Massenpanik in Duisburg

Dr. Motte macht Loveparade-Organisatoren Vorwürfe

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Der Berliner Loveparade-Gründer Dr. Motte glaubt, dass sich die Veranstalter in Duisburg übernommen haben. Er kritisierte die Sicherheitsvorkehrungen scharf. Auch die Gewerkschaft der Polizei ist unzufrieden.

Nach der Tragödie mit 19 Toten bei der Duisburger Loveparade hat Dr. Motte, einer der Gründer des Techno-Festivals, Konsequenzen aus dem Unglück gefordert. „Das ist das wenigste, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und Buße tun“, sagte er am Sonntag in Berlin. „Das wird auf jeden Fall ein Nachspiel haben.“ Das mindeste sei nun, sich um die Angehörigen und die Opfer zu kümmern.

Dass der jetzige Organisator, Rainer Schaller, das Ende der Technoparade verkündet hat, begrüßte er. „Es ist vielleicht besser so.“ Er könne verstehen, wenn nach der verheerenden Massenpanik vielen die Lust auf Festivals vergangen sei.

Dr. Motte warf den Veranstaltern „totale Selbstüberschätzung“ vor. Er habe sich die Bilder vom Tunnel angesehen - „eine Katastrophe“. Aus seiner Sicht hätte man vorher wissen können, welche Gefahr drohte.

Der 50 Jahre alte DJ (eigentlich Matthias Roeingh) hatte die Liebesparade 1989 initiiert. In Berlin verlief sie fast immer friedlich. Es gab keine mit Duisburg vergleichbaren Unglücke. Die Feiernden hatten im Tiergarten genug Platz. „Auf Platz 1 stand die Sicherheit der Teilnehmer“, so Dr. Motte.

Weil die Party seiner Ansicht nach zur „Dauerwerbesendung“ verkam, zog sich Dr. Motte 2006 aus dem Organisationsteam zurück. Heute engagiert er sich für den Protest gegen Mediaspree, einen Investorenplan, der vorsieht, das Ufer der Spree zu bebauen.

Seinen Ansichten von früher bleibt er treu. „Ich bin für eine friedliche Welt“, sagt Dr. Motte. „Für mich ist Musik das beste Mittel zur Verständigung.“

Wowereit nach Duisburger Tragödie bestürzt

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich nach dem Unglück tief betroffen. „Es ist jetzt die Stunde der Trauer und des Mitgefühls mit den Angehörigen“, sagte Wowereit am Sonntag. „Die Loveparade stand immer für ein fröhliches und friedliches Feiern und hat in der Vergangenheit viel zu einem positiven Image Berlins als weltoffene und tolerante Metropole beigetragen.“

Gewerkschaft der Polizei: Keine Fluchtwege

Nach Angaben der Duisburger Polizei waren die Todesopfer zwischen etwa 20 und 40 Jahre alt. Noch sei unklar, wie viele Besucher insgesamt bei der Loveparade waren. Die bisher genannte Zahl von 1,4 Millionen bestätigte die Polizei zunächst nicht. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte das Sicherheitskonzept der Veranstalter heftig. Es sei sehr gefährlich, bei Massenveranstaltungen das Gelände fast komplett einzuzäunen, sagte der stellvertretende Berliner GdP-Vorsitzende, Michael Reinke.

Bei der Loveparade in der Hauptstadt bis zum Jahr 2006 habe es immer weite

Ausweichflächen im Berliner Tiergarten gegeben. Ein Tunnel als einziger Fluchtweg habe in Duisburg dann zur Katastrophe geführt: „Dort fühlt man sich eh schon eingeengt. Bei einer Panik verhalten sich die Massen wie eine Rinderherde“, sagte Reinke.

Überdies hätten sich Veranstalter und Sicherheitskräfte wohl auch erheblich bei der Zahl der anreisenden Raver verschätzt. „Ich will die Duisburger Polizeiführer nicht angreifen - aber der Massenandrang wurde wohl unterschätzt.“

( dpa/mim )