Der Rektor des privaten Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, fordert die katholische Kirche auf, sich zu verändern. Nachdem bekannt wurde, dass in den 70er- und 80er-Jahren zwei Patres offensichtlich systematisch Schüler sexuell missbraucht hatten, sagte er: „Die Missbrauchsfälle – nicht nur hier, sondern auch die der vergangenen Jahre – stellen eine schwergewichtige Frage an die katholische Kirche. Nämlich, ob sie Missbräuche begünstigt, durch ihre Kultur, durch ihr System“, sagte der Pater. An der Berliner Eliteschule haben sich inzwischen mehr als 20 ehemalige Schüler gemeldet, die von den beiden Lehrern missbraucht worden sein sollen.

Er glaube, „dass es zwei Stichworte gibt, mit denen die katholische Kirche arbeiten muss: Phobie und Sprachlosigkeit.“ Die katholische Kirche habe ein Angstproblem, besonders mit der Homophobie. Außerdem sei Sprachlosigkeit ein Problem beim Thema Sexualität. „Wenn sich die Lehre der katholischen Kirche zur Sexualität so weit von den realen Fragestellungen, auch junger Menschen, entfernt, dass sie mit den realen Erfahrungen praktisch nichts mehr zu tun hat, dann führt das die junge Generation zu ganz großen Teilen in eine Sprachlosigkeit.“ Beide Themen könnten zu Problemen führen, denen sich die katholische Kirche stellen müsse.

dpa/hed