Berufschancen

Bedarf ist da: Sichere Jobs für Stadt- und Regionalplaner

Stadtplaner sind in Behörden tätig. Auch Planungsbüros und Wirtschaftsunternehmen sind ihre Arbeitgeber. Junge Stadtplaner berichten.

Jens Schulze und Rosa Schick arbeiten bei yellow z, einem Berliner Beratungs- und Planungsbüro.

Jens Schulze und Rosa Schick arbeiten bei yellow z, einem Berliner Beratungs- und Planungsbüro.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten, Tendenz steigend. Die Herausforderungen durch die Urbanisierung, also die Verstädterung, sind enorm und werfen Fragen auf: Wie sollen Flächen genutzt werden? Welche Infrastruktur, welche öffentlichen Einrichtungen, wie viele Wohnungen werden benötigt? Wie lassen sich Lebensbedingungen verbessern?

An den Antworten auf diese Fragen tüfteln Stadt- und Regionalplaner. Wie viel Raum steht zur Verfügung, wie ist die Gesellschaft strukturiert, welche Wirtschaft wird gebraucht – all das sind Aspekte, die sie berücksichtigen.

Ihre Antworten sind Konzepte für die Gestaltung und Nutzung von Gemeinden und Städten. Manche Planer kümmern sich um einzelne Bebauungspläne, andere um die Entwicklung ganzer Regionen.


Arbeitgeber sind Behörden und Planungsbüros

Ihre Arbeitgeber sind Planungsbüros und wissenschaftliche Einrichtungen. Auch Energieunternehmen haben Jobs für Stadtplaner, ebenso die Immobilienwirtschaft, Verkehrsbetriebe, Infrastruktur- und Versorgungsunternehmen.

Die meisten Stadt- und Regionalplaner sind jedoch in der Verwaltung tätig, zum Beispiel in den Berliner Bezirksämtern oder beim Senat.


Stadtplaner betreuen Entscheidungsprozesse und Beteiligungsverfahren und holen verschiedene Akteure an einen Tisch. Oft arbeiten Stadtplaner „im Bestand“, erklärt Gabi Dolff-Bonekämper. Sie ist Studiengangsbeauftragte und Professorin am Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität (TU) Berlin. „Im Bestand“ bedeutet, es gibt keine Freifläche, die künftig bebaut und bewirtschaftet werden soll, sondern ein vorhandenes Quartier wird verändert.


Von Denkmalpflege bis zu Rechtsfragen

Die Fachgebiete am Institut für Stadt- und Regionalplanung sagen schon einiges über die Studieninhalte: Es geht um Bestandsentwicklung und Erneuerung, Denkmalpflege, Städtebau und Siedlungswesen, Stadt- und Regionalökonomie sowie um die rechtlichen Fragen beim Bauen.

„Die Studierenden lernen aber auch Statistik und Methoden der Sozialforschung kennen, zum Beispiel, wie man Interviews führt“, sagt Dolff-Bonekämper. Der Studiengang an der TU ist begehrt: Die Auswahlgrenze fürs Bachelorstudium lag im vergangenen Wintersemester bei der Durchschnittsnote 1,6.


Fokus auf Menschen

Julia Diringer gefiel, dass das Studium stark praxisorientiert ist. Während ihrer Ausbildung in der Immobilienwirtschaft entdeckte sie ihre Begeisterung für das Thema. „Mich haben Fragen mit dem Fokus auf den Menschen interessiert“, erzählt die 30-Jährige: „Wie funktioniert eigentlich das Leben in der Stadt und wer ist daran beteiligt?“

Bei ihrem heutigen Arbeitgeber, dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), begann sie als studentische Hilfskraft. Seit ihrem Masterabschluss im Jahr 2017 ist sie dort wissenschaftliche Mitarbeiterin.


Forschen, aber trotzdem nah an der Praxis sein

Das Difu ist das größte Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum. Es beschäftigt sich mit allen Aufgaben, die Kommunen heute und in Zukunft bewältigen müssen.

„Wir sind ein Forschungsinstitut, aber wir sind auch ziemlich nah an der Praxis und befördern den Erfahrungsaustausch zwischen kommunalen Akteuren“, erklärt Diringer die Aufgaben.


Interviews führen, Veranstaltungen ausrichten

Für die 30-Jährige bedeutet das, „hinzufahren, zu untersuchen, zu verstehen und abzuleiten: Welcher Lösungsansatz wurde hier entwickelt und wie können wir den aufbereiten, damit er auch für andere zugänglich wird?“ Zu ihren Aufgaben gehören quantitative und qualitative Erhebungen, Experteninterviews, die Mitarbeit am Weiterbildungsprogramm des Difu und die Ausrichtung von Veranstaltungen.


Jens Schulze und Rosa Schick – beide sind 30 Jahre alt – arbeiten beim Planungsbüro yellow z. Sie haben den Masterstudiengang Urban Design an der TU Berlin absolviert. Schick hatte dort schon ihren Bachelorabschluss in Landschaftsarchitektur gemacht. Jens Schulze kam mit dem Bachelorabschluss in Urbanistik von der Bauhaus-Universität Weimar in die Hauptstadt.


Mehrere Fakultäten an einem Strang

Das Fach Urban Design wird an der TU gemeinsam von den Instituten für Architektur, Stadt- und Regionalplanung, Landschaftsarchitektur, Umweltplanung und Soziologie angeboten. „Die Komplexität der Aufgaben, die an Stadtentwicklung und Städtebau gestellt werden, wird immer größer“, sagt Schulze. „Urban Design erarbeitet sich aus unterschiedlichen Perspektiven ein Gesamtbild und nimmt dabei gestalterisch Einfluss.“

Bei yellow z ist Jens Schulze hauptsächlich mit Wettbewerben und städtebaulichen Rahmenplänen beschäftigt und arbeitet an Workshops mit. Rosa Schick ist unter anderem für das Entwicklungskonzept des Hamburger Bezirks Bergedorf zuständig. Beauftragt vom dortigen Bezirksamt organisiert sie Veranstaltungen und befragt die Bevölkerung – vor Ort und online.


Urban Design ist auch politisch

Man versuche, das, was schon da ist, was kommen wird und was sich die Bürger wünschen, unter einen Hut zu bringen, erklärt sie. „Man macht die Stadt ja für die Menschen, die dort leben“, sagt Schick. Deshalb finde sie es wichtig, „dass man sie während des Prozesses mitnimmt“.

Die Masterabsolventen sind sich einig: Dadurch, dass viele Akteure mit konkurrierenden Interessen beteiligt sind, ist ihre Arbeit Teil eines politischen Prozesses. „Und damit ist es auch ein politischer Studiengang.“


Spannender als bloße Architektur

Jana Warnatzsch arbeitet seit fast einem Jahr bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen im Referat Flächennutzungsplanung und stadtplanerische Konzepte. Ursprünglich hatte sie sich mehr für Architektur interessiert. „Für Stadt- und Regionalplanung entschied ich mich dann, weil mir der größere Maßstab besser gefallen hat“, erinnert sich die 39-Jährige.


Nach ihrem Diplomstudium an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg arbeitete sie sechs Jahre in Hongkong, vor allem an Projekten in Südostasien, China, Indien und Saudi-Arabien.

In Asien werden ganze Städte neu entwickelt

„Dort ging es um den klassischen Städtebau“, erzählt sie. „Teilweise wurden ganze Städte komplett neu entwickelt.“ 2012 kam sie nach Deutschland zurück und arbeitete zunächst in Forschung und Lehre an der BTU. Dann wollte sie aber ihre Heimatstadt Berlin mitgestalten.

Die vorbereitende Bauleitplanung, für die Warnatzsch mit zuständig ist, findet sie unheimlich spannend, „weil Weichen gestellt werden können für eine spätere Stadtentwicklung“.

Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen

Auch die Vielfalt ihrer Aufgaben fasziniert sie: „Die Mischung aus der doch eher soliden Arbeit an einem Flächennutzungsplan kombiniert mit der Kreativität von stadtplanerischen Konzepten.“

So vielseitig der Job, so vielseitig auch die benötigten Kompetenzen. Professorin Dolff-Bonekämper erwartet nicht, dass Stadtplaner hervorragend zeichnen können. Wichtig sei vielmehr „der Gestaltungswunsch und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen“.


Alle Beteiligten einbeziehen

Jana Warnatzsch sagt, man müsse gut zuhören können, um alle Beteiligten in den Planungsprozess einzubeziehen. Und man sollte Entwicklungstendenzen und größere Zusammenhänge erkennen. Auch die Fähigkeit zu analytischem Denken sowie gleichermaßen Sinn für Kreativität und baurechtliche Aspekte seien wichtig, findet die Stadtplanerin.

Nicht zuletzt müsse man aushalten, dass zwischen Planung und Umsetzung viele Jahre vergehen könnten, sagt Jana Warnatzsch. Und Julia Diringer hält Neugier für einen wichtigen Faktor, Spaß am Unterwegssein, genauso Interesse an Zukunftsthemen. Schließlich müssen Stadt- und Regionalplaner heute schon für die Städte und Kommunen von morgen planen.