Nein, es hat sich nicht „ausgetrumpt“. Noch nicht. Aber der seit Langem unangenehmste Schreihals auf der politischen Bühne Amerikas wird nach der Auftaktschlappe in Iowa seine Tonlage im Ringen um das Präsidentschaftsticket deutlich herunterdimmen müssen. Kein Problem. Donald Trump ist Opportunist und Pragmatiker. Er weiß aus alter Fernsehshowerfahrung, was sonst passiert: Du bist gefeuert! Kleine Erschwernis: Ob die Wutbürger, die ihn verehren, Trump eine gemäßigtere Gangart verzeihen, muss sich zeigen.

Die Erleichterung darüber, dass die wackeren Bürger von Iowa den Tatsachenverdreher und politischen Brunnenvergifter Donald Trump zurechtgestutzt haben, hält sich allerdings in Grenzen. Ted Cruz, der Mann, der ihn beim Aufgalopp des Ausleseprozesses auf dem Marsch ins Weiße Haus bezwungen hat, ist bei Licht betrachtet k einen Deut besser. Sondern noch mehr von einer finsteren Mission besessen.

Erzkonservativer Hardliner: Ted Cruz hat den Caucus in Iowa gewonnen und seinen schärfsten Rivalen Donald Trump hinter sich gelassen
Erzkonservativer Hardliner: Ted Cruz hat den Caucus in Iowa gewonnen und seinen schärfsten Rivalen Donald Trump hinter sich gelassen

Der penetrant im Namen des Herrn Gottes die Welt mit Maximalforderungen verprellende Schlauredner hat sich mit seinem Plädoyer für Flächenbombardements in Syrien/Irak gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ bis in Militärkreise unmöglich gemacht. Seine Ankündigung, am ersten Arbeitstag im Oval Office die Atomvereinbarung mit dem Iran „in Stücke zu reißen“, entlarvt ihn als gefährlichen Ignoranten, der international bindende Verträge aufs Spiel zu setzen bereit ist.

Politische Lebensleistungen gelten jetzt als Hindernis

Nimmt man dann noch den irrlichternden Ex-Gehirnchirurgen Ben Carson hinzu, wird einem vollständig mulmig. Gemeinsam kommen diese drei Außenseiter in Iowa auf rund 60 Prozent der abgegebenen Stimmen. Deutlicher könnte die Verachtung der Wähler für den Mainstream der republikanischen Partei nicht ausfallen.

Dass in Zeiten allgemeiner Verunsicherung viele Wähler den Rattenfängermelodien derer folgen, die wahlweise die „Eliten in Washington“, das „Establishment“ oder das „System“ schlechthin für die Wurzel allen Übels halten, dokumentiert die Baufälligkeit der amerikanischen Demokratie. Solide politische Lebensleistungen, wie sie zum Beispiel der zu Unrecht unter Wert geschlagene Gouverneur von Ohio, John Kasich, vorzuweisen haben, gelten im Jahr 2016 als Hindernis und nicht als Vorzug.

Scharfmacher: Donald Trump hat in Iowa eine Schlappe hinnehmen müssen
Scharfmacher: Donald Trump hat in Iowa eine Schlappe hinnehmen müssen

Auch die Demokraten scheinen nicht davor gefeit zu sein, dass der Wähler lieber an den Rändern nach politischen Angeboten Ausschau hält, als die Mitte in den Blick zu nehmen. Der unglaubliche Erfolg des Politveteranen Bernie Sanders (74), der mit seiner an Oskar Lafontaine erinnernden Überwältigungsrhetorik und Umverteilungsagenda ausgerechnet die junge Generation begeistert, markiert im linken Milieu den Widerstand gegen alles Etablierte.

Die Republikaner sind von Hass und Missgunst getrieben

Ob Hillary Clinton, die in ihrem Rucksack neben schlummernden Skandalen (E-Mail-Affäre, Bengasi etc.) ein grundsätzliches Glaubwürdigkeitsproblem mit sich schleppt, den ergrauten Revolutionär so schnell nachhaltig auf Distanz halten kann, ist noch nicht ausgemacht. Alle Beteiligten wissen zwar, dass Sanders’ Programm – Krankenversicherung für alle, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kostenloses Studium, Reichensteuer – in den USA zu sehr nach Staatsquote und hoher Verschuldung klingt und darum nicht mehrheitsfähig sein wird. Aber Clinton, die trotz allem Favoritin bleibt, kann sich keine Fundamentalopposition erlauben. Das würde Sanders noch mehr Auftrieb geben.

In dieser Gemengelage ist das unerwartet gute Abschneiden des jungen Marco Rubio im Lager der amerikanischen Konservativen fast schon ein Hoffnungsschimmer. Er sieht zwar wie Establishment aus, kommt aber auch aus der innerparteilichen Opposition. Nach heutiger Schau, nach dem ersten Urnengang in Iowa, ist Rubio der Einzige, der die von Hass und Missgunst getriebenen Lager in der republikanischen Partei hinter sich versammeln kann.