Marktsicht

Vor Gericht und auf hoher See…

Das Bundesverfassungsgericht gibt grünes Licht für die Euro-Rettung – vorerst, so Alexander Lukas, Senior-Portfoliomanager der Weberbank.

Foto: Patrick Sinkel / DAPD

Die Mühlen der Justiz mahlen sprichwörtlich langsam. Und so hat sich das Bundesverfassungsgericht einige Wochen Zeit gelassen, um über Wohl und Wehe der Euro-Zone und des Euros zu entscheiden. Um es kurz zu machen: Das Gericht hat die Anträge abgelehnt und so den Weg für den dauerhaften Rettungsmechanismus ESM freigemacht. Die Auflagen dafür scheinen realisierbar, so dass international Aufatmen zu vernehmen war. Dass die „Entscheidung in der Hauptsache“ (erwartet im Dezember) noch aussteht und hierbei auch darüber entschieden werden soll, ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Kompetenzen bei Staatsanleihe-Käufen überschreitet, ist derzeit nur eine kleine Randnotiz – die aber möglicherweise weitere Konsequenzen mit sich bringt. Vorerst ist in jedem Fall ein Großteil der Unsicherheit vom Tisch.

US-Notenbank kündigt Anleihenkaufprogramm an

Flankiert wurde die Gerichtsentscheidung von der US-Notenbank Fed, die nur einen Tag später ein neues, drittes Anleihenkaufprogramm angekündigt hat. Grund dafür ist, dass die Fed weiterhin sehr unzufrieden mit der Wirtschaftsentwicklung und insbesondere mit dem Arbeitsmarkt der USA ist. Mit dieser quantitativen Lockerung, dem sogenannten „Quantitative Easing“-Programm 3 (QE3), werden die Märkte erneut massiv mit Geld geflutet. Anders als die EZB wird die Fed die dabei herausgereichten Dollars frisch drucken und nicht an anderer Stelle absorbieren.

Im Detail werden künftig mit Hypotheken besicherte US-Anleihen in Höhe von 40 Mrd. Dollar gekauft – jeden Monat. Dieser Betrag kann bei Bedarf auch erhöht werden. Die Besonderheit an diesem Programm ist, nachdem es ohnehin schon erwartet worden war, dass es unbefristet gültig ist und auch noch nach einer Wirtschaftserholung weiterhin aufrecht erhalten werden kann.

Insofern unterscheidet sich QE3 von seinen Vorgängern. Trotz Risiken und Nebenwirkungen wie Inflationsgefahren oder einer ungesunden Kreditnachfrage freuen sich die Finanzmärkte. Derzeit werden die Risiken als gering eingestuft. Das wird möglicherweise nicht lange so bleiben.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

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Alexander Lukas

Alexander Lukas,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Alexander Lukas ist seit 2008 in der Vermögensverwaltung der Weberbank für die Aktienauswahl im Bereich der Nebenwerte verantwortlich. Der gelernte Bankkaufmann und Chartered Financial Analyst hat Volkswirtschaftslehre in Berlin und Mailand studiert.