Finanztipps

Steuererklärung 2014 - Die wichtigsten Antworten der Experten

Bei einer Telefonaktion haben sich Experten des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine und des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg den Fragen der Leser gestellt. Die wichtigsten Themen.

Foto: Krauthoefer / Jörg Krauthöfer

Allgemein

Ich habe im vergangenen Jahr meinen Partner geheiratet. Unsere Einkommen sind annähernd gleich hoch. Gelten für eingetragene Lebenspartnerschaften die gleichen Regeln wie für Ehen?

Steuerrechtlich gibt es keinen Unterschied. Sie und Ihr Partner sollten Steuerklasse IV wählen, da Ihre Einkommen ungefähr gleich hoch sind. Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere, sollte der besser Verdienende die Steuerklasse III und der mit dem geringeren Einkommen die Steuerklasse V wählen. Die Steuerklasse V ist jedoch nachteilig, wenn Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld gewährt werden.

Ich arbeite ehrenamtlich im Sportverein. Geld erhalte ich dafür nicht. Wie kann ich in der Steuererklärung die Ehrenamtspauschale nutzen?

Wenn Sie kein Geld für Ihr ehrenamtliches Engagement erhalten, können Sie auch keine Ehrenamtspauschale in der Steuererklärung geltend machen. Alle anderen, die für ihr Ehrenamt Geld erhalten, sollten die Pauschale nutzen. Denn dann bleiben die Einnahmen aus dem Ehrenamt bis zur Höhe von 2400 Euro im Jahr steuerfrei.

Ruheständler

Ich bin 2014 in Rente gegangen und erhalte eine gesetzliche Rente von 1200 Euro. Weitere Einkünfte habe ich nicht. Muss ich eine Steuererklärung machen?

Sie erhalten im Jahr 14.400 Euro Rente. Da Sie sich 2014 in den Ruhestand verabschiedet haben, müssen Sie 68 Prozent Ihrer Rente steuerlich veranschlagen, abzüglich 102 Euro Werbungskostenpauschale. Das wären in Ihrem Fall 9690 Euro. Da ihr Gesamtbetrag der Einkünfte über dem Grundfreibetrag von 8354 Euro liegt, müssen Sie eine Steuererklärung machen. Sie können jedoch eine Reihe von Ausgaben wie beispielsweise Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich geltend machen. Nur wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen über dem Grundfreibetrag von 8345 Euro liegt, müssen Sie Steuern zahlen.

Meine Frau ist im vergangenen Jahr gestorben. Sie war 2005 in Rente gegangen. Ich habe mich 2014 zur Ruhe gesetzt. Ändert sich jetzt etwas am steuerpflichtigen Anteil meiner Witwenrente?

Nein. In der Steuererklärung sollten Sie angeben, dass Ihre Frau 2005 in Rente gegangen war. Dann gilt für die Witwenrente weiterhin der günstige Besteuerungsanteil von 50 Prozent. Ihre gesetzliche Rente müssen Sie als Neurentner 2014 mit 68 Prozent steuerlich veranschlagen.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat mich in Pflegestufe I eingestuft. Bislang musste ich keine Steuererklärung machen. Muss ich das Pflegegeld versteuern?

Nein, das müssen Sie nicht. Auszahlungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung sind grundsätzlich steuerfrei.

Meine Frau und ich haben zusammen eine Rente von 2200 Euro und wir bekommen noch 500 Euro Miete pro Monat, weil wir einen Teil unseres Hauses vermietet haben. Müssen wir Steuern zahlen?

Ihre Renten werden zu 50 Prozent versteuert, da Sie vor 2005 in Rente gegangen sind. Das sind in Ihrem Fall rund 1200 Euro, da die Rentenanpassungen voll steuerpflichtig sind. Die Miete müssen Sie ebenfalls versteuern. Sie können eine Steuerlast jedoch minimieren. Die Ausgaben für die vermietete Fläche in Ihrem Haus können Sie steuerlich geltend machen. Dazu nehmen Sie alle Kosten, beispielsweise für Instandhaltung, Grundsteuer und Zinsen und teilen die Summe durch die Quadratmeter des Hauses. Steuerlich geltend machen können Sie dann den Teil der Aufwendungen, der auf die vermieteten Quadratmeter entfällt. Das gilt auch für die Abschreibung.

Ich habe bislang eine Witwenpension erhalten, die ich immer in die „Anlage N“ eingetragen habe. Nun erhalte ich seit 2014 gesetzliche Rente. Wo muss ich diese eintragen?

Ihre gesetzliche Rente tragen Sie in der Steuererklärung in die „Anlage R“ ein. Zudem müssen Sie weiterhin die „Anlage N“ ausfüllen und dort Ihre Witwenpension angeben.

Mein Mann und ich sind 2004 in Rente gegangen. Bislang mussten wir keine Steuererklärung machen. Bleibt es dabei?

Nicht zwingend. Das Finanzamt hat bei Ihnen einen Freibetrag ermittelt, der zeitlebens gilt. Rentenerhöhungen wandern in den steuerpflichtigen Topf. Daher lohnt es sich, nachzurechnen, ob ihr Gesamtbetrag der Einkünfte mit den Rentenerhöhungen inzwischen den Grundfreibetrag von 8354 Euro übersteigt.

Meine Mutter ist in Pflegestufe II eingestuft. Nun fahre ich regelmäßig zu ihr, um sie zu pflegen. Kann ich das Finanzamt an den Fahrtkosten beteiligen?

Sie können die Fahrten in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen. Oft unterstellen die Finanzämter jedoch, dass die Besuche privat veranlasst sind. Daher sollten Sie den Anlass für die Fahrten entsprechend begründen.

Ich bin Österreicher, habe meinen Wohnsitz aber in Deutschland. In Deutschland beziehe ich eine kleine Rente, in Österreich erhalte ich Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Werden diese in Deutschland in den Progressionsvorbehalt einbezogen?

Innerhalb der Europäischen Union ist der Progressionsvorbehalt bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abgeschafft worden. Daher müssen Sie in Deutschland keine Steuererklärung machen.

Ich habe 600.000 Euro geerbt, die Erbschaft in meiner Steuererklärung angegeben. Muss ich mein Erbe zusätzlich noch als Einnahmen in meiner Steuererklärung angeben?

Nein, das müssen Sie nicht. Mit der Erbschaftsteuer ist alles abgegolten.

Arbeitnehmer

Meinem Chef ist gleich, welches meine „erste Tätigkeitsstätte“ ist. Zu dem einen Arbeitsort fahre ich mit dem PKW acht Kilometer, zu dem anderen 27 Kilometer. Was wäre die günstigere Wahl?

In diesem Fall empfiehlt es sich, den acht Kilometer entfernten Einsatzort als „erste Tätigkeitsstätte“ anzugeben. Denn den Weg zur „ersten Tätigkeitsstätte“ können Sie mit der Entfernungspauschale abrechnen – also die einfache Entfernung mit 30 Cent je Kilometer. Bei den Fahrten zum anderen Arbeitsort können Sie die Kilometer für Hin- und Rückfahrt mit 30 Cent je Kilometer oder die tatsächlichen Kosten verrechnen.

Ende 2015 werde ich eine Abfindung erhalten und dann arbeitslos sein. Wann sollte ich mir die Abfindung auszahlen lassen?

Wahrscheinlich ist es günstiger, wenn Sie sich die Abfindung in 2016 als Einmalbetrag auszahlen lassen. Das Arbeitslosengeld 2016 unterliegt lediglich dem Progressionsvorbehalt. Die Steuerlast dürfte deshalb niedriger ausfallen, wenn Sie sich die Abfindung 2016 auszahlen lassen.

Mein Sohn hat als Vermögenswirksame Leistung einen Bausparvertrag abgeschlossen. Wir würden gern die Arbeitnehmersparzulage beantragen. Wie geht das?

Die Arbeitnehmersparzulage erhält Ihr Sohn, wenn sein zu versteuerndes Einkommen 17.900 Euro nicht übersteigt. Um sie zu bekommen, muss er eine Steuererklärung machen. Dazu kreuzt er auf der ersten Seite des Steuerhauptformulars das Kästchen „Antrag auf Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage“ an.

Ich habe eine doppelte Haushaltsführung. Nun hat die Stadt, in der ich meine Zweitwohnung unterhalte, eine Zweitwohnungsteuer eingeführt. Kann ich diese steuerlich geltend machen?

Sie können die Ausgaben für die Zweitwohnungsteuer als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben und so neben anderen Ausgaben für die Zweitwohnung wie Miete oder wöchentliche Heimfahrten steuerlich geltend machen.

Versicherungen

Kann ich meine Haftpflichtversicherung steuerlich geltend machen?

Haftpflichtversicherungen aller Art können Sie immer als Sonderausgaben in der Steuererklärung angeben – also eine allgemeine Haftpflicht ebenso wie eine Boots- oder Gebäudehaftpflicht. In der Regel wird die Versicherung aber nur berücksichtigt, wenn der Höchstbetrag für „andere Versicherungen“ von 1900 Euro pro Person nicht ausgeschöpft ist. Eine Berufshaftpflicht geben Sie unabhängig davon als Werbungskosten an.

Kapitalerträge

Ich habe vergessen, Freistellungsaufträge bei meinen Banken zu stellen. Kann ich mir die Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückholen?

Ja. Anlegern steht ein Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Alleinstehende) bzw. 1602 Euro (Verheiratete) zu. Bis zu dieser Höhe bleiben Zinsen und Kursgewinne steuerfrei. Wenn Sie vergessen haben, Freistellungsaufträge zu stellen, können Sie sich die zu viel gezahlte Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückholen. Einfach die Kapitalerträge in der „Anlage KAP“ in die Zeilen 7 bis 11 eintragen und in Zeile 12 den Sparerpauschbetrag, den Sie beansprucht haben. Auf der Rückseite tragen Sie die Abgeltungsteuer ein und fügen die Steuerbescheinigung der Bank bei.

Im vergangenen Jahr wurde meine Lebensversicherung ausgezahlt. Muss ich die Auszahlung versteuern? Ich habe den Vertrag 2000 abgeschlossen.

Da Sie die Kapitallebensversicherung vor 2005 abgeschlossen haben, müssen Sie die Auszahlungen nicht versteuern.

Ich habe gelesen, dass ich als Rentner eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen kann.

Eine Nichtveranlagungsbescheinigung können Leute mit geringen Einkünften beantragen, deren Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag von 801 bzw. 1602 Euro liegen. Beantragen können das Formular nur Steuerzahler, deren Einkommen einschließlich Kapitaleinkünfte das steuerfreie Existenzminimum nicht überschreitet. Bei Alleinstehenden liegt das gegenwärtig bei 8354 Euro. Wenn Sie bei den Kreditinstituten eine entsprechende Bescheinigung vorlegen, werden Kapitalerträge ohne den Abzug von Abgeltungsteuer ausgezahlt. Die Bescheinigung gilt drei Jahre. Sollten die Bedingungen für die Nichtveranlagungsbescheinigung nicht mehr zutreffen, müssen Sie diese zurückgeben.

Immobilien

Ich habe in meinem Haus eine Alarmanlage installieren lassen. Kann ich die Ausgaben steuerlich geltend machen?

Sie können das Finanzamt an den Ausgaben für die Handwerkerleistung beteiligen. Grundsätzlich akzeptiert der Fiskus Arbeits- und Fahrtkosten – jedoch nicht das verbaute Material. Dieses sollte auf der Rechnung gesondert ausgewiesen werden. Handwerkerkosten mindern die Einkommensteuer zu 20 Prozent, maximal 1200 Euro im Jahr.

Ich habe mein Wohnzimmer streichen lassen. Die Rechnung habe ich 2014 erhalten, überwiesen habe ich den Betrag jedoch erst im Januar 2015.

Sie können die Ausgaben als Handerkerkosten in der Steuererklärung steuerlich geltend machen. Bei dem Absetzen der Kosten gilt das sogenannte Abflussprinzip. Das bedeutet: Sie müssen den Betrag in dem Steuerjahr steuerlich geltend machen, in dem Sie diesen überwiesen haben. In Ihrem Fall bedeutet das, dass Sie die Ausgaben erst in der Steuererklärung 2015 steuerlich geltend machen können.

Protokolliert von Barbara Brandstetter