Zu den großen Mysterien der Politik gehört das Phänomen von der Einsilbigkeit der Macht: Warum haben die Namen politischer Anführer auffallend oft nur eine Silbe? Trump oder Bush in den USA, Blair, Brown und May in Großbritannien, Xi und Li in China, Brandt, Schmidt und Kohl in Deutschland. Herausforderer wie Barzel und Vogel hatten nie eine Chance.
Logischerweise hätte Schulz Bundeskanzler werden müssen, aber hier greift Teil zwei des Phänomens – der Vorname. Bill, aber nicht Hillary Clinton, Gerd Schröder und eben nicht Martin Schulz. Was auch das Scheitern der Kandidaten Edmund Stoiber oder Rudolf Scharping erklärt. Peer Steinbrück hätte eine Chance gegen Angela Merkel gehabt, aber die listige Kanzlerin beendet ihre ohnehin knappe SMS traditionell mit „am“. Kürzer als Peer. Passt. Oder die Bundespräsidenten: Heuss, Scheel, Karl, Rau, Horst, Wulff, Gauck, Frank. Kurzer Exkurs in den Fußball: Wie hießen die deutschen Weltmeistertrainer? Sepp, Schön, Franz und Löw. Triumph der Silbe.
Warum nur zieht die Macht den einsilbigen Namen an? Es mag am Trend zum Vereinfachen des Komplexen liegen. Sperrige Themen wie „sachgrundlose Befristung“ wird auf Heil reduziert, „Lohnsteuerjahresausgleich“ auf Scholz und „Atomwaffensperrvertrag“ auf Maas. Plötzlich bekommen diffizile Zusammenhänge eine simple Chiffre.
Kommen wir zu Annegret Kramp-Karrenbauer, die erstens CDU-Chefin und damit nahezu automatisch auch die nächste Kanzlerin werden möchte, womit sie vermutlich den Weltrekord hielte als vielsilbigste Regierungschefin. Zu allem Unglück tritt sie nicht nur gegen den Konkurrenten Merz an, sondern sogar gegen den gefürchteten Doppeleinsilber Jens Spahn. Doch die kluge Saarländerin ist vorbereitet: Kürzer als „AKK“ kann keiner. Das Rennen ist also schon gelaufen.
Denn mit Nahles, Habeck und Lindner dürfte sie kaum mehr Probleme bekommen. Bleibt noch das Rätsel Horst. Seehofer hätte alle Chancen gehabt. Aber manchmal steht dann offenbar doch die Persönlichkeit im Weg.
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