Die Polizei hat am Sonnabend in Brandenburgs Landeshauptstadt bei Kontrollen in der Rocker-Szene Waffen und andere gefährliche Gegenstände beschlagnahmt. Wie der Schutzbereich mitteilte, wurden dabei eine Axt, ein Teleskopschlagstock, zwei Messer, eine Reizgassprühgerät sowie weitere gefährliche Gegenstände sichergestellt. Gegen drei Personen wurden deshalb Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgenommen. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, weil gegen ihn ein Haftbefehl bestand. Anlass für den Einsatz war es, „Straftaten und Störungen der öffentlichen Ordnung“ zu vermeiden, wie es amtlich heißt. Er verlief ohne Störungen.
Hintergrund für die Kontrollen, die in der ganzen Stadt durchgeführt wurden, war laut Polizei die Jubiläumsfeier eines Unterstützungsklubs der Rockergruppierung Hells Angels MC.
Brandenburgs Polizei hält mit den Kontrollen die vom Innenministerium und dem Landeskriminalamt (LKA) propagierte Null-Toleranz-Strategie gegenüber den Rockergruppen aufrecht. In den Akten des LKA werden Mitglieder der konkurrierenden Hells Angels und Bandidos vor allem wegen Delikten wie Schutzgelderpressung, Drogenhandel, Zuhälterei, Verstößen gegen das Waffengesetz sowie gefährlicher Körperverletzung geführt. Die Rockergruppen und deren Unterstützerklubs zählen in der Mark nach Angaben des Landeskriminalamtes etwa 250 Personen. Außerhalb Potsdams befinden sich Stützpunkte der Rocker in Cottbus, Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz), Hohen Neuendorf (Oberhavel) und Perleberg (Prignitz). In jüngster Vergangenheit rekrutierten die Rockerklubs nach Ansicht von Experten in der Region zunehmend Männer aus der Hooliganszene und aus gewaltbereiten rechtsextremistischen Kreisen. Besonders die Bandidos suchen und finden neue Mitglieder in arabischen und türkischen Migrantengruppen.
Die Konkurrenz der rivalisierenden Rocker führt – wie in Berlin – immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Im Mai kam es in Potsdam-Babelsberg auf einem Hof zu einer Schlägerei mit zwei Verletzten; zwei Personen wurden festgenommen, gegen einen 30-Jährigen erging Haftbefehl.
Im Frühjahr führte eine groß angelegte Razzia mit 230 Polizeibeamten in Potsdam-Mittelmark, Barnim und Berlin zur Verhaftung von einem 41 Jahre alten Mitglied des Hells Angels MC Potsdam und zwei 22 und 41 Jahre alten Rockern des Hells Angels MC Nomads. Den Verdächtigen wird die Beteiligung an Schutzgelderpressung vorgeworfen. Bei der Durchsuchung von insgesamt 13 Objekten konnten Beweismittel und Drogen sichergestellt werden. Zudem ergaben sich in Zusammenhang mit der Durchsuchungsaktion nach Polizeiangaben Hinweise auf weitere Straftaten.
Die Polizeibehörden in Berlin und Brandenburg arbeiten in Bezug auf Rockerkriminalität seit Jahren eng zusammen. In der Szene gewonnene Erkenntnisse werden zwischen den Behörden der Länder regelmäßig abgeglichen und ausgetauscht. Im August des vergangenen Jahres ist der in Eberswalde (Barnim) ansässige MC Chicanos verboten worden.



