Die vergleichsweise positive Wirtschaftsentwicklung in der Hauptstadtregion lässt sich trotz der Krise auch statistisch nachweisen. Die Summe dessen, was Arbeitnehmer in Berlin für ihre Tätigkeit verdient haben, ist trotz der Wirtschaftskrise 2009 um 2,7 Prozent gestiegen. In Brandenburg legten die Bruttoverdienste und die damit verbundenen Sozialbeiträge der Arbeitgeber ebenfalls um 2,2 Prozent zu.
Nach Angaben des Statistischen Landesamts Berlin-Brandenburg hoben sich beide Länder positiv vom Bundesergebnis ab. Für ganz Deutschland gesehen haben die Arbeitnehmer im Krisenjahr 2009 nämlich weniger verdient als im Vorjahr, was vor allem mit dem Wegfall gut bezahlter Überstunden zusammenhängt.
Die positive Entwicklung in Berlin und Brandenburg liegt an zwei Faktoren. Den tatsächlich gestiegenen Löhnen und einer größeren Zahl von Arbeitnehmern. Zum einen haben die Berliner tatsächlich mehr verdient. Mit einem Plus von 0,8 Prozent bei den Bruttogehältern pro Arbeitnehmer rangiert die Hauptstadt auch in der Spitzengruppe der Länder. Brandenburg nimmt mit einer Steigerung von 1,4 Prozent sogar den ersten Platz ein.
Es folgen Mecklenburg-Vorpommern (plus 1,3 Prozent), Hamburg (plus 1,2), Sachsen-Anhalt liegt mit 0,8 Prozent Zuwachs gleichauf mit Berlin auf Platz vier. Für ganz Deutschland gesehen verdienten die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr im Durchschnitt 0,4 Prozent weniger als 2008. Vor allem im Saarland (minus zwei), Baden-Württemberg (minus 1,8) und Bayern (minus 1,1) hatten die Menschen 2009 deutlich weniger Geld in der Tasche als in früheren Jahren. In Ostdeutschland hingegen machte sich die Krise bei den Gehältern nicht bemerkbar.
Der durchschnittliche Berliner Arbeitnehmer verdiente 2009 27.444 Euro, in Brandenburg waren es 23.322 Euro. Trotz des Anstiegs liegen die Bruttoeinkommen damit in der Hauptstadtregion unter dem bundesweiten Durchschnitt und weit hinter Hamburger Niveau, wo jeder Arbeitnehmer im Durchschnitt mehr als 40.000 Euro brutto erhielt.
Mehr Jobs in der Hauptstadt
Dass sich die gesamten Arbeitnehmereinkommen in der Region stärker erhöht haben als die individuelle Bezahlung, liegt an einem zweiten Phänomen: Die Zahl der Jobs hat sich trotz Krise in Berlin und Brandenburg dynamischer entwickelt als in anderen Regionen Deutschlands. So waren im vergangenen Jahr 1,6 Prozent mehr Menschen als Arbeitnehmer beschäftigt als 2008. In Brandenburg fiel das Wachstum geringer aus, lag aber immerhin noch bei 0,6 Prozent. Andere Bundesländer verzeichneten hier deutliche Einbrüche. In Bremen, Baden-Württemberg und Thüringen sank die Zahl der Beschäftigten um jeweils ein Prozent oder mehr. In Berlin und Brandenburg hatten nach Angaben des Statistikamts Ende 2009 dagegen 32.600 Personen mehr einen Job als im vierten Quartal 2008. Insgesamt standen 2,8 Millionen Menschen in Lohn und Brot.
Dabei profitierten die Beschäftigten offenbar von Lohnsteigerungen, die die Gewerkschaften im guten Jahr 2008 gegen die Arbeitgeber durchsetzen konnten. Denn insgesamt arbeiteten sie 2009 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sank um 0,7 Prozent in Berlin und um 1,8 Prozent in Brandenburg. Die Statistiker führen das darauf zurück, dass in vielen Betrieben die in guten Jahren gut gefüllten Arbeitszeitkonten abgebaut wurden. Dennoch hatten die Menschen mehr Geld in der Tasche.
Der Verdienst je geleisteter Arbeitsstunde stieg deutlich an, in Berlin um 3,1 Prozent und in Brandenburg sogar um 3,9 Prozent.



