Der Bericht der Expertenkommission zur Zukunft der Behörde für Stasi-Unterlagen war nicht mal gedruckt, da gab es schon Krach. Einige Vorschläge waren vorher durchgesickert – unter anderem die Idee, die Gedenkstätte Hohenschönhausen zusammen mit der Normannenstraße, der ehemaligen Stasi-Zentrale, unter ein Stiftungsdach zu bringen. „Das riecht nach einer feindlichen Übernahme“, schimpfte Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Die Lage scheint unversöhnlich. Nur der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, bleibt gelassen. Die Vorschläge der Kommission seien „eine solide Grundlage“, ließ er wissen. Nun gelte es, sie „auf ihre Praxistauglichkeit abzuklopfen“.
Denn wer sich mit dem Thema länger beschäftigt, weiß, es muss sich etwas ändern. 26 Jahre nach Mauerfall gilt es, die Stasi-Unterlagenbehörde sanft zu „normalisieren“, ohne ihr die Symbolkraft zu nehmen. Mit der Revolution von 1989 entstand ein einzigartiger Moment: Die Staatssicherheit wurde von einem Tag auf den anderen aufgelöst, ihre Arbeit in gewisser Weise „eingefroren“. Noch nie hatte man so offenen Zugang zu einer Geheimdienstbehörde wie wir heute. Viele, die Opfer der Stasi wurden, verstanden dank der Akteneinsicht, was ihnen widerfahren war. Der öffentliche Dienst konnte vor Einstellungen seine Bewerber überprüfen. Das alles hatte etwas sehr Unmittelbares.
Doch die automatische Überprüfung im öffentlichen Dienst läuft 2019 aus. Und Anfragen zu Stasi-Akten kommen nicht mehr nur von Betroffenen, sondern auch von deren Kindern und Enkelkindern. Das ist der Lauf der Zeit. Inzwischen spielt die Forschungstätigkeit eine große Rolle bei der Stasi-Unterlagenbehörde. Wissenschaftler beginnen mit Hilfe der Akten Mechanismen der Diktatur zu begreifen. Und auch die Pädagogik wird immer wichtiger: Wie vermittelt man Schülern, die die DDR nur aus dem Geschichtsbuch kennen, die Härten und Schrecken einer sozialistischen Diktatur? Der Vorschlag der Kommission lautet nun: Trennt die Felder. Die Akten sollen in das Bundesarchiv übergehen, das sich mit Archivierung hervorragend auskennt. Damit die anderen unbelastet arbeitet können: Ob pädagogisch oder in der Opferarbeit. Kein schlechter Vorschlag. Seite 4


