Wir kennen sie alle, die schlechten Nachrichten aus und über unsere Stadt. Wir ärgern uns über sie, andere spotten darüber. Mediales Berlin-Bashing ist mal wieder „in“. Frei nach dem Motto: Berlin kriegt nichts auf die Reihe. Ja, es stimmt: Was sich die Stadt an Desorganisation bei der Flüchtlingsaufnahme, bei den Bürgerämtern, am leidigen BER oder an zu vielen Schulen leistet, spricht in der Tat Bände.

Aber wer genüsslich behauptet, Berlin bekomme nichts auf die Reihe, der kennt die Stadt nicht. Der passt sich mal wieder nur der fast schon routinemäßig alle paar Jahre angesagten Berlin-Schmähung an oder ist schlicht neidisch auf das, was die Stadt auch leistet, welche Magnetwirkung sie auslöst.

Wuchern wir Berliner doch endlich auch mal mit den Pfunden, die wir uns erarbeitet haben. Da ist die vergleichsweise höchst erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung. Mit 2,2 Prozent liegt das Wachstum am Ende des Jahres deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 1,7 Prozent. Gewiss, Berlin hat insbesondere gegenüber den westlichen Bundesländern Nachholbedarf. Dennoch kann sich die Konjunkturentwicklung der vergangenen Jahre sehen lassen. Es sind alles andere als Eintagsfliegen.

Mercedes und BMW investieren in großem Stil

Weltunternehmen definieren Berlin für sich als Standort der Zukunft, investieren in großem Stil: Mercedes baut das Werk Marienfelde mit einer halben Milliarde Euro für die Motorenentwicklung der Zukunft aus, BMW investiert in das Spandauer Motorradwerk 100 Millionen Euro in ein Logistikzentrum und eine Lackieranlage, das weltweit aufgestellte schwäbische Schraubenimperium Würth baut im boomenden Technologiepark Adlershof seine Elektronikabteilung auf.

Dazu ist Berlin zur Gründerhauptstadt geworden. 32.400 Unternehmen gingen 2015 an den Start. Kaum noch eine Überraschung, dass Investitionsbank Berlin, Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer übereinstimmend auch für das neue Jahr eine positive Prognose abgeben.

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt die Steuereinnahmen sprudeln, ermöglicht überfällige öffentliche Investitionen und sogar einen bescheidenen Schuldenabbau. Gesunken ist im Gefolge all dessen auch die Arbeitslosenquote. Mit 10,2 Prozent liegt sie auf dem niedrigsten Stand seit 1991. SPD und CDU haben damit fast geschafft, was sie sich im Koalitionsvertrag von 2o11 bis Ende 2016 vorgenommen haben: die Zehn-Prozent-Marke zu knacken.

Berlin ist keineswegs die Stadt der Pleiten, Pech und Pannen, wie die Neider unwissend oder bösartig suggerieren. Wie auch, wenn jährlich Zehntausende vor allem junge, gut ausgebildete Menschen aus aller Welt nach Berlin ziehen, um hier ihr Glück zu suchen. Wie auch, wenn – wie im abgelaufenen Jahr – der Tourismus mit neuen Rekordzahlen aufwartet (mehr als 30 Millionen Hotelübernachtungen), wenn fast 30 Millionen Passagiere, auch das ein neuer Spitzenwert, an Berlins Flughäfen gelandet oder gestartet sind.

Was am Flughafen Tegel geleistet wird, müssen andere erst mal nachmachen

Und das sollte andernorts auch erst einmal nachgemacht werden, was den Managern und Mitarbeitern am Airport Tegel seit Jahren gelingt: An dem für elf Millionen Fluggäste ausgerichteten Terminal werden mittlerweile mehr als doppelt so viele Passagiere weitgehend reibungslos abgefertigt.

Immer noch nicht genug Positives aus der Hauptstadt, in der sich übrigens längst auch fast alle Regierungs- und Bundestagsmitglieder wohlfühlen, die einst lieber am Rhein geblieben wären? Kaum zu glauben, auch im Fußball steht Berlin plötzlich weit oben.

Auf all das und manches mehr sollten wir Berliner ein bisschen stolz sein. Auch mal unseren liebsten Charakterzug, das Meckern, hintanstellen und würdigen, dass sich unsere Stadt selbst angesichts eines allenfalls mittelmäßigen politischen Personals so positiv entwickelt. Berlin beweist nicht zum ersten Mal, dass die Stadt und ihre Menschen Kraft aus sich selbst heraus haben. Das kann, das sollte uns Mut machen für das neue Jahr.