Gegen freien Eintritt zu sein, wirkt so schlecht gelaunt, als wolle man sich gegen Freibier positionieren. Dass alle Bürger kostenlos das Humboldt Forum besuchen dürfen, wie es Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Gründungsintendant Neil MacGregor vorschlagen, erscheint als großherzige Geste. „Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft“ hätten dann Zugang.

Bildung, Soziales und Kultur sind der moderne Dreiklang, mit der die Politik heute jede spendable Geste rechtfertigt. Falls der Vorschlag umgesetzt wird, hätten unmittelbar die anderen Berliner Museen zu leiden. Warum sollte man auf der Museumsinsel Eintritt zahlen, während ein paar Meter weiter der Besuch umsonst ist? Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hätte der freie Eintritt verheerende Konsequenzen, finanzieren sich ihre Museen zu einem Teil aus Eigenmitteln. Rund 70 Prozent der Museumsbesucher in der Stadt sind Touristen, die werden sich über eine günstige Alternative freuen.

Wunschdenken ist es zu glauben, dass Eintrittsgelder eine bedeutende Hürde für den Museumsbesuch sind. Für Kino, Theater und Konzerte werden stattliche Preise aufgerufen – und bezahlt. Geld ist offensichtlich da. Warum also die Bevorzugung des Humboldt Forums? Ist sein Besuch kulturell wünschenswerter als ein Shakespeare-Abend im Theater oder ein Besuch der Philharmonie?

Der vereinte Vorstoß von MacGregor und Grütters hat einen anderen Grund. Er ist getragen von der Sorge, dass das Schloss – nach ein, zwei Jahren, wenn sich der Hype gelegt hat – zu wenig Besucher findet. Vage und verkopft erscheint dem Außenstehenden vieles, was dort künftig zu sehen sein soll. Die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, die in Dahlem schon wenig Menschen interessierten, sollen nun auf einmal in Mitte der Publikumsrenner werden. Koste es, was es wolle.