In Israel, schrieb Noch-Staatspräsident Schimon Peres in einem Zeitungsartikel, gebe es „keinen Unterschied zwischen Blut und Blut“. Egal ob die Mörder Juden oder Araber seien, sie würden mit der vollen Härte des Gesetzes verfolgt. Es war der Versuch, nach der Ermordung der drei jüdischen Talmudschüler und des tödlichen Racheaktes an einem palästinensischen Jugendlichen eine neue Welle der Gewalt zu verhindern. Vergeblich. Wieder schlagen Raketen im südlichen Israel ein, werfen israelische Flugzeuge Bomben über dem von der radikalen Hamas beherrschten Gazastreifen ab, marschieren israelische Bodentruppen auf, um einen möglichen Einmarsch nach Gaza vorzubereiten.
Die Morde an den vier Teenagern haben die neue Gewaltspirale ausgelöst. Doch sie waren einmal mehr nur der Funke, der zur Explosion brachte, was seit mehr als einem halben Jahrhundert glüht: Der ungelöste Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, der selbst nach vier großen Kriegen keinen Frieden finden will. Viel jüdisches und viel arabisches Blut ist geflossen, ohne dass bislang das gegenseitige tiefe Misstrauen hätte überwunden und Vernunft obsiegen hätte können. Wie auch, wenn die eine Seite Israel das Existenzrecht aberkennt und die andere den Palästinensern aus Furcht vor der eigenen Vernichtung volle staatliche Souveränität verweigert.
Die neue Stufe der nahöstlichen Eskalation hätte auch für Deutschland mit einer Katastrophe beginnen können. Dass das deutsche Kreuzfahrtschiff „Aida Diva“ im vermeintlich sicheren Seegebiet 30 Kilometer nördlich des Gazastreifens vor dem israelischen Hafen Aschdod nach den Treffern von mehreren Raketenteilen nicht schwerer beschädigt wurde und die Urlauber mit dem Schrecken davon gekommen sind, darf getrost als Glück im Unglück bewertet werden. Es ist aber zumindest Beleg dafür, dass das neue Gewaltszenario Gefahren und Risiken nicht allein für die direkt Betroffenen birgt.
Deutschland muss ein ganz spezielles Interesse an einer Entschärfung und letztlich friedlichen Lösung des Konflikts zwischen den scheinbar Unversöhnlichen haben, seit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Sicherheit Israels als Teil der deutschen Staatsraison definiert hat. Das Dilemma dieser Garantie: Die Einwirkungsmöglichkeiten auf die Entscheider in Jerusalem, Ramallah und erst recht in Gaza-Stadt sind – wenn überhaupt – höchst begrenzt. Das gilt leider auch für den neuen Waffengang.

