Marktsicht

Pfandbriefe und ihre gesetzlich geregelte Sicherung

Wie man im aktuellen Zinsumfeld einen positiven Ertrag erzielen kann, ohne auf Sicherheit zu verzichten, sagt Jan Gengel von der Weberbank.

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Die Sorgen über eine weitere Eskalation der Staatsschuldenskrise lässt Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen öffentlicher deutscher Anleihen fliehen. Jedoch sind die Renditen mittlerweile stark gesunken, so dass selbst für länger laufende Festzinspapiere kein real positiver Ertrag erzielbar ist. Doch es gibt Alternativen. Eine ist der Pfandbrief.

Pfandbriefgesetz und Deckungsstock

Aber was sind Pfandbriefe genau? Eine Kurzdefinition könnte wie folgt lauten: Ein Pfandbrief ist ein festverzinsliches Wertpapiere, dass durch einen Deckungsstock besichert ist und auf den Grundlagen des Pfandbriefgesetzes beruht. Damit sind auch gleich die beiden wichtigsten Besonderheiten eines Pfandbriefes genannt. Zum einen das Pfandbriefgesetz. Dieses ist die rechtliche Grundlage für die Sicherheit der Anleger. Neben den zusätzlichen Pflichten und Bestimmungen für Pfandbriefbanken ist in ihm beispielsweise eine besondere Aufsicht verankert, der die Emittenten von Pfandbriefen unterliegen.

Zum anderen der Deckungsstock, in dem die Sicherheiten gebündelt werden. Zu jeder Zeit müssen die gestellten Sicherheiten innerhalb des Deckungsstockes mindestens dem emittierten Volumen an Pfandbriefen entsprechen. Und das besondere dabei: Sollte eine Pfandbriefbank trotz strengerer Kontrollen und höherer Anforderungen wider Erwarten dennoch insolvent werden, bleibt der Deckungsstock unberührt. Die hinterlegten Sicherheiten dienen ausschließlich den Pfandbriefgläubigern und dürfen erst für andere Zwecke genutzt werden, wenn alle Anleger vollständig bedient wurden.

Hohes Maß an Sicherheit mit langer Historie

Pfandbriefe bieten Anlegern ein Maß an Sicherheit, wie es nur noch wenige staatliche Emittenten können. Dabei reichen die Wurzeln des deutschen Pfandbriefsystems bis in das Jahr 1769 und der Zeit Friedrich des Großen zurück. Die harten Anforderungen an die Qualität der Sicherheiten, das Risikomanagement und die hohe Transparenz haben dazu geführt, dass es seit über 100 Jahren keinen Ausfall eines Pfandbriefes gegeben hat. Eine Historie, die auch staatliche Emittenten nicht vorweisen können.

Pfandbriefe interessant für zinssuchende Anleger

Dennoch bieten Pfandbriefe auch im aktuellen Umfeld einen Renditeaufschlag gegenüber öffentlichen Anleihen. Dieser Aufschlag wird häufig als Risikoprämie bezeichnet und beträgt abhängig von Laufzeit und Emittent derzeit durchaus mehr als einen ganzen Prozentpunkt.

Im historischen Vergleich ist dies ein attraktives Niveau, welches dafür sorgt, dass auch nach Abzug der Inflation ein positiver Ertrag für den Anleger verbleibt. Aber warum existiert trotz der dargestellten Sicherheiten überhaupt ein Aufschlag? Dieser ist vorwiegend in der geringeren Liquidität begründet. Insbesondere institutionelle Anleger nutzen gerade öffentliche Anleihen aus Deutschland auch als Liquiditätsersatz und benötigen in sehr großen Volumina eine hohe Handelbarkeit. Die geringere Marktgröße bei Pfandbriefen führt als Ausgleich zu einem höheren Ertrag. Und diesen sollten zinssuchende Anleger nutzen!

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

www.weberbank.de

Jens Herdack

Jan Gengel,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Jan Gengel ist verantwortlich für die Kapitalmarktanalyse und das Rentenmanagement der Weberbank. Der gelernte Bankkaufmann besitzt zudem akademische Abschlüsse als Diplomvolkswirt, Certified European Financial Analyst und Certified International Investment Analyst.