Erneut haben Unbekannte in Tegel mehrere Pflastersteine auf die Autobahn 111 geworfen. Ersten Erkenntnissen nach waren es mindestens 20 bis 30 dieser Wurfgeschosse, verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Zeugen wollen drei Jungen im Alter zwischen zehn und 15 Jahren in einem dortigen Gleisbett gesehen haben, nach ihnen wird gefahndet. Das Landeskriminalamt ermittelt wegen versuchten Mordes.
Die 8. ermittelnde Mordkommission will nicht ausschließen, dass diese Jungen auch für den Anschlag vom 23. August als Täter in Betracht kommen. An diesem Tage waren ebenfalls in den Vormittagsstunden mehrere Schottersteine von einem stillgelegten Gleisbett an der Einfahrt Tegeltunnel in Richtung Süd geworfen worden. Kurz hinter der Zufahrt Waidmannsluster Damm hatten sie mehrere Fahrzeuge getroffen und beschädigt. In einem Fall durchschlug ein Stein sogar die Windschutzscheibe eines Lkw. Menschen kamen nicht zu Schaden. Im Rahmen dieser Ermittlungen suchten Beamte am Donnerstag gegen 10 Uhr nochmals den Tatort im Bereich der nördlichen Einfahrt zum Tunnel Tegel Ortskern ab. Plötzlich wurden sie vom Erscheinen mehrerer Funkstreifenwagen überrascht, die von besorgten Autofahrern alarmiert worden waren, weil Unbekannte wieder Steine auf die Stadtautobahn geworfen hatten. Meldungen über getroffene Fahrzeuge oder gar Verletzte gingen bis zum Abend nicht ein. Die beiden rechten Fahrstreifen mussten während des Aufsammelns der Beweisgegenstände gesperrt werden. Es kam kurzzeitig zu Verkehrsbeeinträchtigungen und Staubildung.
Die Polizei geht davon aus, dass die Steine aus dem Schotterbett des in der Nähe gelegenen Bahngleises stammen. Da die Tatverdächtigen unmittelbar vor dem Erscheinen der Ermittler und der Funkwagen die Flucht ergriffen haben müssen, wurde ein Fährtenhund angefordert. Der belgische Schäferhund Duke kam zum Einsatz und schlug an mehreren Stellen am Tatort an. Diese werden nun von Kriminaltechnikern auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren untersucht, die Ergebnisse stehen noch aus.
Die 8. Mordkommission sucht dringend weitere Zeugen, die sich am Donnerstag zwischen 9.45 und 10 Uhr in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben und Beobachtungen machen konnten. Hinweise nehmen die Ermittler unter Telefon (030) 4664–911808 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.
Das Werfen von Steinen dürfe nach Angaben eines Polizeisprechers nicht als Dummejungenstreich gewertet werden. „Wird ein Auto getroffen, kann der Fahrer entweder vom Stein selbst verletzt werden oder sich erschrecken und so einen Unfall verursachen.“ Deswegen wird auch wegen versuchten Mordes ermittelt.
Sollte im Falle einer erfolgreichen Fahndung einer der Jungen ermittelt werden können und bereits das 14. Lebensjahr erreicht haben, so ist er laut Gesetz strafmündig und wird sich vor einem Gericht verantworten müssen.


