Berliner Kinder können nur schlecht schreiben und auch nicht besonders gut lesen. Nicht alle natürlich, aber viel zu viele sind es, die gerade die untersten Anforderungen für die dritte Klasse erfüllen. Wieder einmal bringt ein bundesweiter Vergleichstest, diesmal heißt er Vera, die Mängel in Berliner Schulen ans grelle Licht. Der Befund ist alarmierend, schließlich sind Lesekompetenz und einigermaßen sichere Rechtschreibung zwei wesentliche Grundlagen, um in den folgenden Klassenstufen überhaupt dem Fachunterricht folgen und sich schriftlich äußern zu können.

Die Ergebnisse der Drittklässler weisen auf die Sinnlosigkeit vieler bildungspolitischer Grabenkämpfe hin, auf die Debatten um Strukturen und Bildungsreformen. Ob Gemeinschaftsschule, Gymnasium ab der fünften Klasse, ob Geschichts- oder anderer Unterricht, all das ist sekundär. Wir sollten viel mehr darüber diskutieren, wie wir den Kindern die Basis eines erfüllten Schul- und Berufslebens vermitteln. Da wäre es ein guter Schritt, die Bevorzugung von Oberschulen gegenüber den Grundschulen abzuschaffen, etwa was die Bezahlung der Lehrkräfte betrifft.

Und ob es wirklich ein vernünftiges Konzept ist, dass Kinder beim Schreibenlernen alle Wörter erst einmal so aufs Papier bringen dürfen wie sie denken, lässt sich zumindest diskutieren. Manchem Kind wäre mit klaren Vorgaben, wie deutsche Wörter geschrieben werden, womöglich mehr geholfen als mit dem selbstständigen Ausprobieren, der Annäherung an eine Norm, die ja eben meistens nicht verhandelbar ist.

Natürlich sind die Schulen überfordert, wenn viele Kinder zu Hause nicht mehr ans Lesen und Schreiben herangeführt werden und stattdessen stundenlang auf kleine und große Mattscheiben starren. Und nicht einmal Google verlangt stets korrekte Rechtschreibung. Die Suchmaschine ist ja so schlau, dass sie auch falsch geschriebene Begriffe herausfiltern kann.

Am Ende bleibt nur der hilflose Appell an alle Eltern, Opas, Tanten und Freunde: Sprecht ordentlich mit den Kindern! Korrigiert sie! Haltet sie zum Lesen an! Lest vor! Schreibt selber korrekt! Und drängt darauf, dass die Schulen diese Grundlagen vermitteln.