MaiGörli

1. Mai in Kreuzberg - Keine Party mehr im Görlitzer Park

Im Görlitzer Park darf in diesem Jahr zum 1. Mai nicht mehr gefeiert werden. Das Bezirksamt gibt damit indirekt ein Scheitern zu.

Der erste Tag im Mai 2018

Zwischen Demo und Party - das war der erste Mai in Berlin.

Der erste Tag im Mai 2018

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Berlin.  Beim großen Straßenfest Myfest am 1. Mai in Kreuzberg soll der Görlitzer Park in diesem Jahr von Partys verschont bleiben. Musik, Grills und Verkaufsstände seien an dem Tag dort verboten, kündigte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg an.

Damit ist das Konzept von 2018 gescheitert. Nach einigen Jahren mit spontanen Partys im Park hatte der Bezirk erstmals selbst Bühnen und Bier-Verkaufsstände unter dem Namen „MaiGörli“ organisiert und genehmigt. Prompt war der Park in Teilen völlig überfüllt, Toiletten reichten nicht aus, Müll türmte sich auf. Die Feier war gewissermaßen der Parkableger des seit 2003 stattfindenden Myfests. Dieses war gegründet worden, um den traditionell von Ausschreitungen begleiteten 1. Mai im Kiez zu befrieden, oder, wie die Organisatoren der Myfest Crew es formulierten: „Um die am Ende sinnlosen Krawalle zu beenden.“

Ein paar Stunden lang ein großer Spaß für Kieztouristen

Allerdings nahm das Myfest eine unerwartete Entwicklung. Je bekannter es wurde, desto mehr Publikum stieg alljährlich in die Bahn nach Kreuzberg, um ordentlich zu feiern. Die Besucher erwarteten Spezialitätenstände, aber auch ganz bodenständige Wurstbratereien. Auf zahlreichen Bühnen spielten Bands Rock, HipHop und die Folkloremusik der Menschen aus dem Kiez. Weil viel getrunken wurde, waren die Straßen bald übersäht von Scherben.

Die Partylaune rund um den Mariannenplatz uferte zunehmend aus. Nicht nur dort wurde gefeiert, sondern auch in den umliegenden Straßen. 2017 wurden 200.000 Besucher gezählt. Bis zur Oberbaumbrücke standen die Myfest-Gäste. Was für ein paar Stunden ein großer Spaß der Kieztouristen war, sorgte allerdings bei vielen Anwohnern alljährlich für eine durchwachte Nacht, nach der man am nächsten Morgen die eigene Straße nicht mehr erkannte. Die Organisatoren versuchten gegenzusteuern. So wurden Sicherheits- und Müllkonzepte verändert. Die Anzahl der Bühnen auf dem Myfest reduzierten sie von zwischenzeitlich 20 auf acht. Doch der Unmut blieb.

Ein weiterer Partyort am 1. Mai war der Görlitzer Park. Auch dort traf man sich zum Feiern, was jedoch für Umweltbelastung, weiteren Müll und ein schwer erträgliches Musik-Durcheinander sorgte. Der Versuch des Bezirks, durch eine Umorganisation die Kontrolle zurückzugewinnen, brachte im Resultat nur weiteren Ärger unter den Anwohnern. Der brach sich Bahn bei seit dem Sommer folgenden Bürgerveranstaltungen im Familien- und Nachbarschaftszentrum Kiezanker 36 an der Cuvrystraße. Die Rede war von „Ballermannstimmung“. Der Parkrat im Görlitzer Park legte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) im Januar seinerseits Vorschläge für einen veränderten, verbesserten „MaiGörli“ vor.

Weiteres Material für die jetzt getroffene Entscheidung gegen das Parkfest lieferte eine Fragebogenaktion des Bezirksamts. 5000 zufällig ausgewählte Haushalte und Gewerbetreibende in den Kreuzberger Kiezen der nördlichen und südlichen Luisenstadt bekamen im November vergangenen Jahres Post. In einem Fragebogen konnten sie sich zu Myfest und „MaiGörli“ äußern. Ein Viertel der Angeschriebenen antwortete auch. Fazit des Bezirks: „Die Befragten positionierten sich klar gegen eine Fortsetzung des MaiGörli.“

In diesem Jahr soll der 1. Mai daher wieder ein Tag wie jeder andere in dem Park werden. Parkläufer werden allerdings schon an den Eingängen stehen und darauf achten, dass Glasflaschen, Getränkedosen, Grills und Musikanlagen draußen bleiben. Das Myfest jenseits der Hochbahn bekommt indes einen Feinschliff. Weil sich viele Anwohner über die reine Eventhaftigkeit beschwert hatten, bei welcher der Charakter des Kiezes und der Bewohner eine viel zu geringe Rolle spiele, soll in diesem Jahr ein vielfältigeres Bühnenprogramm mit örtlichen Künstlern, unterschiedlichen Gruppen und lokalen Sportvereinen, Einrichtungen und Initiativen erarbeitet werden.

Linke Szene will sich in Friedrichshain treffen

Abseits des Stadtteilfests verlagert sich 2019 der Konfliktherd des 1. Mai. Die linke Szene trifft sich in diesem Jahr nicht in Kreuzberg, sondern in Friedrichshain. Startpunkt der Demonstration unter dem Motto „Gegen die Stadt der Reichen“ ist der Wismarplatz. Sicherheitsexperten befürchten nach einem relativ friedlichen 1. Mai 2018 dieses Mal jene aufgeheizte Stimmung, die sich am Sonnabend in Folge der Besetzung eines leer stehenden Ladengeschäfts an der Wrangelstraße in Kreuzberg gezeigt hatte. Neun Polizisten wurden dabei verletzt, 14 Menschen vorläufig festgenommen.