Steuererklärung

Mit Fahrten zur Arbeit lässt sich bei der Steuer Geld sparen

Steuer-Serie (Teil 3): Wie berufliche Ausgaben als Werbungskosten beim Finanzamt geltend gemacht werden können.

Euro Car. Money origami. Car made from Euro

Euro Car. Money origami. Car made from Euro

Foto: iStockphoto

Wer mit den Kollegen seinen Geburtstag oder sein Dienstjubiläum feiert, sollte sich Gedanken über die Gästeliste machen – sofern das Finanzamt an den Ausgaben beteiligt werden soll. Von einer beruflichen Veranlassung der Feier ist etwa auszugehen, wenn die gesamte Abteilung eingeladen wird. Dabei ist irrelevant, ob auch private Gäste eingeladen sind. Die Bewirtungskosten für die beruflichen Gäste können anteilig steuerlich geltend gemacht werden, entschieden die Richter des Bundesfinanzhofs (Az. VI R 46/14). Wer nur ausgewählte Kollegen einlädt, lässt eine berufliche Veranlassung missen und muss die Veranstaltung aus eigener Tasche zahlen.

Mit Ausgaben für beruflich veranlasste Feiern, Fahrten zur Arbeit, das häusliche Arbeitszimmer oder Arbeitsmittel können Steuerzahler ihre Steuerlast drücken – sofern die Aufwendungen den Pauschbetrag in Höhe von 1000 Euro übersteigen. Beruflich bedingte Ausgaben tragen Steuerzahler auf den Seiten 2 und 3 der „Anlage N“ ein.

Entfernungspauschale Steuerzahler können den Fiskus an den Ausgaben für den Weg zur Arbeit beteiligen – egal wie sie die Strecke zurücklegen. In jedem Fall können sie 30 Cent je Entfernungskilometer abrechnen. Wer fünf Tage die Woche arbeitet, gibt 220 bis 230 Tage an, wer sechs Tage die Woche zur Arbeit fährt, 260 bis 280 Tage. Tage, an denen Sie krank oder in Urklaub waren, müssen Sie abziehen. Wer mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrmitteln zur Arbeit fährt, kann maximal 4500 Euro geltend machen. Autofahrer können mehr abrechnen – sofern sie dies mit Tankquittungen oder Tachoständen belegen.

Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, sollte rechnen, ob die tatsächlichen Kosten für die Bahn- und Bustickets oder aber die Entfernungspauschale höher ausfallen. „Die höheren Ausgaben verrechnen Steuerzahler in ihrer Steuererklärung“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Erste Tätigkeitsstätte All diejenigen, die an mehreren Arbeitsorten eingesetzt sind, wie etwa Bauarbeiter, sollten mit ihrem Arbeitgeber die „erste Tätigkeitsstätte“ festlegen. In der Regel ist das der Arbeitsplatz, den Sie täglich oder zumindest an zwei Tagen in der Woche aufsuchen oder wo Sie mindestens ein Drittel der Arbeitszeit verbringen. Den Weg zur „ersten Tätigkeitsstätte“ rechnen Steuerzahler mit der Entfernungspauschale ab. Bei allen Fahrten zu weiteren Arbeitsorten nicken die Finanzämter 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer ab. Hinzu kommt die Möglichkeit, eine Verpflegungspauschale zu verrechnen. „Daher empfiehlt es sich, die erste Tätigkeitsstätte mit dem Chef geschickt zu wählen“, rät Steuerberater Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg.

Ein Beispiel: Frau Meier fährt an drei Tagen in der Woche 93,2 Kilometer in die Filiale in Rheinsberg, an zwei Tagen 35,6 Kilometer in die Filiale nach Potsdam. Ihr Arbeitgeber hat die Filiale in Potsdam als erste Tätigkeitsstätte festgelegt. Den Weg nach Potsdam rechnet sie mit der Entfernungspauschale von 30 Cent je Kilometer ab. Für die Fahrten nach Rheinsberg kann sie jeden gefahrenen Kilometer sowie in den ersten drei Monaten eine Verpflegungspauschale abrechnen. Mit Rheinsberg als „erster Tätigkeitsstätte“ fiele ihre Steuerersparnis deutlich geringer aus.

Versäumt es der Arbeitnehmer, mit seinem Chef eine „erste Tätigkeitsstätte“ festzulegen, übernimmt das Finanzamt das. „Nicht immer zum Vorteil für den Steuerzahler“, sagt Wawro
.

Verpflegungspauschale Insbesondere Steuerzahler, die ständig wechselnde Einsatzorte haben, wie etwa Piloten oder Monteure, können über die Verpflegungspauschale viel Steuern sparen. Denn sie können die Pauschale unbegrenzt abrechnen. Bei allen anderen, wie im Beispiel mit Frau Meier, ist die Verrechnung auf maximal drei Monate begrenzt. Wer immer nur einige Tage beruflich unterwegs ist, muss rechnen. Sind Sie mehr als acht Stunden beruflich in Deutschland unterwegs, können Sie zwölf Euro am Tag abrechnen. Bei 24 Stunden akzeptieren die Finanzämter eine Pauschale von 24 Euro. Allerdings müssen Sie diese Beiträge kürzen, wenn Sie Mahlzeiten erhalten haben.

Arbeitsmittel Auch mit Ausgaben für Fachliteratur, Schreibtischstuhl, Fachliteratur oder den neuen PC lassen sich Steuern sparen. Seit 2009 können sie die Ausgaben für die Arbeitsmittel in eine private und eine berufliche Nutzung aufteilen. „Die anteilige berufliche Nutzung darf jedoch nicht von untergeordneter Bedeutung sein“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Fällt diese geringer aus als zehn Prozent, akzeptiert das Finanzamt die Ausgaben nicht. Eine Ausnahme gibt es jedoch bei der Anschaffung eines Computers. Wird der PC auch beruflich genutzt, nicken die Finanzämter in der Regel 50 Prozent der Kosten ab. „Wer einen höheren Anteil steuerlich geltend machen möchte, sollte die berufliche Nutzung des PCs dokumentieren“, rät Kauth. Eine Besonderheit gibt es auch, wenn Sie sogenannte Peripheriegeräte wie einen Drucker oder Scanner kaufen. Da die Geräte nicht eigenständig funktionieren, müssen sie gemeinsam mit dem Computer abgerechnet werden.

Fortbildungen Für Laien mag es keine Rolle spielen, ob sie von einer Aus- oder einer Fortbildung sprechen. Im Steuerrecht wird allerdings klar differenziert. Die Aufwendungen für ein erstes Studium oder eine erste Ausbildung außerhalb eines Ausbildungsdienstverhältnisses können Steuerzahler bis zur Höhe von 6000 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. „Sonderausgaben können allerdings nur in dem Jahr verrechnet werden, in dem sie anfallen“, sagt Rauhöft. Daher verpufft die mögliche Steuerersparnis in vielen Fällen, da Studierende oft über keine oder allenfalls geringe Einkünfte verfügen. Was unter einer Erstausbildung zu verstehen ist, haben die Finanzämter klar definiert. Dabei handelt es sich um Bildungsmaßnahmen, die mindestens über zwölf Monate Vollzeit absolviert und mit einer Prüfung abgeschlossen wurden. Wenn der Streit über das Arbeitszimmer vor Gericht endet

Alle Bildungsmaßnahmen, die Steuerzahler danach absolvieren, fallen in die Rubrik der Fortbildungen. In diesen Fällen können die Ausgaben in voller Höhe als Werbungskosten verrechnet werden. „Allerdings muss ein Zusammenhang zwischen der Bildungsmaßnahme und künftigen Einnahmen bestehen“, sagt Steuerberater Wawro. Der Vorteil von Werbungskosten: Sie werden durch einen Verlustvortrag auch dann später steuerlich berücksichtigt, wenn in dem Jahr der Ausgaben keine Einkünfte vorliegen.

Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob es rechtens ist, dass Ausgaben für eine erste Ausbildung oder ein erstes Studium lediglich bis zur Höhe von 6000 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden dürfen (u. a. 2 BvL 23/14). „Steuerzahler in einem Erststudium oder in einer ersten Ausbildung sollten daher die Ausgaben steuerlich geltend machen“, rät Rauhöft. Sofern keine ausreichend hohen Einkünfte vorliegen, kreuzen Steuerzahler auf dem Hauptformular das Feld „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs“ an und legen mit Hinweis auf die anhängigen Verfahren Einspruch gegen den Steuerbescheid ein. Sie können dann Verluste von Jahr zu Jahr weitertragen und im ersten Berufsjahr mit der dann zu zahlenden Steuer verrechnen. Wer in den vergangenen Jahren keine Steuererklärung gemacht hat, kann dies noch für die letzten sieben Jahre rückwirkend nachholen.

Master-Studierende und solche, die bereits eine erste Ausbildung abgeschlossen haben, können in jedem Fall ihre Ausgaben für eine Fortbildung als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Alle anderen müssen das Urteil der Karlsruher Richter abwarten.

Umzug Wer den Wohnort wechselt, hat viele Ausgaben. Doppelte Miete, Maklerkosten und Aufwendungen für neue Lampen und Gardinen. An einem Teil der Kosten können Steuerzahler das Finanzamt beteiligen. Dabei wird unterschieden, ob der Umzug privat oder beruflich veranlasst ist. Wer sich aus beruflichen Gründen eine neue Bleibe sucht, kann die Ausgaben wie doppelte Miete oder Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen als Werbungskosten verrechnen. Zudem akzeptieren die Finanzämter eine Umzugskostenpauschale sowie eine Pauschale für den Nachhilfeunterricht der Sprösslinge – sofern dieser wegen des Wohnungswechsels notwendig ist (siehe Grafik). Wer die Umzugskartons aus privaten Gründen packt, kann die Ausgaben als haushaltsnahe Dienstleistung verrechnen (Teil 7).

Stellen Sie den Steuerexperten Ihre Fragen

Hilfe Keine Frage, eine Steuererklärung lohnt sich. Im vergangenen Jahr haben die Finanzämter Arbeitnehmern laut Senatsverwaltung für Finanzen im Schnitt 985 Euro überwiesen. Doch beim Ausfüllen der Bögen taucht häufig die eine oder andere Frage auf. Wie sieht es bei Heimkosten aus? Und muss ich als Rentner überhaupt eine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben?

Telefonaktion Am Sonnabend, 18. März, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zur Steuererklärung 2016 den Experten des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine und des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg zu stellen. Sie erreichen die Fachleute zwischen 11 und 13 Uhr. Die Telefonnummern werden in der Ausgabe am Sonnabend veröffentlicht.

Weitere Folgen der Steuer-Serie:

Wie man mit Ausgaben für Versicherungen Steuern spart

Wie Medikamente und Pflege die Steuerlast mindern