Historische Mitte

Berlin will kein Geld mehr fürs Stadtschloss geben

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Nach dem Bund friert auch das Land Berlin die Mittel für den Wiederaufbau des Stadtschlosses in Mitte ein. Das kündigt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an. Auch ein Scheitern des Projektes schloss er nicht aus.

„Selbstverständlich erfüllen wir unsere Verpflichtungen“, versicherte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). „Aber für Berlin gibt es keinen Grund, in irgendeiner Weise finanziell in Vorleistung zu treten.“ Das Bundeskabinett hatte im Rahmen seiner Sparbeschlüsse entschieden, den Start des auf 550 Millionen Euro veranschlagten Mammutprojekts in Berlin-Mitte von 2011 auf 2014 zu verschieben. Die als Bauherr eingesetzte Stiftung hatte gehofft, zur Überbrückung des Leerlaufs 2012/2013 Mittel von Berlin zu bekommen. Das Land will sich mit 32 Millionen Euro an den Gesamtkosten beteiligen.

„Es muss endlich mit dem Bau begonnen werden und daraus ergeben sich dann die Zahlungsflüsse“, machte Wowereit dagegen deutlich. Er schloss nicht aus, dass der Wiederaufbau auch insgesamt noch scheitern könnte: „Wie kann man sich sicher sein, wenn die Bundesregierung so leichtfertig ein so wichtiges Projekt aufs Spiel setzt?“

Allerdings sieht der Regierende Bürgermeister zunehmend Signale von der Bundesebene, den Baubeginn doch wieder vorzuziehen. So arbeite der Architekt Franco Stella weiter an den Plänen. Zudem hätten Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) und sein Staatssekretär Rainer Bomba klargemacht, dass die historische Fassade und die Kuppel nicht in Frage gestellt würden.

„Es gibt also zunehmend Kräfte, die die Entscheidung der Bundesregierung zur Verschiebung für falsch halten und sich nach Kräften darum bemühen, schon vor 2014 mit dem Bau anzufangen, vielleicht sogar schon 2012“, sagte Wowereit. Die Bodenplatte für das Projekt müsse wegen des geplanten U-Bahntunnels in diesem Bereich ohnedies schon 2012 gelegt werden: „Sonst würden anschließend höhere Kosten entstehen, die auf 30 Millionen oder mehr geschätzt werden.“

Der SPD-Politiker, der sich ursprünglich selbst für eine moderne Variante des Neubaus ausgesprochen hatte, warnte vor einer neuen Grundsatzdiskussion um den Wiederaufbau der einstigen Hohenzollern-Residenz. „Man kann dazu verschiedener Meinung sein“, sagte er. „Aber die Expertenkommission hat sich knapp für die historische Fassade entschieden, im Bundestag gab es eine eindeutige Mehrheit dafür. Und das muss dann auch mal akzeptiert werden.“

Auch die geplante Nutzung, unter anderem für Kunst aus nichteuropäischen Ländern, sollte nicht erneut in Frage gestellt werden, forderte der SPD-Politiker. Die mäßigen Umfragewerte bei der Bevölkerung sollten nicht als Ablehnung gewertet werden. „In Berlin herrscht bei Großprojekten immer Skepsis vor, und wenn sie dann da sind, bricht die totale Begeisterung aus.“

Die einstige Residenz der Preußen-Könige im Herzen Berlins war zu DDR-Zeiten gesprengt und später durch den Palast der Republik ersetzt worden. Nach der Wende wurde das asbestverseuchte Gebäude vor einigen Jahren abgerissen. 2007 beschlossen der Bundestag und das Land Berlin nach langen Diskussionen, unter dem Namen Humboldt-Forum an der Stelle ein Kunst- und Kulturzentrum mit den alten Barockfassaden zu errichten.

( dpa/sei )