Betriebserlaubnis

Gutachter soll der Berliner S-Bahn helfen

Die S-Bahn hat sich für die Verlängerung ihrer Betriebserlaubnis in Berlin offenbar Expertenrat geholt. Ein Darmstädter Professor soll dem Tochterunternehmen der Bahn die Fahrtauglichkeit bescheinigen.

Die S-Bahn holt sich externe Hilfe für die Verlängerung ihrer Betriebserlaubnis. Das berichtet die S-Bahn-Mitarbeiterzeitung „Paula 7“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Wolfgang Rösch, Professor für Schienenfahrzeuginstandhaltung in Darmstadt, soll das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn als Gutachter beraten. Rösch ist Experte für Werkstattplanung sowie die Organisation und Weiterentwicklung von Instandhaltungsprogrammen und -prozessen. Im September will die S-Bahn die Verlängerung ihrer Betriebserlaubnis beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) beantragen. Die aktuelle Genehmigung läuft Ende Dezember 2010 aus. Das EBA hatte wegen zahlreicher Wartungsmängel diese Ende vorigen Jahres nur um zwölf Monate verlängert. Möglich wäre eine Lizenz für bis zu 15 Jahre gewesen. „Vor dem Hintergrund der im Jahr 2009 aufgetretenen Sicherheitsprobleme bei der Berliner S-Bahn ist es dem EBA nicht möglich, die Betriebsgenehmigung längerfristig zu erteilen“, hieß es zur Begründung.

Seit mehr als einem Jahr leiden die Berliner Fahrgäste unter der S-Bahn-Krise. Ab Dezember soll wieder der reguläre Fahrplan gelten, wenn auch weiterhin mit verkürzten Zügen. Selbst dieses Minimalziel sei jedoch nicht zu realisieren, kritisiert nun der Berliner Fahrgastverband Igeb. Eine Mitschuld daran trage die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Igeb-Chef Christfried Tschepe wirft der Behörde eine falsche Prioritätensetzung bei der schrittweisen Verbesserung des S-Bahn-Angebots vor. Die Senatsverwaltung verlange von der S-Bahn, dass sie dem Einsatz von langen Zügen auf der Linie S 7 (Potsdam–Ahrensfelde) Vorrang einräume.

Weil dort Züge mit der Maximallänge von acht Wagen fahren sollen, fehlen laut Igeb Fahrzeuge für Taktverdichtungen auf anderen Linien. Wichtiger als lange Züge auf der S 7 wären nach Ansicht des Fahrgastverbandes mehr Züge im Berufsverkehr auf den Linien S 1 (Oranienburg–Wannsee), S 3 (Erkner–Spandau) und S 5 (Strausberg Nord–Westkreuz). Zudem fordert Tschepe einen Zehn-Minuten-Takt auf der S 25 nach Teltow Stadt. Die Senatsverwaltung weist die Kritik zurück. Die Prioritätensetzung entspreche der Nachfrage. „Wir kennen die Zahlen und entscheiden danach“, sagt Behördensprecher Mathias Gille.