Stadtplaner

„Absolventen in Stadtplanung haben sofort einen Job“

Stadtplaner sind gefragt, Absolventen schnell vom Markt. Detlef Kurth, Vorsitzender des Berufsverbands SRL, über die gefragten Profis.

Klimawandel und Mobilität sind bei der Entwicklung von Städten zurzeit besonders wichtige Themen.

Klimawandel und Mobilität sind bei der Entwicklung von Städten zurzeit besonders wichtige Themen.

Foto: cenkerdem / iStock

Berlin.  Professor Detlef Kurth ist Vorsitzender des Berufsverbands SRL (Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung) sowie Professor für Stadtplanung an der Technischen Universität Kaiserslautern. Christine Persitzky sprach mit ihm über den Arbeitsmarkt und künftige Herausforderungen.

Berliner Morgenpost : Herr Professor Kurth, wozu brauchen wir den Beruf des Stadtplaners?

Detlef Kurth: Die Stadtplanung oder auch Raumplanung ist gerade 50 Jahre alt geworden und damit eine relativ junge Disziplin. Der Berufsstand beinhaltet ein sehr integriertes Verständnis von Stadt- und Regionalentwicklung.

Wir versuchen, die Belange der Stadt in all ihren verschiedenen Facetten zu betrachten, also baulich, gesellschaftlich und auch die historischen, ökologischen und ökonomischen Grundlagen. Das unterscheidet die Stadtplanung von der Architektur, die zuerst an Gebäude denkt, oder auch von reinen Fachdisziplinen wie Verkehrsplanung oder Soziologie.

Warum ist dieser übergreifende Ansatz wichtig?

Kurth: Die Bedeutung, die die Stadtplanung hat, zeigt sich aktuell in Themen wie dem Klimawandel oder den Veränderungen in der Mobilität. Das sind Fragen und Probleme, die nur mit einem interdisziplinären Blick auf die Stadtentwicklung zu lösen sind.

Wir können nicht mehr nur den Autoverkehr separat regeln oder irgendwo eine Fassade isolieren, sondern müssen das immer im Kontext eines ganzen Quartiers sehen, mit den Bewohnern und der ganzen Nutzungsvielfalt.

Klimawandel, Mobilität – damit haben Sie bereits zwei Probleme angesprochen, die bei der Planung und Entwicklung von Städten momentan besonders wichtig erscheinen.

Kurth: Hier gibt es wirklich neue Trends. Zum einen in der Tat den Klimawandel. Wir müssen neben dem Klimaschutz – dazu gehört das gesamte Thema Energie – immer stärker auch auf die Klimaanpassung achten, die Vorsorge gegen Extremwetter-Ereignisse wie Überhitzung oder Starkregen zum Beispiel.

Zum Zweiten der Bereich der Mobilität, Stichwörter sind hier das autonome Fahren, die Elektromobilität. Das wird in den nächsten Jahrzehnten die Rolle des Autos in den Städten komplett ändern. Hier steht ein radikaler Umbau an, mit vielen Chancen.

Welche aktuellen Fragen gibt es außerdem?

Kurth: Natürlich die digitale Stadt als riesiges Transformations-Thema. Das wird unser Verhalten in der Stadt sehr stark ändern. Berlin hat in diesem Bereich ja sehr interessante Start-ups. Wobei man ja gedacht hat, dass es in der ­digitalen Welt weniger wichtig sein wird, in der Stadt zu leben. Aber es ist eigentlich genau umgekehrt: Die digitalen Nerds lieben die Urbanität.

Das vierte Thema ist die soziale Trennung, die ja sehr stark zunimmt angesichts der Wohnungsnot. Hier brauchen wir dringend neue Instrumente am Wohnungsmarkt, die ja auch schon diskutiert werden.

Das klingt so, als herrschten rosige Zeiten für Hochschulabsolventen. Ist das so?

Kurth: Der Arbeitsmarkt für Stadt- und Regionalplaner ist sehr schwankend und war zeitweise auch sehr schwierig. Etwa die Hälfte der Stadtplaner arbeitet im Bereich der Verwaltung – und da hängt es von der Finanzausstattung der Kommunen ab, ob Stellen besetzt werden. Die Stadtplaner in den freien Büros sind stark abhängig von der Baukonjunktur oder eben wiederum von Aufträgen der Kommunen.

Seit etwa fünf Jahren haben wir einen sehr guten Arbeitsmarkt, der war noch nie so gut wie jetzt. Unsere Absolventen haben sofort einen Job, noch bevor sie die Abschlussarbeit fertig haben. Und sie haben auch sehr gute Karrierechancen.