Steuerserie 2015

Wie Kosten für Handwerker die Steuerlast senken

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Barbara Brandstetter

Foto: Heinz von Heydenaber / PA/dpa

In der Steuererklärung lassen sich Handwerkerrechnungen, Ausgaben für Haushaltshilfen, Au-Pairs, Tagesmütter und Gartenarbeit steuerlich geltend machen. Es gilt allerdings, einige Regeln zu beachten.

Steuerzahler können nun in mehr Fällen das Finanzamt an den Ausgaben für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen beteiligen. Grund dafür sind einige für Steuerzahler freundliche Urteile sowie eine neue Definition der Finanzverwaltung, was unter „Neubaumaßnahmen“ zu verstehen ist. Die Ausgaben für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen tragen Steuerzahler in das Steuerhauptformular auf Seite 3 ein.

Finanzamt akzeptiert Handwerkerkosten bis zu 20 Prozent

Wer Handwerker in seinem Eigenheim beschäftigt, kann bis zu 6000 Euro mit 20 Prozent, also maximal 1200 Euro im Jahr verrechnen. Allerdings beteiligt sich der Fiskus nur an Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen. Das sind beispielsweise Schönheitsreparaturen wie Tapezieren oder Streichen von Innenwänden, Modernisierung des Badezimmers, Austausch der Einbauküche, Reinigung der Dachrinne oder Beseitigen von Graffiti.

Nicht begünstigt sind „Neubaumaßnahmen“. Doch diesen Begriff hat die Finanzverwaltung 2014 neu definiert. Unter Neubaumaßnahmen verstehen die Finanzämter nun alle Arbeiten „im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung“. Daher können Steuerzahler das Finanzamt nun an deutlich mehr Arbeiten beteiligen – auch wenn dadurch neue Wohn- oder Nutzflächen geschaffen werden. Das war bislang ausgeschlossen. „Die neue Regelung gilt in allen noch offenen Steuerfällen rückwirkend bis 2006“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Das Finanzamt beteiligt sich künftig also auch an den Kosten für den Anbau eines Wintergartens, den Ausbau eines Dachgeschosses oder Kellers oder das Aufstellen eines Carports. De facto an Handwerkerkosten nach Einzug ins neue Eigenheim.

Auf den Ausgaben für den Schornsteinfeger bleiben Steuerzahler künftig jedoch zum Teil sitzen. „Begünstigt sind nur noch Kehr-, Reparatur- und Wartungsarbeiten des Schornsteinfegers“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. An den Ausgaben für Messungen und Überprüfungen beteiligt sich der Fiskus nicht mehr.

Reparatur von Haushaltsgeräten lassen sich von der Steuer absetzen

Die Finanzämter nicken auch die Kosten für die Reparatur von Gegenständen im Haushalt des Steuerzahlers ab. Lässt er beispielsweise seinen Fernseher oder die Waschmaschine im Eigenheim reparieren, kann er die Ausgaben als Handwerkerleistung verrechnen. Der Fiskus beteiligt sich jedoch nicht, wenn Handwerker die Geräte im Geschäft oder in der Werkstatt reparieren. Die 20 Prozent von den anzuerkennenenden Ausgaben ziehen die Finanzämter direkt von der Steuerschuld ab.

Beschäftigtenverhältnis einer Hilfe entscheidet über Absetzbarkeit

Wie hoch der Betrag ist, den Steuerzahler verrechnen können, hängt maßgeblich davon ab, in welcher Form die Hilfe in ihrem Haushalt beschäftigt ist. Die Finanzbeamten unterscheiden im Wesentlichen drei Gruppen: Minijobs, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen sowie selbstständig Tätige.

Ist der Arbeitslohn nicht höher als 450 Euro im Monat, sprechen Experten von einer geringfügigen Beschäftigung oder einem Minijob. Wer eine Hilfe in dieser Form in seinem Haushalt beschäftigen möchte, muss das Haushaltscheckverfahren nutzen und Pauschalen für die gesetzliche Rentenversicherung, eventuell Krankenversicherung und Steuern an die Minijobzentrale abführen.

Haushalte, die ihre Hilfe bei der Minijobzentrale gemeldet haben, können 20 Prozent der Kosten bis 2550 Euro, also maximal 510 Euro steuerlich geltend machen. Den Betrag ziehen die Beamten direkt von der Steuerschuld ab. Einzige Bedingung: Die Arbeiten müssen im Haushalt des Auftraggebers durchgeführt werden. Keine Rolle spielt dabei, ob sich der Haushalt in Deutschland, der EU oder in einem Mitgliedstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) – also Norwegen, Island oder Liechtenstein – befindet.

Minijobber dürfen nicht mehr als 450 Euro verdienen

Wenn die Hilfe im Monat bei mehreren Arbeitgebern insgesamt mehr als 450 Euro verdient, ist eine geringfügige Beschäftigung nicht mehr möglich. Das heißt, ein oder mehrere Minijobs dürfen zusammen 450 Euro Lohn nicht überschreiten. Für weitere Arbeitgeber müssen die Lohnsteuer-Merkmale ans Finanzamt gemeldet werden. Dann wird Lohnsteuer abgezogen, auch Sozialversicherungsbeiträge müssen abgeführt werden. Zwischen 450 Euro und 850 Euro gibt es eine stufenweise Übergangsregelung, ab 850 Euro müssen die Sozialabgaben voll gezahlt werden.

In die Kategorie haushaltsnahe Dienstleistungen fallen neben den Minijobs auch Hilfen, die selbstständig tätig sind genauso wie sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. In beiden Fällen akzeptieren die Beamten 20 Prozent der Kosten bis zu 20.000 Euro, also maximal 4000 Euro. Den Betrag zieht das Finanzamt direkt von der Steuerschuld ab.

Fensterreinigung und Kosten für Au-Pair senken die Steuerlast

In die Kategorie haushaltsnahe Dienstleistungen gehören eine ganze Reihe an Tätigkeiten, wie beispielsweise Gartenpflege, Fensterreinigung oder das Blumengießen in der Urlaubszeit. Auch die Ausgaben für eine Tagesmutter, Umzugsspeditionen, ambulante Krankenpflegedienste, ein Au-Pair oder die Betreuung von Hunden oder anderen Haustieren nicken die Finanzbeamten als haushaltsnahe Dienstleistung ab.

„Die Tätigkeiten müssen jedoch im Haus oder auf dem Grundstück des Auftraggebers stattfinden“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfe. Andernfalls akzeptieren die Finanzämter die Ausgaben nicht. Ein Beispiel: Wer seinen Hund in einer Tierpension betreuen lässt, kann die Ausgaben nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen. Kommt die Betreuerin ins eigene Haus, ist dies möglich.

In den vergangenen Jahren gab es oft Streitigkeiten zwischen Steuerzahlern und Finanzämtern, wenn die Arbeiten sowohl auf dem Grundstück als auch auf öffentlichem Gelände wie beispielsweise dem Gehsteig durchgeführt wurden. Doch in dieser Frage haben die Richter des Bundesfinanzhofs in zwei Urteilen für Klarheit gesorgt. So können Steuerzahler die Ausgaben für das Schneeräumen und Reinigen von öffentlichen Gehwegen durchaus als haushaltsnahe Dienstleistungen abrechnen (Az. VI R 55/12). Auch können Steuerzahler die Ausgaben für Handwerker steuerlich geltend machen, die das Haus an die öffentliche Trink- und Abwasserversorgung anschließen (Az. VIR 56/12).

Nur die Arbeitskosten sind absetzbar

Der Staat beteiligt sich sowohl bei den Handwerkern als auch bei den haushaltsnahen Dienstleistungen lediglich an den Arbeitskosten. Materialkosten müssen Steuerzahler allein zahlen, nicht aber beispielsweise Schmiermittel, Sandpapier, Abklebefolien oder Abdeckplanen. Zu den Arbeitsleistungen zählen auch die An- und Abfahrt sowie die auf die Leistungen entfallende Mehrwertsteuer. „Achten Sie darauf, dass in der Rechnung Material- und Arbeitskosten getrennt ausgewiesen werden“, rät Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Der feine Unterschied zwischen Gartenpflege und Pflanzarbeiten

Bei Arbeiten im Garten unterscheiden die Finanzämter zwischen Tätigkeiten, die als haushaltsnahe Dienstleistungen einzustufen sind und solchen, die Handwerkerleistungen sind. In die Kategorie haushaltsnahe Dienstleistungen fallen beispielsweise leichte Gartenpflegearbeiten wie Rasenmähen, Unkrautjäten oder Heckenschneiden. Von diesen Tätigkeiten können Steuerzahler 20 Prozent der Kosten von bis zu 20.000 Euro verrechnen, maximal 4000 Euro.

Pflasterarbeiten, die Gestaltung eines Gartens oder Erd- und Pflanzarbeiten sind hingegen nach Auffassung der Finanzverwaltung Handwerkerleistungen. Von diesen akzeptieren die Beamten lediglich 20 Prozent der Gesamtkosten von bis zu 6000 Euro – also maximal 1200 Euro.