Baufeld West

Gewerbeflächen Siemensstadt: Aus Osram wird Luxwerk

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Isabell Jürgens
Stararchitekt David Chipperfield liefert die Pläne für das Luxwerk in der Siemensstadt.

Stararchitekt David Chipperfield liefert die Pläne für das Luxwerk in der Siemensstadt.

Foto: Atelier Tata

Das historische Glühlampenwerk in der Spandau Siemensstadt soll aufwendig zu einem Campus für neue Technologien umgewandelt werden.

Berlin. Aufbruchstimmung am Nonnendamm in der Spandauer Siemensstadt: Dort, wo Osram einst die erste vollautomatische Massenproduktion von Lampenkolben in Europa in die Tat umsetzte, soll Industriegeschichte nun weitergeschrieben werden. Auf dem sogenannten Baufeld West des Glaswerkkomplexes soll nach dem Masterplan, den das Büro David Chipperfield Architects lieferte, weiterentwickelt werden.

Industriegeschichte neu und alt: 250 Millionen Euro Investitionsvolumen

Der Entwurf, den das Berliner Investmentunternehmen Aventos am Dienstag vorstellte, ist das Ergebnis eines Werkstattverfahrens, in das neben fünf Architekturbüros auch der Bezirk Spandau, das Landesdenkmalamt sowie weitere Träger öffentlicher Belange eingebunden waren. Demnach ist eine Generalinstandsetzung des historischen und denkmalgeschützten Glaswerks vorgesehen. Zudem sollen sieben flexibel zu nutzende Hybrid-Gebäude entstehen. Insgesamt sollen so in der Berliner Siemensstadt mehr als 90.000 Quadratmeter nachhaltiger Gewerbefläche entstehen, die sich vor allem für Forschung, Entwicklung sowie Labore, aber auch für leichte Produktion und Büros eignen werden.

„Mit dem nun vorliegenden Masterplan haben wir einen entscheidenden Meilenstein bei der Entwicklung erreicht“, sagte Viktor Schulte, Projektleiter bei Aventos. Der nun vorliegende Masterplan stärke den industriell-innovativen Charakter des Standorts. In den kommenden Jahren sollen auf dem Baufeld West ein zwölfgeschossiges Hochhaus mit rund 15.000 Quadratmetern sowie sechs weitere Gebäude mit zusammen 60.000 Quadratmetern neu entstehen. Im historischen Glaswerkkomplex werden nach Abschluss der Baumaßnahmen weitere 16.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. „Alle Maßnahmen im Bereich des durch den Masterplan überplanten Baufelds West werden sich im Rahmen geltenden Baurechts bewegen“, betonte Viktor Schulte. Da kein neuer B-Plan notwendig ist, könne zeitnah mit dem Bau begonnen werden. Er rechne mit vier bis fünf Jahren bis zur Fertigstellung aller Vorhaben auf dem Baufeld West.

Tech-Hub vor historischer Kulisse

Das Investitionsvolumen lasse sich aktuell nur grob schätzen, so Schulte weiter. Er rechnet mit rund 250 Millionen Euro. Da das Projekt Luxwerk als langfristiges Projekt angelegt sei, habe Aventos die steigenden Baukosten mit einem entsprechenden Spielraum bereits eingeplant.

„Die Transformation des ehemaligen Osram-Werksgeländes ist eine großartige Gelegenheit, an die innovative Kraft des fast 100 Jahre bestehenden Glaswerkes anzuknüpfen und in einer uns neuen Bautypologie – dem Industriebau, Maßstäbe für eine zukunftsweisende und nachhaltige Industriearchitektur zu setzen“, beschreibt Christoph Felger von David Chipperfield Architects Berlin die Pläne für das Areal. Das Hochhaus am Nonnendamm an der Ecke Otternbuchtstraße schaffe Orientierung über den Standort hinaus und verbinde die denkmalgeschützten Gebäude mit ihrer Umgebung.

„Durch das Hochhaus wird der Standort in seinem größeren Zusammenhang präsent und erhält ein weithin sichtbares Eingangszeichen“, ergänzt der Berliner Architekt Eike Becker, der sich mit seinem Büro für den Entwurf des Hochhauses verantwortlich zeichnet.

Osram stößt Teil des Geländes ab, produziert aber weiter

Bei dem Baufeld West handelt es sich um einen Teil des insgesamt 116.000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Nonnendammallee in Spandau, das Aventos im Sommer vergangenen Jahres von Osram erworben hatte. Die verbleibende Fläche des Luxwerks werde zum einen langfristig von Osram genutzt und diene zum anderen als weitere Baureserve, so Aventos-Chef Schulte.

Die Anlage des historischen Glaswerks wurde in den Jahren 1927 und 1928 nach Entwürfen des Architekten Waldemar Pattri errichtet. Das Ensemble des Maschinenglaswerks – mit Kolbenhütten, Gemengehaus, Maschinen- und Kesselhaus, Röhrenhütte, Generatorenhaus, Verwaltungs- und Wohlfahrtsgebäude – ist weitgehend erhalten. Zu Hochzeiten arbeiteten auf dem Areal bis zu 2000 Menschen. Aventos geht davon aus, dass allein die Flächen des Baufelds West künftig Platz für etwa 2500 neue Arbeitsplätze bieten werden.