Die Fahrt war lang und anstrengend. Deshalb war die Eskortenstaffel aus Bonn froh, nach 600 Kilometern auf der Autobahn heil in Berlin angekommen zu sein. Sie war angefordert worden, um die Berliner Kollegen beim Staatsbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zu unterstützen.
Doch was die neun Kradfahrer und zwei Polizeibeamte hier von der sonst so berühmten Berliner Gastfreundschaft erlebten, kennen sie aus dem Rheinland nicht. In ihrer Unterkunft in der ehemaligen Kaserne an der Spandauer Schmidt-Knobelsdorf-Straße fanden sie nach eigenen Angaben vor: Vogelkot in den Oberlichtkästen, verschmutzte Zimmer, schimmelige Bäder und totes Ungeziefer auf Betten und Böden. „Eine Zumutung“, so der Bonner Polizeihauptkommissar Reiner Keilinghaus.
Der Besuch im November 2009 beschäftigt nun den Innensenator und die Polizeispitze. Beide Stellen suchen noch nach einer Antwort für diese unhaltbaren Zustände. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Schönberg, drängt darauf, wenigstens eine „dem Standard entsprechende Unterbringung von Einsatzkräften aus anderen Bundesländern“ sicherzustellen. Der CDU-Abgeordnete Robbin Juhnke stellte dazu eine Parlamentsanfrage.
Das Drängen kommt nicht zu früh: Der 1. Mai rückt rasch näher, zu dem zahlreiche Einsatzkräfte aus ganz Deutschland nach Berlin kommen.

