Design-Herberge

Berlin bekommt ein Hotel speziell für Rockstars

In Zwei Monaten wird das Hotel "nhow" eröffnet. Dort bringt einem der Zimmerservice auch eine E-Gitarre, und selbst die Badezimmer sind mit den hauseigenen Tonstudios verbunden.

Wenn Prince oder Lady Gaga die Inspiration unter der Dusche überfällt, ist das künftig kein Problem mehr – zumindest nicht, wenn die Pop-Größen in Berlin auf Tournee sind und im „nhow“-Hotel am Ostbahnhof nächtigen. Dort gibt es nämlich auch im Badezimmer Anschlüsse für Aufnahmekabel, die zu den beiden Tonstudios im Haus führen. Sollte also beim Singen unter der Dusche etwas Hitverdächtiges in die Welt kommen, ließe sich das sofort aufnehmen. Speziell auf die Bedürfnisse anspruchsvoller Kunden aus dem Musikgeschäft ist im „nhow“-Hotel, das im November eröffnen wird, alles abgestimmt.

Wer seine Gitarre zuhause vergessen hat, kann auf den kostenfreien „Guitar Room Service“ zurückgreifen. Der bringt auf Anfrage auch gleich noch Verstärker, Mikrofon und Kopfhörer vorbei. Die „nhow“-Suite verfügt – selbst im Badbereich – zudem über direkte Kabelleitungen zu den zwei hauseigenen Tonstudios, in denen die Künstler ihr in der Badewanne geträllertes Lied gleich professionell abmischen und aufnehmen lassen können. Gemanagt werden die Studios von der Lautstark GmbH.

„Berlin hat durchaus noch Bedarf an technisch perfekten Studios, die zudem auch noch ein angenehmes Umfeld bieten“, sagt Lautstark-Chef René Rennefeld, der auch die legendären Hansa Tonstudios in Kreuzberg betreibt. „Wir werden hier ein offenes Studio auf einem Preisniveau betreiben, das sich Berliner Künstler auch leisten können“, sagt Rennefeld. Stars auf Durchreise seien willkommen. Die Haupt-Zielgruppe des Hotels sollen sie aber nicht sein. „Natürlich ist uns klar, dass wir unsere 304 Zimmer nicht allein mit Rock- und Pop-Musikern füllen können“, so Hoteldirektor Alexander Dürr. Doch das „innovative Konzept“ sei keineswegs nur ein Marketing-Gag, um sich auf dem hart umkämpften Berliner Hotelmarkt zu behaupten. „Das Leitmotiv Musik werden wir in allen Bereichen mit Leben füllen“, versichert Dürr. Durch seine Lage inmitten der Kreativszene am Osthafen sei das Hotel dafür einfach prädestiniert.

Die Nachbarschaft - Mode, Design, Musik, Clubs

Das „nhow“, ist angesiedelt zwischen Universal Music und dem Musiksender MTV, in der Nachbarschaft liegen Clubs wie das „Watergate“, „103“, „Magnet Club“ oder „Golden Gate“. Und nur ein paar 100 Meter entfernt bietet seit zwei Jahren Berlins größter Veranstaltungsarena, die O2 World, den internationalen Mega-Stars eine Auftrittsmöglichkeit vor 17.000 Gästen. Die „kreative Klasse“, wie Dürr sagt, sei also sowieso schon da. Für sie will er einen unkonventionellen Veranstaltungsort schaffen. „Ein Standard-Hotel in dieser Lage wäre einfach nicht sinnvoll“, ist er überzeugt.

Damit sich auch die Mode-Szene wohlfühlt – Berlin ist immerhin Sitz von rund 12.000 Designern und fast 7000 Designfirmen, das Modezentrum „Labels“ gehört ebenfalls zu den Nachbarn –, ist das Gebäude alles andere als Dutzendware. Der aus St. Petersburg stammende Berliner Architekt Sergei Tchoban hat unter Verwendung von gediegenem dänischem Backstein und einem in 21 Metern Höhe frei über die Spree auskragenden gläsernen dreigeschossigen Ausleger das kantig markante Äußere geschaffen.

Im Inneren dagegen geht es schrill, poppig und kurvig zu. Der Designer Karim Rashid aus New York, der auch selbst gern in maßgeschneiderten rosa Herrenanzügen posiert, machte aus seiner Vorliebe für den Farbton keinen Hehl. Im Ostflügel und im Buffet-Restaurant dominiert kräftiges Pink, das im Bar-Bereich durch Gold-, Violett- und Grüntöne ergänzt wird. Der Westflügel ist in zartem Blau, Silber und Grau gehalten. Fußböden und Tapeten sind im Op-Art-Design der 60er-Jahre gehalten, während die amorphen Formen der eigens angefertigten Möbel einen deutlichen Rückgriff auf die 70er-Jahre darstellen. Dürr ist sich sicher, dass der fröhliche Mustermix in Berlin gut ankommt: „Der Kontrast von strenger Architektur und verspieltem Inneren ist eine Mischung, die typisch für Berlin ist.“

2500 Euro - pro Nacht

70 Millionen Euro hat die NH-Hotel-Gruppe in ihr Projekt am Osthafen investiert. Das Hotel im Vier-Sterne-Superior-Standard wird denn auch für Berliner Verhältnisse vergleichsweise üppige Preise verlangen. Die 223 Standard-Zimmer sind ab 170 Euro zu haben, die 50 Suiten starten bei 250 Euro. Und die nhow-Suite mit ihren 260 Quadratmetern und einer eigenen, 111 Quadratmeter großen Dachterrasse zur Spree hin ist für satte 2500 Euro zu haben – pro Nacht. Dafür sind Frühstück und ein eigener Butler im Preis mit inbegriffen.

Angesichts der seit Jahren im steilen Anstieg begriffenen Besucherzahlen in Berlin hält nicht nur die NH-Gruppe, zu der das „nhow“ an der Stralauer Allee gehört, ihre Investition an der Spree für eine sichere Sache. In der an Hotelbetten sowieso schon reichen Stadt – die 110.000-Betten-Marke ist bereits erreicht, die 120.000 werden in diesem Jahrzehnt auf jeden Fall noch kommen – sind aktuell rund 30 neue Hotels in Bau. Nahezu jeden Monat werden Eröffnungspartys gefeiert. Noch bevor beispielsweise das „nhow“ im November eröffnet, geht mit rund 500 Zimmern das Scandic am Potsdamer Platz in Betrieb.

Und der Boom wird voraussichtlich noch eine ganze Weile andauern. Schließlich vermeldete die Berlin Tourismus Marketing GmbH erst im vergangenen Monat erneut Rekordzahlen: So entsprechen die Touristenzahlen des ersten Halbjahres 2010 der Anzahl der Berlin-Touristen im gesamten Jahr 1999. Nach 18,87 Millionen Übernachtungen 2009 wird nun der Rekord von 20 Millionen Übernachtungen in diesem Jahr angepeilt. Nicht nur das pralle Kulturangebot, sondern gerade das umfassende Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten in nahezu jeder Preiskategorie sorgt nach Expertenmeinung dafür, dass auch immer mehr ausländische Gäste Berlin als Ziel für Städtereisen entdecken. Was gut ist für die Berlin-Werber, ist allerdings für die Betreiber der inzwischen berlinweit 742 Hotels, Hostels und Pensionen ein harter Wettbewerb: Übers Jahr gerechnet sind die Häuser durchschnittlich nur zu 50 Prozent ausgelastet.

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