Große Steuerserie

Muss ich als Rentner eine Steuererklärung machen?

Große Telefonaktion: Experten von Lohnsteuerhilfeverein und Steuerberaterverband beantworten die Fragen der Leser.

Die Steuerexperten an den Mogenpost-Lesertelefonen: Jörg Medczinski, Tanja Hirsch, Uwe Rauhöft, Andy Strey,Wolfgang Wawro, Martina Bruse, Sebastian Merla

Die Steuerexperten an den Mogenpost-Lesertelefonen: Jörg Medczinski, Tanja Hirsch, Uwe Rauhöft, Andy Strey,Wolfgang Wawro, Martina Bruse, Sebastian Merla

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Die Steuererklärung ist komplex, und nicht immer erschließt sich, was wo einzutragen ist. Gut, wenn Experten offene Fragen klären und Licht in den Steuerdschungel bringen können. Die Möglichkeit, individuelle Fragen zur Steuererklärung 2017 Fachleuten zu stellen, haben am Sonnabend zahlreiche Leser der Berliner Morgenpost genutzt und ihre Fragen den Experten des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL) und des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg gestellt. Im Folgenden protokollieren wir die wichtigsten Fragen der Morgenpost-Leser zur Steuererklärung 2017.

Kinder

Meine Tochter wird dieses Jahr 24. Sie hat vor Kurzem ihre Ausbildung gewechselt. Sie erhält dann eine Ausbildungsvergütung von 700 Euro im Monat. Kann ich sie weiter in die Anlage Kind eintragen?

Ja, bis zum 25. Geburtstag der Tochter haben Sie weiterhin Anspruch auf Kindergeld, sofern sie bis dahin keine Ausbildung abgeschlossen hat. Sollte Ihre Tochter nach ihrem 25. Geburtstag finanziell von Ihnen abhängig sein, können Sie 8820 Euro Unterhaltsleistungen als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung geltend machen. Allerdings werden die 8820 Euro anteilig gekürzt, sofern Einkünfte und Bezüge der Tochter 624 Euro im Jahr überschreiten.

Mein Sohn macht gerade einen Bachelor in BWL. Kann er seine Ausgaben für sein Studium steuerlich geltend machen?

Die Ausgaben für sein Erststudium kann Ihr Sohn bis zur Höhe von 6000 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Sollte Ihr Sohn jedoch nicht über entsprechende Einkünfte verfügen, kann er seine Ausgaben nicht verrechnen. Aktuell müssen die Richter des Bundesverfassungsgerichts klären, ob die Ausgaben für ein Erststudium unbegrenzt als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden können. Daher sollte Ihr Sohn die Ausgaben für sein Studium als Werbungskosten abrechnen und unter Verweis auf die Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht Einspruch gegen seinen Steuerbescheid einlegen. Dies kann er auch noch für die vorhergehenden Jahre seines Bachelorstudiums machen – sofern er für diese keine Steuererklärung eingereicht hat –, maximal sieben Jahre rückwirkend.

Ich überweise meiner Enkelin einige Tausend Euro für ihre Ausbildung in den USA. Das Finanzamt hat die Ausgaben in meiner Steuererklärung nicht akzeptiert. Ist das rechtens?

Da die Eltern Kindergeld oder Kinderfreibeträge für die Tochter beziehen, können Sie Ihre Ausgaben für die Enkelin nicht steuerlich geltend machen. Ausbildungskosten sind zudem mit dem Kindergeld abgegolten. Bei auswärtiger Unterbringung gibt es für Eltern allerdings einen zusätzlichen Freibetrag von 924 Euro im Jahr.

Wir zahlen Unterhalt für unsere Tochter, für die wir kein Kindergeld erhalten. Können wir die Ausgaben steuerlich geltend machen?

Sie können das Finanzamt an den Unterhaltszahlungen für Ihre Tochter beteiligen. Diese akzeptieren die Finanzämter als außergewöhnliche Belastungen bis zur Höhe von 8820 Euro. Zudem können Sie auch die Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung für Ihre Tochter steuerlich geltend machen. Allerdings reduzieren sich die 8820 Euro entsprechend, sofern Einkünfte und Bezüge der Tochter 624 Euro im Jahr übersteigen. Auch darf das Vermögen der Tochter nicht höher als 15.500 Euro sein.

Ruheständler

Ich bin alleinstehend und zum 1. Januar 2017 in Rente gegangen. Ich erhalte monatlich eine Rente von rund 2000 Euro. Muss ich eine Steuererklärung machen?

Da Sie im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen sind, müssen Sie 74 Prozent Ihrer gesetzlichen Rente steuerlich veranlagen. Das wären in Ihrem Fall rund 17.700 Euro. Davon zieht das Finanzamt die Werbungskostenpauschale von 102 Euro ab. Da Ihr Gesamtbetrag der Einkünfte mit 17.700 den Grundfreibetrag von 8820 Euro übersteigt, müssen Sie eine Steuererklärung machen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Sie auch Steuern zahlen müssen. Schließlich können Sie das Finanzamt an etlichen Ausgaben etwa für Versicherungen, Pflege, Medikamente, Arztbesuche oder Kuren beteiligen. Nur wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen den Grundfreibetrag von 8820 Euro übersteigt, müssen Sie Steuern zahlen.

Mein Mann ist im vergangenen Jahr gestorben. Muss ich jetzt eine Steuererklärung machen?

2017 und auch ein Jahr nach dem Tod Ihres Ehemannes können Sie den günstigen Splittingtarif für Ehepaare nutzen. Ab dem Jahr 2019 sollten Sie allerdings prüfen, ob der Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte den Grundfreibetrag übersteigt. Dieser liegt beispielsweise bei Alleinstehenden im Jahr 2018 bei 9000 Euro.

Mein Mann und ich sind seit 2010 im Ruhestand. Wir mussten bislang keine Steuererklärung machen. Hat sich das jetzt aufgrund der Rentenerhöhungen in den vergangenen Jahren geändert?

Das muss nicht sein. Allerdings sollten Sie jedes Jahr prüfen, ob der Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte noch unter dem Grundfreibetrag liegt. 2017 waren dies bei Verheirateten 17.640 Euro. Zum Gesamtbetrag der Einkünfte zählen neben der gesetzlichen Rente und weiteren Rentenbezügen auch Kapitalerträge oder Mieteinkünfte. Sollten diese im vergangenen Jahr 17.640 Euro überschritten haben, müssen Sie die Bögen für das Finanzamt ausfüllen. Aber da Sie den Fiskus an einer ganzen Reihe von Ausgaben – etwa für Kuren, Versicherungen oder Pflege – beteiligen können, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie auch Steuern zahlen müssen.

Ich habe gelesen, dass ich meine Steuererklärung nur noch online machen darf. Ich habe aber gar keinen Computer.

In diesem Fall erstellen Sie Ihre Steuererklärung auf Papier und stellen einen Ausnahmeantrag.

Pflege

Ich bin im vergangenen Jahr von Berlin oft nach Stuttgart zu meiner Mutter geflogen, um diese zu unterstützen. Kann ich die Ausgaben steuerlich geltend machen?

Sofern Ihre Mutter im vergangenen Jahr in eine Pflegestufe eingruppiert war, können Sie die Ausgaben für die Flüge nach Stuttgart als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Sie müssen allerdings darlegen, dass es sich nicht um übliche Besuchsfahrten handelt. Da Pflegekosten außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art sind, müssen Sie jedoch zunächst eine zumutbare Belastung aus eigener Tasche zahlen, bis sich der erste Euro steuermindernd auswirkt. Die Höhe der zumutbaren Belastung richtet sich nach der Höhe der Einkünfte, des Familienstands und der Anzahl der Kinder.

Mein Mann und ich sind seit dem Jahr 2015 im Ruhestand. Wir mussten bislang keine Steuererklärung machen. Nun erhält mein Mann Pflegegeld in Pflegegrad II. Müssen wir jetzt eine Steuererklärung machen?

Bei den Einkünften spielt das Pflegegeld keine Rolle. Denn das Pflegegeld bleibt komplett steuerfrei.

Arbeitnehmer

Ich habe einen Minijob, der pauschal versteuert wird. Muss ich diesen in der Steuererklärung angeben?

Sofern der Minijob pauschal versteuert wird, müssen Sie diesen nicht in der Steuererklärung angeben. Allerdings können Sie bei einer pauschalen Versteuerung auch keine Werbungskosten steuerlich geltend machen. Die Entscheidung, ob der Minijob pauschal oder anderweitig versteuert wird, trifft der Arbeitgeber. Die pauschale Versteuerung ist in der Regel günstiger.

Kapitalerträge

Ich habe ausländische thesaurierende Fonds, allerdings in einem Depot bei einer deutschen Bank. Muss ich die Erträge trotzdem in meiner Steuererklärung angeben?

Sie müssen die Erträge in der Steuererklärung angeben und jedes Jahr notieren, welche Erträge Sie versteuert haben. Denn wenn Sie den Fonds verkaufen, behält das Kreditinstitut Abgeltungsteuer auf den Gewinn ein. Falls Sie nicht angeben, welche Erträge Sie bereits in den vergangenen Jahren versteuert haben, werden diese doppelt besteuert.

Immobilien

Wir haben unser Gartengrundstück verkauft. Müssen wir den Veräußerungsgewinn steuerlich geltend machen?

Das hängt davon ab, ob Sie Ihre Immobilie innerhalb der Spekulationsfrist von zehn Jahren verkauft haben. Relevant dafür ist das Datum der Verträge. Wenn Sie innerhalb der Spekulationsfrist verkauft haben, berücksichtigen Sie den Kaufpreis plus Nebenkosten wie Makler- oder Notargebühren und ziehen davon den Veräußerungspreis sowie mögliche Veräußerungskosten ab. Den restlichen Betrag müssen Sie versteuern.

Wir haben drei Immobilien im Jahr 2010 geerbt und haben diese nun verkauft. Müssen wir Spekulationssteuer zahlen?

Sie müssen keine Steuern zahlen – auch wenn Sie die Immobilie vor sieben Jahren geerbt haben und nun verkaufen. Denn relevant für die Veräußerungsfrist von zehn Jahren ist der letzte entgeltliche Erwerb der Immobilie und nicht die Erbschaft.

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Im November musste meine Brennwertheizung ausgetauscht werden. Kann ich die Ausgaben dafür als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung verrechnen?

Nein, das ist nicht möglich. Sie können allerdings die Ausgaben für die Montage der Brennwertheizung steuerlich geltend machen. Das Finanzamt akzeptiert bei Selbstnutzung Kosten für die Arbeitsleistung der Handwerker zu 20 Prozent bis zu 6000 Euro – maximal 1200 Euro. An den Ausgaben für die neue Heizung beteiligt sich das Finanzamt hingegen nicht. Bei Vermietung können Sie hingegen die gesamten Kosten, also Heizung plus Montage, als Werbungskosten verrechnen.

Alle Teile der Steuerserie finden Sie hier

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