Eigentlich sollten die neuen Tempoüberwachungsanlagen im Tunnel Britz in Neukölln den Rasern wirkungsvoll Einhalt gebieten. Doch bislang scheinen die sogenannten Schwarzblitzer kaum Wirkung zu zeigen: In den ersten drei Wochen seit der Eröffnung der neuen Anlage am 26. Mai 2010 stellte die Polizei in dem Tunnel mehr als 22.000 Verstößen gegen die zulässige Höchstgeschwindigkeit fest, das sind im Durchschnitt mehr als 1200 am Tag.
Die Behörden sehen diese Bilanz dennoch nicht als Misserfolg an. „Die neuen Blitzer müssen sich erst einmal rumsprechen und das werden sie auch, spätestens wenn in großer Zahl Bußgeldbescheide verschickt werden“, sagt Mathias Gille, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die die Messanlagen für 1,2 Millionen Euro angeschafft hat. Deren erklärtes Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die Tempolimits in den offiziell als Tunnel Ortskern Britz bezeichneten Abschnitt der Stadtautobahn auch eingehalten werden.
In Berlins mit 1,7 Kilometer längstem Straßentunnel gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde, die je nach Verkehrsaufkommen auch weiter reduziert werden kann. Doch viele Fahrzeugführer halten sich an die Vorgaben nicht. Dieses Verhalten kombiniert mit den häufigen Rückstaus im Berufsverkehr sorgte in der Vergangenheit wiederholt für schwere Unfälle in dem im Jahr 2000 eröffneten Tunnel.
Doch scheinen gerade die technischen Besonderheiten der neuen Messanlagen mit dafür verantwortlich zu sein, dass im Britzer Tunnel bislang weiter munter gerast wird. So werden die Fotos von zu schnellen Fahrzeuge mit einem für das menschliche Auge nicht sichtbarem Infrarotlicht „geschossen“ (daher die Bezeichnung als „Schwarzblitzer“), die Fahrer bekommt als von ihrem Tempoverstoß erst etwas mit, wenn nach einigen Wochen Bearbeitungszeit der Bußgeldbescheid ins Haus flattert.
Da die insgesamt 16 in beiden Tunnelröhren montierten Kameras die Raser sowohl von vorn, als auch von hinten „blitzen“, können zudem auch Motorräder besser erfasst werden, die nur am Heck ein Nummernschild haben. Doch gerade unter den Bikern scheint sich die neue Überwachungstechnik trotz der Schilder am Tunneleingang noch nicht rumgesprochen haben.
Zumindest finanziell scheint sich die neue Messanlage aber zu lohnen. Nach ersten Schätzungen könnte Berlin die hohen Anschaffungskosten bereits nach zwei Monaten eingenommen haben. Dennoch plant die Senatsverkehrsverwaltung derzeit keine weiteren „Schwarzblitzer“ in der Stadt zu installieren. „Uns geht es ja nicht ums Abzocken der Autofahrer, sondern um eine bessere Disziplin im Straßenverkehr“, versichert Behördensprecher Gille.




