Nicolas Toussaint (63) hatte einen schrecklichen Verdacht. Der Berliner Arzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, der 1975 als Student seine Heimat Haiti verließ und seither in Deutschland lebt, hatte seit dem Erdbeben in Haiti nichts mehr von seiner älteren Schwester Marie Josèphe gehört. Er befürchtete das Schlimmste. Die Klosterschule, in der seine Schwester, eine Nonne, lebte, stand ganz in der Nähe der eingestürzten Kathedrale in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Nun kam die Entwarnung: Vier Tage nach dem Erdbeben konnte seine Schwester von Helfern aus den Trümmern des Nonnenhauses gerettet werden – nahezu unverletzt.

Nicolas Toussaints Bruder Edouard, der in Kanada lebt, konnte sogar schon mit ihr sprechen. Der 75-Jährigen gehe es den Umständen entsprechend gut, berichtete er per Telefon. Die Seniorin liegt mittlerweile in einer Klinik in der Dominikanischen Republik.

Nicolas Toussaint hatte zunächst überlegt, in seine Heimat zu fliegen, um selbst nach seiner Schwester zu suchen. Nun ist er sehr erleichtert: „Wir sind 13 Geschwister, sie hat immer auf mich aufgepasst und war wie eine zweite Mutter. Ich bin sehr glücklich; dass sie lebt, ist fast wie ein Wunder.“ Nur eines trübt sein Glück jetzt noch: Zwei seiner Brüder, Antoine und Paul, werden noch vermisst.

kle