Studie

Ost-West-Teilung soll in Berlin besonders stark sein

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Die Berliner in Ost und West leben vergangenheitsbezogen, Rot-Rot hat für die Einheit nichts gebracht. Das sind Ergebnisse einer neuen Ost-West-Studie. Stasi und finanzielle Einbußen seien mit Schuld an der sich fortsetzenden Spaltung.

Auch nach 20 Jahren deutscher Einheit empfinden sich laut einer Studie Ost- und Westdeutsche noch nicht als ein Volk. Am deutlichsten spiegelt sich das nach Einschätzung des Leiters des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität, Klaus Schroeder, in Berlin. Als einen wesentlichen Grund führte der Zeithistoriker am Montag bei der Vorstellung seiner Studien dazu die lange Teilung an. „Das ist der alte Frontstadtgeist, der sich weder in Ost noch in West bisher aufgelöst hat“, sagte Schroeder.

Im Ost- wie im Westteil Berlins hätten sich bis heute auch viele der alten Milieus erhalten. Hier hätten die geistigen wie ökonomischen Eliten gesessen. Im Osten Berlins sei vor allem auch die Stasi stark verankert gewesen, deren alte Netzwerke bis heute funktionierten und räumlich zum Beispiel in Lichtenberg konzentrierten.

„Der Westen Berlins hat wiederum bundesweit die deutlichsten Wohlstandseinbußen hinnehmen müssen. So sind die Berlin-Zulage wie die Berlin-Förderung des Bundes ersatzlos gestrichen worden“, erinnerte der Politologe. Die West-Berliner hätten so Einbußen von zehn bis 20 Prozent ihrer Einkommen erlitten. Das stimme sie auf ihre östlichen Nachbarn nicht gerade froh.

„So ist zu erklären, dass in Berlin zwar seit Mitte der 90er Jahre die Gehälter und Löhne zu 100 Prozent in Ost und West gleich sind, dennoch ist dort die Stimmung bezogen auf die Einheit am schlechtesten“, erläuterte der Politologe. Daran habe auch der seit acht Jahren amtierende SPD-Linke-Senat nichts geändert. „Der rot-rote Senat hat bezogen auf das Zusammenwachsen Null gebracht“, urteilte der Historiker. „Die Regierungsbeteiligung der PDS hat das Zusammenwachsen nicht befördert, höchstens im Westen noch Vorbehalte gefördert.“

Bürger beider Stadthälften seien noch zu sehr auf die Vergangenheit bezogen, weshalb die gegenseitigen Vorurteile mit Vorliebe gepflegt würden, sagte Schroeder. Bisher seien die Menschen kaum bereit, das vereinigte Deutschland wie Berlin als gemeinsames Projekt anzunehmen, das man nur gemeinsam voranbringen könne.

( dpa/sh )