Radfahren ist gesund. Und in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln lassen sich auch längere Strecken etwa zur Arbeit oder hinaus ins Grüne bequem zurücklegen. Doch die Schattenseiten des aktuellen Fahrradbooms sind beinahe überall in der Stadt zu sehen. Räder stehen kreuz und quer auf Gehwegen und vor Stationen von S- und U-Bahn herum. Nicht auszudenken, was passiert, wenn bei einem Brand im Untergrund plötzlich Hunderte Menschen aus dem Bahnhof drängen und ihnen die Räder regelrecht den Weg versperren.

Der Senat hat das Problem der Parkplatznot für Räder endlich erkannt. Die Zahl der Abstellplätze im öffentliche Raum, vor allem in Bahnhofsnähe soll in den nächsten Jahren auf bis zu 60.000 erhöht werden, kündigte jetzt Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler an. Das wäre mehr als eine Verdopplung des bisherigen Bestands. Und ein weiteres Zugehen auf die Initiatoren des Rad-Volksentscheids. Sie fordern gar, dass in den kommenden acht Jahren gleich 200.000 neue Parkplätze für Fahrräder in der Stadt geschaffen werden. Ein Wunsch, der ebenso unrealistisch erscheint, wie der nach 100 Kilometern Radschnellwegen, die auf vier Metern Breite in die Stadt führen sollen.

Doch trotz manch überzogener Forderung: Die Rad-Aktivsten können sich über mangelnden Zulauf nicht beschweren. In kurzer Zeit bekamen sie mehr als 100.000 Unterstützer-Unterschriften, knapp 90.000 sind inzwischen als gültig anerkannt. Die große Resonanz hat auch ihren Grund darin, dass die Regierungskoalitionen der vergangenen Jahre den Trend weg vom Privatauto, hin zu Rad, Bus, Bahn und Carsharing weitgehend verschlafen haben.

Wer auch immer ab September die Stadt regiert, er wird sich den Forderungen der Fahrrad-Aktivisten ernsthaft annehmen müssen. Der Bau zusätzlicher Fahrradbügel kann da nur ein allererster Schritt sein.