Marktsicht

Griechische Tauschgeschäfte

„Die Hälfte ist mehr als das Ganze". Diese paradoxe Erkenntnis hat der griechische Dichter Hesiod in seinem Werk „Erga" bereits vor fast dreitausend Jahren formuliert. Dahinter steckt weitaus mehr, als heute in den griechischen Schuldenschnitt hinein interpretiert werden kann.

Und dennoch: An diese Weisheit werden sich derzeit so manche Griechenland-Anleger erinnert fühlen. Denn mit dem jüngst beschlossenen griechischen Schuldenschnitt verzichten die Investoren zunächst auf etwas mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Forderungen. Gleichzeitig werden ihnen im Tausch für eine alte griechische Anleihe gleich 24 neue bis zu 30 Jahre laufende Wertpapiere in das Depot gebucht. Weniger ist manchmal tatsächlich mehr. Leider in diesem Zusammenhang zum Ärgernis vieler Investoren. Nicht nur, dass die 24 Wertpapiere zusammen sogar weit weniger als die Hälfte wert sind, sondern auch, dass eine Veräußerung der Anteile nun auch sehr kostspielig wird. 24 Mal würden Transaktionskosten fällig werden, was bei einem Gegenwert von jeweils wenigen Euro oftmals einen Verkauf unwirtschaftlich macht.

Und so werden sich viele Anleger vermutlich auch noch im Jahr 2042 bei einem Blick in ihr Depot die Faust in der Tasche ballen. Die gute Nachricht für den griechischen Staat ist, dass die Gläubiger auf über 100 Milliarden Euro verzichten. Außerdem wurde mit dem Schuldenschnitt der Weg für weitere Hilfsmaßnahmen freigemacht. In mehreren Tranchen werden von den Eurostaaten im Rahmen des zweiten Rettungspakets insgesamt 130 Milliarden Euro überwiesen. Das Ziel, die Schuldenlast bis zum Ende des Jahrzehnts von 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf erträgliche 120 Prozent zu reduzieren, scheint im Rahmen des Erreichbaren.

Damit kann man sich also wieder anderen Themen zuwenden. In den USA werden die Wirtschaftsdaten zunehmend erfreulicher, auch wenn die Bäume selbstverständlich nicht in den Himmel wachsen. Der US-Arbeitsmarkt erholt sich, die Stimmung der Konsumenten steigt. Und auch weitere Stimmungsindikatoren, zum Beispiel aus dem Dienstleistungssektor, signalisieren eine Erholung. Auch hierzulande verbessern sich einige Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex, der schon das vierte Mal in Folge angestiegen ist. Ein gutes Signal.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

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Alexander Lukas

Alexander Lukas,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Alexander Lukas ist seit 2008 in der Vermögensverwaltung der Weberbank für die Aktienauswahl im Bereich der Nebenwerte verantwortlich. Der gelernte Bankkaufmann und Chartered Financial Analyst hat Volkswirtschaftslehre in Berlin und Mailand studiert.