zurücksetzung der Fenster erhält die Ost-Fassade schon noch das Aussehen der großzügigen „Loggienmauer“.
Frage: Wirklich historisch nachempfunden werden nur drei Außenfassaden und drei Innenfassaden des Schlüterhofes. Wie muss man sich die Konstruktion vorstellen?
Stella: Die barocke Fassade wird keine abgehängte Attrappe sein. Die äußere Schale ist ein 75 Zentimeter tiefes, selbst tragende Mauerwerk, wo alle Fensterlaibungen die originale Tiefe wiedergewinnen. Wenn auch die Schlüterpläne nicht mehr da sind, ist das Schloss so gut dokumentiert wie kaum ein anderes zerstörtes Gebäude.
Frage: Ursprünglich sollte der Bau 2013 fertig sein. Wie lautet der neue Termin?
Stella: Die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen, dann kommen aber noch die Ersteinrichtung und die Museumsausstattung.
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