Das blaue Logo der Deutschen Bank ist seit 41 Jahren unverändert. Der Grafikdesigner Anton Stankowski hat es einst entworfen: Ein Quadrat, das für Stabilität und Solidität stehen soll – darin eingeschlossen eine aufstrebende Linie als Symbol für Wachstum und Dynamik. Das Image vom stabilen und soliden Geldhaus aus Frankfurt am Main haben Kunden und Anleger der Bank jahrzehntelang abgenommen. Ein Markenzeichen im besten Sinne. Auch als Richtschnur für die Geschäftspolitik hätte es wegweisend sein sollen.

Doch was ist heute übrig vom Bild der seriösen, stabilen Deutschen Bank? Wenn es einen Tiefpunkt im öffentlichen Ansehen gibt, dann hat die Bank den ihrigen bereits erreicht. Nach all den Skandalen der vergangenen Jahre. Von der Zinsmanipulation bis zum Kirch-Prozess. Fälle, weit entfernt vom Leitbild der seriösen Bank.

Kunden und Anleger fragen sich zurecht: Kann man einer Bank noch vertrauen, die etwa allein im Zeitraum von 2010 bis 2014 wegen Fehlverhaltens mehr als 14 Milliarden Dollar für Rechtskosten aufbringen musste? Warum produziert ihr Geschäftsmodell eigentlich so viele Verstöße?

Eine Ungeschicktheit in jüngerer Zeit war die Berufung des früheren Investmentbankers Anshu Jain zum Chef der Bank. Nun sollte Jain ausgerechnet die Probleme lösen, die er mit seiner risikofreudigen und auch skrupellosen Investmentbankertruppe, „Anshu’s Army“, zum Teil selbst verursacht hatte. Wenn Jain erklären sollte, wie es zu den Verstößen kam, war es, als frage man den Fuchs, wo all die leckeren Hühner geblieben sind. Er werde so lange Deutsche-Bank-Chef bleiben, wie er gebraucht werde, sagte Jain Ende Februar. Vier Monate später brauchte ihn die Bank nicht mehr, ebenso wenig seinen Co-Chef Jürgen Fitschen.

Jetzt greift der Nachfolger John Cryan durch. Er verändert radikal die Führungsstruktur der Bank. Beendet die Ära der Investmentbanker im Vorstand der Bank. Wer zu Jains Truppe gehörte, muss nun zittern. Viele von „Anshu’s Army“ verlassen die Bank – und das ist auch gut so.

Denn im besten Fall ist Cryans Durchgreifen der Anfang einer umfassenden Erneuerung der Bank. Die erste Korrektur eines Irrwegs. Dieser begann in den Jahren vor der großen Finanzkrise von 2008, als das Geldhaus sein Kreditgeschäft vernachlässigte, Unternehmer und Kunden im Stich ließ, um im Investmentbanking immer größere und vor allem riskantere Geschäfte zu machen – mit immer fragwürdigeren Finanzinstrumenten. Weil dabei zeitweise sagenhaft viel Gewinn abfiel, wurden die Investmentbankingabteilungen immer wichtiger, deren Anführer wie Jain immer mächtiger.

Doch die versteckten Kosten dieser Geschäfte zeigten sich erst später. Wie bei der Kernkraft die Entsorgung des Abfalls Milliarden frisst, so fressen sich die Prozesskosten der rechtlich oft zweifelhaften Geschäfte bis heute in die Bilanz der Bank. Es ist höchste Zeit, dass sie nicht nur ihre Kultur, sondern auch ihr Geschäftsmodell ändert, um solche Risiken in Zukunft zu vermeiden.

Cryans Schritt geht deshalb in die richtige Richtung. Glaubwürdig kann ein Neuanfang nur sein, wenn er mit den alten Strukturen bricht. Drei der Vorstände, die der neue Chef nun vor die Tür setzt, waren wegen ihrer Rolle im Zinsmanipulationsskandal zuletzt ins Visier der Finanzaufsicht Bafin geraten. Mit dem personellen Umbau schützt Cryan das Institut vor weiteren Fällen, in die Vorstandsmitglieder verwickelt gewesen sein könnten.

Weltweit soll das Logo der Deutschen Bank stabiles, solides Wachstum symbolisieren – Cryans Umbau birgt die Chance, dass die Bank sich diesem Leitbild wieder mehr annähert. Für die deutsche Wirtschaft ist das Institut wichtiger als alle anderen. Kunden und Unternehmen brauchen eine starke, seriöse und international aufgestellte Deutsche Bank. Keine Zockerbude, sondern ein solides Geldhaus.